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Das neue Leben aus dem Heiligen Geist

Verstehen und vertrauen

Die Rechenschaft vom Glauben (RvG) befasst sich mit dem neuen Leben im Heiligen Geist und legt den Schwerpunkt auf das neue Leben. Aus meiner Sicht erstaunlich: Von den 15 genannten Versen beziehen sich nur vier auf den Heiligen Geist.

Die erste dieser Bibelstellen, 1. Korinther 2,14-15, macht deutlich, dass ein natürlicher Mensch nicht erfassen kann, was vom Geist Gottes kommt. Durch den Heiligen Geist werden wir in die Lage versetzt, Gott zu verstehen. Dieses Eingeständnis ist eine Herausforderung, die Grenzen des eigenen Verstandes anzuerkennen und auf das übernatürliche Wirken Gottes durch seinen Geist zu vertrauen. Wer alleine auf die Vernunft vertraut, wird Schwierigkeiten haben, die übernatürliche Fülle des Geistes zu erleben.

In Römer 8,1-4 lesen wir dann, dass der Heilige Geist in uns, die wir mit Jesus Christus verbunden sind, ein neues Leben beginnt. Das Gesetz des Geistes erfüllt die Anforderungen, die Gott an uns hat. Wir können unser Leben jetzt von ihm bestimmen lassen.

Zu den letzten beiden Bibelstellen, die sich auf den Heiligen Geist beziehen: Gottes Geist führt uns durch Herausforderungen. Wie Paulus dürfen wir auch in schweren Zeiten auf den Beistand des Heiligen Geistes vertrauen (2. Kor 6,1-10). Der Heilige Geist vertritt uns mit „unaussprechlichem Seufzen“, wenn wir nicht mehr wissen, was wir beten sollen (Röm 8,26-28).

Wie der Heilige Geist in unserem Leben wirkt

Die Gaben des Geistes und die Sendung in die Welt kommen in der RvG in späteren Abschnitten zur Sprache. Dieser Artikel aber fokussiert allein auf das neue Leben als Christ, das der Heilige Geist schenkt. Aus meiner Sicht wird dabei dem vielfältigen Wirken des Heiligen Geistes aber zu wenig Beachtung geschenkt. Daher will ich im Folgenden einige Gedanken ergänzen. Im Neuen Testament heißt es, dass jeder Christ den Heiligen Geist hat. Ohne ihn können wir uns nicht zu Christus bekennen (1. Kor 12,3). Es gibt eine Diskussion darüber, wie man ihn empfängt. Wenn wir „empfangen“ als „willkommen heißen“ verstehen, dann ändert sich die Perspektive. Wir fangen an, ihm Raum zu geben und er wird in uns die Gegenwart Christi und sein Wirken entfalten. Wir werden feststellen, dass der Geist Gottes kein Feind unserer Vernunft ist, sondern dass er sie auf eine einladende und faszinierende Weise übersteigt. Wir werden aufgefordert, uns kontinuierlich vom Geist füllen zu lassen (Eph 5,18). Der Heilige Geist wird uns in den Evangelien als Person vorgestellt (Joh 16), Jesus vergleicht ihn aber auch mit Wasser (Joh 7,37), mit dem man unterschiedlich stark gefüllt sein kann. Der Heilige Geist ist als Person immer in unserem Leben anwesend, wir sind aber unterschiedlich stark von seiner Gegenwart gefüllt. Manchmal ist man ja auch mit einer Person in einem Raum, aber die Beziehung ist nicht besonders erfüllt. Paulus empfiehlt zur regelmäßigen Füllung mit dem Heiligen Geist, dass sich die Christen mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern ermuntern sollen (Eph 5,19). Die Fülle des Geistes ist unabhängig von äußeren Umständen. In der Apostelgeschichte werden Verfolgungssituationen erwähnt, in denen die Jünger eine besondere Fülle des Geistes hatten (Apg 4,8; Apg 7,55). Sie bestätigen die Erfahrung von Paulus, dass er den Beistand des Geistes in größter Not erlebt hat.

