Engagiert und motiviert

175 Jahre Baptistengemeinde Frankfurt am Main

Am 30. August feiert die Baptistengemeinde Am Tiergarten in Frankfurt am Main Jubiläum. Tobias Pohl, langjähriges Mitglied der Gemeinde und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, blickt zurück auf 175 bewegte Jahre: von der Gründung unter widrigen Umständen über einen mutigen Beschluss und die Entstehung neuer Gemeinden bis hin zu sozial-diakonischem Engagement mit einem Kunstprojekt und einer Spielstube für sozial benachteiligte Kinder.

Sie sind verschrien als Wiedertäufer und Sektierer. Und doch gründen 33 mutige Männer und Frauen am 31. August 1851 eine Gemeinde gläubig getaufter Christen, genannt „Baptisten“. Sie wählen dafür das preußische Offenbach, da Frankfurt am Main zu der Zeit noch eine freie Reichstadt war. Nach der preußischen Annexion 1866 gilt auch in Frankfurt Religionsfreiheit und die Gemeinde konstituiert sich dort neu als „Gemeinde Frankfurt am Main“.

Die Gemeinde wächst stetig. 120 Mitglieder kaufen ein Grundstück Am Tiergarten 50, dort, wo die Gemeinde auch heute noch zuhause ist. Sie können 1888 voller Stolz in ihre eigene kleine Kapelle einziehen. Die Kapelle wird rasch zu klein. Die Geschwister fassen einen mutigen Beschluss: Sie kaufen ein angrenzendes Grundstück, reißen die erst 25 Jahre alte Kapelle ab, bauen zur Straße hin ein vierstöckiges Wohnhaus und daran anschließend ein Gemeindehaus. Am 15. Juni 1913 zieht die Festversammlung in das neue Gebäude ein, das auch heute noch genutzt wird.

Die Gemeinde feiert 1951 ihr hundertjähriges Jubiläum. 561 Mitglieder hat die Gemeinde zu dieser Zeit. Viele Geschwister sind nach dem 2. Weltkrieg aus anderen Gemeinden der ehemaligen Ostgebiete nach Frankfurt gekommen. Die Geschwister wohnen weit verstreut im Rhein-Main-Gebiet. Oft bilden sich vor Ort Hauskreise, aus denen Stationen und im Laufe der Jahre auch selbstständige Gemeinden werden.

Nach 175 Jahren gehören heute zur Muttergemeinde Am Tiergarten noch 109 Mitglieder, die engagiert und motiviert Gemeinde in der Großstadt Frankfurt leben. Lag der Schwerpunkt der Gemeinde in den ersten 100 Jahren vor allem auf Evangelisation und Mission, so rückte in den letzten 75 Jahren das sozial-diakonische Engagement in den Vordergrund.

Altes und neues Gemeindegebäude

Winterspielplatz

Über mehrere Jahrzehnte betreuen Geschwister der Gemeinde in einer Spielstube sozial benachteiligte Kinder. Es werden regelmäßig Feiern für obdachlose Menschen ausgerichtet und bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie ist der Gottesdienstraum unter der Woche ein Winterspielplatz für kleine Kinder und ihre Eltern. Heute gibt es mit „Ostend in Motion“ ein wöchentliches Kunstprojekt für Kinder.

Die Hinwendung zu den Menschen im Stadtviertel zeigt sich bei Hoffesten, Public Viewing und Kinoabenden, Konzerten, Grünkohl essen und in einer lebendigen Ökumene. Gemeinsam mit den anderen christlichen Kirchen im Stadtviertel werden Passionsandachten und öffentliche Gottesdienste im benachbarten Zoo gefeiert und Stadteilfeste mit organisiert.

Immer wieder stellt die Gemeinde ihre Räume auch anderen christlichen Gruppen zur Verfügung. Aktuell gibt es eine vietnamesische Gruppe und die Chin Mission Church als Tochtergemeinde, eine lebendige und muntere Gemeinschaft von Christinnen und Christen aus Myanmar.

Die Gemeinde selbst ist geprägt von einer großen theologischen Offenheit. Schon in den 1960er-Jahren wurde eine Frau in die Gemeindeleitung berufen und später auch eine Pastorin. Die Gemeinde hat sich über die Jahre ihre liberale Theologie bewahrt und blickt zuversichtlich auf die nächsten Jahre, um mit Gottes Führung Gemeinde in und für Frankfurt zu sein.

Alle sind eingeladen, das Jubiläum in einem Festgottesdienst zu feiern am Sonntag, 30. August 2026, um 11 Uhr. Die Festpredigt wird Udo Hermann, Leiter des BEFG-Dienstbereichs Mitarbeiter und Gemeinde, halten.

Ein Artikel von Tobias Pohl