Foto: Baptist World Alliance

„Die gute Nachricht leben“

Baptisten aus aller Welt treffen sich in Brisbane

Wie können wir die gute Nachricht in Wort und Tat verkündigen und in dieser zerrissenen Welt in unserem Leben umsetzen? Diese Frage stand im Fokus der 23. internationalen Konferenz der Baptist World Alliance (BWA), die vom 9. bis 12. Juli 2025 in Brisbane, Australien, stattfand. Prof. Dr. Andrea Klimt, Rektorin der Theologischen Hochschule Elstal und Professorin für Praktische Theologie, war dabei und berichtet.

Aus allen Teilen der Welt kamen Baptistinnen und Baptisten zusammen, um in Brisbane miteinander Gottesdienst zu feiern und sich tiefgreifenden Fragen für Kirche und Gesellschaft zu stellen und diese aus den Perspektiven der verschiedenen Regionen zu betrachten.

Eine Konferenz, die starke Akzente setzt

Schon die Eröffnung war ein starkes Zeichen gegen Nationalismus und Rassismus und für Inklusion. An der Seite der sehr auf Inklusion bedachten „Girl’s Brigade“ zogen die Teilnehmenden aus über 120 Ländern mit „ihren“ Fahnen ein. Auf jeder Fahne war ein Symbol für das jeweilige Land abgebildet: für den Libanon eine Zeder, für Frankreich ein Hahn, ein Adler für Ghana, für Österreich ein Edelweiß und die Kornblume für Deutschland. So entstand vor den Augen aller ein Gesamtkunstwerk. Eine gemeinsame Landschaft mit von Gott geschaffenen Vögeln, Blumen und Bäumen.

Eine Konferenz, die motiviert

Ein starkes Programm für die kommenden Jahre präsentierte Elijah Brown, der Generalsekretär der BWA, am Eröffnungsabend. „Living the good news“ – die gute Nachricht leben. Unter dieser Überschrift stehen für den Weltbund der Baptisten die kommenden Jahre. Brown hofft auf eine weltweite (Wieder-)Erweckung der Christen, vor allem in den Ländern, in denen die Mitgliederzahlen der Kirchen gerade stark zurück gehen. Motiviert durch Apostelgeschichte 2,41-47 sollen Baptistinnen und Baptisten das Evangelium ausleben. Ihre eigene Geschichte von ihrem Glauben an Jesus Christus sollen sie anderen Menschen erzählen und sich mit kleinen Projekten diakonisch engagieren. Die weltweite Übersetzung der Bibel in alle Sprachen sollen sie durch Spenden und Gebete fördern und ein Bündnis für Religionsfreiheit eingehen. In ihrer eigenen (säkularen) Nachbarschaft sollen sie sich als Seelsorgerinnen und Seelsorger zur Verfügung stellen. 

Mit diesem Programm sollen die für Baptistengemeinden zentralen Bezüge des Evangeliums für die einzelne Person umsetzbar und lebbar werden: Evangelisation – Diakonie – Bibelverbreitung – Einsatz für Gerechtigkeit. Neu ist es, sich als Seelsorger oder Seelsorgerin für die eigene Nachbarschaft zu verstehen und den Nachbarn Gespräch und Gebet ausdrücklich anzubieten.

Eine starke Predigt gegen Lähmung

Marsha Scipio, die Direktorin der Baptist World Aid, machte Mut, sich gegen Ungerechtigkeit und für Frieden einzusetzen. Sie sprach von „lähmenden Zeiten (paralyzing times)“, in denen wir uns befänden. Heute dürfe die Kirche nicht schweigen, sondern müsse laut auf Ungerechtigkeit hinweisen und sich für Gerechtigkeit und Frieden engagieren. Theologie könne dabei helfen, sprachfähig zu werden. Sie erinnerte an Jürgen Moltmann, der als 17-jähriger Soldat in Kriegsgefangenschaft eine Lebenswende erfuhr und daraufhin Theologie studierte. Seine theologischen Beiträge haben Hoffnung begründet und Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit gefördert. Anschließend wurden die Teilnehmenden der Konferenz aufgefordert, das Bündnis für Religionsfreiheit zu unterschreiben. Damit sollte ein Zeichen dafür gesetzt werden, dass Glaube nicht an Nationalismus gebunden sein darf und die Baptisten sich weltweit dafür einsetzen, dass Menschen die Freiheit haben, ihren eigenen Glauben zu wählen und auch die Freiheit haben, nicht zu glauben.

Elijah Brown

Foto: Baptist World Alliance

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Marsha Scipio

Foto: Baptist World Alliance

Vielfältiges Engagement weltweit

In vielen kleinen Arbeitsgruppen wurden einzelne Projekte mit diakonischem, missionarischem oder gesellschaftlichem Engagement vorgestellt. Weltweit setzen sich Baptisten gegen Prostitution und Menschenhandel ein. Sie arbeiten auf lokaler Ebene an sozialen Projekten für die Nachbarschaft und begegnen so aktuellen Nöten wie Armut und Einsamkeit. Sie versorgen Menschen nach Naturkatastrophen und öffnen ihre Gebäude, um Menschen Schutz in Kriegsgebieten zu gewähren. Sie ermutigen Menschen, sich politisch zu engagieren und fördern Frauen und Männer in Führungspositionen durch Gebet und Ausbildung.

Ermutigende Begegnungen

Bei einer Vorkonferenz der Baptistischen Frauen weltweit (7. bis 8. Juli 2025) haben mich zwei Frauen aus Papua Neuguinea angesprochen. Sie wollten wissen, wie ich heiße und woher ich komme. Aus Deutschland? Ja, für die Frauen in Deutschland haben sie schon als Gruppe vor der Konferenz gebetet. Diese Verbundenheit mit Frauen von der anderen Seite der Erde zu spüren, hat mich sehr berührt. Weltweit gibt es also Menschen, die für uns beten. Das mag wohl am Gebetskalender der BWA liegen. Jede Woche wird da für zwei der 134 Länder gebetet, aus denen die 53.000.000 Mitglieder der BWA kommen.

Foto: Baptist World Alliance

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Neben der Vorkonferenz für Baptistische Frauen gab es auch ein Treffen der „nächsten Generation“, eine Konferenz für junge Baptistinnen und Baptisten.

Weltweit waren nicht nur einzelne Vertreter und Vertreterinnen der 266 Mitgliedunionen oder Institutionen, die zur BWA gehören, angereist, sondern auch ganze Gruppen, die dann in ihren traditionellen Gewändern gesungen oder getanzt haben oder auch ganze Chöre, die das Rahmenprogramm auf der „Weltbühne“ in den Pausen gestaltet haben.

Alle fünf Jahre findet seit 1905 eine Weltkonferenz statt, jeweils auf einem anderen Kontinent. In Australien konnten dadurch Gruppen aus Papua und Papua Neuguinea, aus Neu Seeland und den Philippinen, aus Indonesien und Indien verstärkt teilnehmen. In fünf Jahren wird die Konferenz in Europa stattfinden. Herzliche Einladung an alle deutschen Baptistinnen und Baptisten, einzeln oder in Gruppen teilzunehmen und sich mit inspirierenden Impulsen für die eigene Gemeindearbeit segnen zu lassen.

Danke für all die zweckgebundenen Spenden, die die Teilnahme an diesem Kongress ermöglicht haben.

Ein Artikel von Prof. Dr. Andrea Klimt