Einige Impulse aus der RvG

In der RvG heißt es: „Das neue Leben aus dem Heiligen Geist nimmt Gestalt an…“ Das wird auf unsere Lebenskreise bezogen, in die er uns stellt. Das neue Leben im Heiligen Geist stellt uns in die Gemeinschaft der Christen in der Gemeinde. Im Miteinander entdecken wir Dimensionen, die dem Einzelnen verborgen bleiben. Es ist wie ein Orchester, das ein Musikstück vielseitiger wiedergibt als ein einzelnes Instrument (1. Kor 12). Auch mit Gott sind wir durch den Geist verbunden. Die Sendung in die Welt fehlt, obwohl Jesus in diesem Kontext die Kraft des Heiligen Geistes betont (Apg 1,8). Das neue Leben bleibt nicht beim Einzelnen und der Gemeinde. Es hat Auswirkungen in der Welt. Der Heilige Geist gibt uns die Kraft und die Inspiration, um in der Gesellschaft zu wirken. Wir sollen nicht nur in unseren Gemeinden leuchten, sondern Lichter in der Welt sein (Mt 5,14).

In der RvG heißt es: „Das neue Leben äußert sich im Hören auf Gottes Wort, im Gebet und im Tun des Willens Gottes. Das neue Leben ist Gottes Geschenk, das in Hingabe und Heiligung bewahrt werden will.“ Der Heilige Geist ändert nicht nur unsere Beziehungen und unser Verhalten, sondern unser „Sein“ vor Gott. Er schenkt eine neue Identität, dass wir Kinder und Erben des Vaters sind (Gal 4,6-7; Röm 8,16). Wir bekommen im Heiligen Geist einen Zugang zum Vater (Eph 2,18). Der Geist wirkt in uns, dass wir dem Herrn immer ähnlicher werden und immer stärker seine Herrlichkeit widerspiegeln (2. Kor 3,18). Dieses neue Leben aus dem Heiligen Geist ist ein großer und unfassbarer Schatz. Er will uns in die Fülle Gottes führen. Dieser Abschnitt der RvG ist eine Einladung, im Hören und Tun mit dem Heiligen Geist zu leben. Von Jesus heißt es, dass er sich vom Heiligen Geist führen ließ (z.B. Lk 4,1). Der Geist Gottes will auch uns führen (Röm 8, 14). Wer Gottes Führung durch seinen Geist erleben will, sollte sich im Gebet immer wieder bewusst dafür öffnen. Das ist nicht immer angenehm. Jesus wurde in die Wüste geführt. Wir werden durch ihn von unseren Sünden überführt (Joh 16,8). Er öffnet uns aber auch die Augen und gibt uns Einblicke in die Wahrheit Gottes (Joh 16,13). In ihm erleben wir echte Freiheit (2. Kor 3, 17). Er beschenkt uns mit himmlischen Begabungen, mit denen er durch uns wirken will (1. Kor 12). Diese Gaben können wir nicht selbst bewirken, wir sind aber aufgefordert, nach ihnen zu streben (1. Kor 14,1). Im Sprachengebet zum Beispiel erleben wir einen Zugang im Gebet zum Vater, der uns mit der Fülle von Gottes Gegenwart in Kontakt bringt.

In der RvG ist die Freude am Herrn das Finale des Artikels (Neh 8,10). Sie ist Teil der Frucht des Heiligen Geistes (Gal 5,22). Er ist am Werk, unseren Charakter immer mehr durch das Wesen unseres Herrn Jesus Christus zu prägen. Dieser Prozess wird erst in der Ewigkeit vollendet sein. Wir dürfen aber jederzeit gespannt sein, was Gott mit uns vorhat. Der Heilige Geist ist und wirkt durch und durch übernatürlich. Das führt unsere Vernunft an ihre Grenzen. Deswegen brauchen wir ein Weltbild, das mit dem übernatürlichen Handeln Gottes rechnet, in der Bibel, in unserem Leben und in dem Umfeld, in dem wir leben.

Einladung zum Weiterdenken

  • Wie gehst Du mit der Spannung zwischen der menschlichen Vernunft und dem übernatürlichen Wirken des Heiligen Geistes um?
  • Die RvG nennt viele Aspekte, die das neue Leben im Heiligen Geist beschreiben. Welche sind Dir besonders wichtig?
  • Wo hast Du persönliche Erneuerung erlebt und wo wünschst Du sie dir noch?
  • Wie kannst Du den Heiligen Geist in Deinem Leben wahrnehmen bzw. willkommen heißen?

Ein Artikel von Matthias Lotz, Pastor der EFG Geislingen an der Steige, im Leitungskreis der GGE (Geistliche Gemeinde-Erneuerung im BEFG)

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