
Segen bewegt – über Grenzen hinweg
Online-Bundesgottesdienst live aus Berlin-Schöneberg
Am 17. Mai wurde der Bundesgottesdienst des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland live aus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde baptisten.schöneberg übertragen. Unter dem Thema „Segen bewegt – über Grenzen hinweg“ ging es um Gemeinden als Orte, an denen Menschen heil werden können, um Barrieren, die überwunden werden, und darum, dass Gottes Gegenwart mitten im Alltag erfahrbar wird. Der Gottesdienst bildete den Abschluss der Bundesratstagung 2026, die vom 13. bis 16. Mai in Kassel stattfand und zu der sich mehr als 1.000 Gäste und Delegierte getroffen hatten.
BEFG-Präsidentin Natalie Georgi und BEFG-Generalsekretär Dr. Maximilian Zimmermann predigten über die Begegnung von Petrus und Johannes mit dem gelähmten Mann an der Tempelpforte aus Apostelgeschichte 3. In ihrer dialogischen Predigt gaben sie dem Mann den Namen „Raphael“ – als Zeichen dafür, dass Menschen mehr sind als ihre Einschränkungen oder Zuschreibungen. Georgi sagte: „Raphael ist mehr als eine Diagnose. Er ist mehr als der Gelähmte. Er ist ein Mensch mit einer Geschichte.“
Im Mittelpunkt der Predigt stand die Frage, welche sichtbaren und unsichtbaren Grenzen Menschen heute daran hindern, Zugang zu Gemeinden zu finden. Natalie Georgi sprach von sprachlichen, gesellschaftlichen und inneren Barrieren: „Es gibt vielleicht aber auch unsichtbare Mauern einer geschlossenen Gesellschaft, wo jeder seinen Platz hat und es sehr schwer ist hereinzukommen.“
Maximilian Zimmermann knüpfte daran an und sagte: „Ich wünsche mir tief in meinem Inneren eine ganz offene Kirche. Ganz offene Gemeinden.“ Gleichzeitig sei Gemeinde aber nicht beliebig: „Ich wünsche mir eine Kirche ohne Grenzen, aber ich wünsche mir gleichzeitig eine Kirche, die ganz feste Werte hat und die nach Gnade und Wahrheit fragt.“
Die Heilung des gelähmten Mannes verstanden die Predigenden auch als Bild für Teilhabe und Inklusion. Georgi sagte: „Für mich ist dieses Wunder auch ein Inklusionswunder.“ Heilung bedeute nicht nur körperliche Wiederherstellung, sondern auch, wieder Teil von Gemeinschaft zu werden.
Besonders wichtig war beiden der Gedanke, dass Gottes Wirken nicht auf Kirchenräume beschränkt bleibt. Zimmermann betonte: „Das Wunder passiert direkt vor dem Tor mitten in der Welt.“ Und weiter: „Das Allerheiligste, Gottes Gegenwart, hat sich auf den Weg nach draußen gemacht.“ Gemeinden seien deshalb eingeladen, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, Menschen wahrzunehmen und ihnen Gottes Segen zuzusprechen.
Die Predigt endete mit einer gemeinsamen Vision von Gemeinde: Orte, „an denen Menschen gesehen werden“, „an denen Raum geschaffen wird für Gottesbegegnung im Drinnen wie im Draußen“ und „in denen wir, bewegt vom Segen Gottes, Grenzen überwinden und abbauen in Gnade und in Wahrheit“.
Bereits zu Beginn des Gottesdienstes blickten Georgi und Zimmermann im Gespräch mit Moderatorin Pastorin Dagmar Wegener auf die Bundesratstagung zurück. Ein Highlight für Georgi war die Rückmeldung eines Erstteilnehmers, der ihr sagte: „Das ist fantastisch, was ihr hier geschafft habt: mit so vielen Menschen gemeinsam Kirche zu gestalten.“ Zimmermann hob besonders das Engagement der vielen Ehrenamtlichen hervor: „Wenn ihr nicht mitmachen würdet, könnten wir schlicht und ergreifend nicht so Kirche sein und Gemeinde sein, wie wir sind.“
Teil des Gottesdienstes war auch ein Fürbitten-Video mit Stimmen aus den neu entstehenden 25 Regionen des Bundes. Gebetet wurde unter anderem für gesellschaftlichen Zusammenhalt, für Kinder und Jugendliche, für ehrenamtlich und hauptamtlich Mitarbeitende, für Einsame, Suchende und Menschen in Krisen. Eine Bitte lautete: „Hilf uns, die sichtbaren und unsichtbaren Grenzen wahrzunehmen und Lösungen zu finden, damit Menschen sich willkommen fühlen und teilhaben können.“
Die Kollekte des Gottesdienstes war für die Vernetzung junger Menschen in den Regionen bestimmt. Und auch die Schriftlesung wurde von zwei jungen Menschen, Helene Kühl und Luna Zehe, gehalten. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Jan Primke, der Bundesratstagungs-Band und der Schöneberg-Band.
Während der Gottesdienst-Übertragung waren konstant rund 500 Geräte gleichzeitig zugeschaltet. Viele Gemeinden verfolgten den Gottesdienst gemeinsam live in ihren Gemeinderäumen, manche zeitversetzt, und auch zu Hause feierten viele den Gottesdienst mit.Der Live-Chat zeigte, wie verbindend der Gottesdienst wirkte. Grüße kamen unter anderem aus Lübeck-Kücknitz, Flensburg, Dresden, Schwerin, Regensburg, Schorndorf, Salem am Bodensee, Südtirol und sogar aus Freetown in Sierra Leone. Viele Gemeinden schrieben, dass sie den Gottesdienst gemeinsam im Gemeindesaal verfolgten. Genannt wurden beispielsweise rund 80 Teilnehmende in Dresden, etwa 70 in Schorndorf oder 65 in Schwerin. Eine Teilnehmerin schrieb zum Abschluss: „Danke für die Gemeinschaft über den Äther.“
Ein Artikel von Julia Grundmann


