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Was glaubst Du?

Im Gespräch über die „Rechenschaft vom Glauben“

„Seid stets bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn jemand von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“ (1. Petrus 3,15). Wann hat Dich zuletzt jemand nach Deiner Hoffnung gefragt? Wollte überhaupt schon mal jemand von Dir wissen, woran Du glaubst?

Ich persönlich kenne solche Fragen kaum – zumindest aus Deutschland. Als ich in Jerusalem studierte, war das anders: Über Religion kam man ständig ins Gespräch. Als Christin musste ich mich oft erklären und habe auch selbst gerne nachgefragt. Ich habe es genossen, so viel über grundlegende Glaubensthemen im Gespräch zu sein. Das vermisse ich in Deutschland manchmal. Hier gehört Religion zu den verpönten Themen. Jeder soll bitte privat glauben, was er will, aber andere nicht damit behelligen. Wie schade! So verlernen wir, die Inhalte unseres Glaubens in Worte zu fassen. Oder fällt es dir leicht, über den gekreuzigten Gottessohn zu sprechen, die Sache mit dem Reich Gottes zu erklären? Redest du gern von Schuld und Vergebung, Taufe und Abendmahl oder von der Bibel als Gottes Wort?

Zugegeben: Das alles sind herausfordernde Themen. Es fordert Mut, sich solchen Grundfragen zu stellen – aber es lohnt sich! Das meint zum Beispiel der evangelische Theologe Helmut Thielicke. Über das Apostolische Glaubensbekenntnis schreibt er: „Wer jene Wahrheiten intensiv genug befragt und wer bereit ist, sich vor keiner Schwierigkeit zu drücken, für den werden sie ein geheimnisvolles Leben gewinnen. Sie geben sich in einer Dimension zu erkennen, wo sie uns ‚angehen‘. Sie werden alles andere als langweilig sein.“ [1] Er vergleicht das Bekenntnis mit einer „Steilwand“ des Glaubens: Herausfordernd und wunderbar klärend zugleich.

Steile Felsen haben mich schon immer gelockt: Die Herausforderung beim Klettern, die Sicht, der Nervenkitzel. Auch Gespräche über theologisch steile Aussagen schätze ich: Sie stärken die geistigen Muskeln, helfen zu einer weiten Sicht und neuer Klarheit. Ich weiß aber, dass das Bild der Steilwand nicht bei allen Freude auslöst... Aber selbst mit Höhenangst und Asthma muss man sich nicht abschrecken lassen: Wir haben im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) einen Bekenntnistext, der etwas leichter zugänglich ist. Die „Rechenschaft vom Glauben“ (RvG) ist eher wie eine schöne Bergwanderung, keine reine Kletterpartie an der Steilwand. Das apostolische Glaubensbekenntnis, das gemeinsame Bekenntnis der weltweiten Christenheit, ist als Grundlage vorangestellt. Darauf folgen 21 kurze Artikel: Hier wird in erzählendem Stil ausgeführt, worauf wir unsere Hoffnung setzen und wie wir unseren Glauben leben. Manches ist typisch baptistisch, das meiste könnten katholische oder lutherische Christen genau so unterschreiben. 1977/78 wurde die „Rechenschaft“ vom BEFG sowie den Baptistenbünden in der DDR, in Österreich und der Schweiz angenommen. Und heute?

Als Präsidium des BEFG und Kollegium der Theologischen Hochschule haben wir uns in den letzten Monaten neu mit der RvG beschäftigt. Wir sind überzeugt: Es lohnt sich immer noch, die mal steilen, mal sanften Berggipfel der RvG zu erkunden. Dazu möchten wir ausdrücklich ermutigen! Unsere Vision: Die „Rechenschaft vom Glauben“ wird in diesem Jahr landauf, landab zum Gesprächsthema. In vielen Gemeinden werden einzelne Abschnitte diskutiert, manches tiefer verstanden, anderes hinterfragt. Wir bekennen, streiten, vergewissern uns, reden als mündige Christen mit. „Ausdruck und Zeugnis der Übereinstimmung der Gemeinden im Glauben“ will die RvG sein – und „offen für die künftige Bekundung der Wahrheit“. Beides gehört zusammen: Wir brauchen die immer neue Besinnung auf das, was uns im Glauben verbindet – und die Offenheit, auch mit Widerspruch und neuen Impulsen ins Gespräch zu gehen.

Das könnte ein spannender Weg werden! Für diese Bergwanderung geben wir euch in den kommenden Monaten eine Wanderkarte und etwas Proviant mit: In einer Artikelreihe begleiten wir euch Abschnitt für Abschnitt durch die Rechenschaft vom Glauben. Unterschiedliche Autoren werden jeweils zentrale Inhalte des Abschnitts erläutern. Auch auf ausgewählte Bibelverse werden sie eingehen: Die RvG versteht sich als „zusammenfassende Auslegung der Heiligen Schrift“, zu jedem Abschnitt gibt es einige Versangaben. Am Ende der Artikel stehen jeweils konkrete Fragen, die zum Gespräch oder zum eigenen Nachdenken anregen sollen.

Mit diesen Wegweisern und Appetithäppchen ausgerüstet, könnt ihr selbst losgehen: Wie wäre es, in eurem Hauskreis oder in der Bibelstunde eine Reihe zur Rechenschaft vom Glauben zu starten? Vielleicht gründet auch jemand eine neue Gruppe, initiiert Seminartage oder Online-Treffen? Online findet ihr übrigens auch die RvG: www.rechenschaftvomglauben.de. Ihr könnt die neue Ausgabe von 2019 aber auch gedruckt bestellen.

Wir wünschen uns, dass diese Artikelreihe nicht passiv konsumiert wird, sondern zum Gespräch ermutigt und zur aktiven Auseinandersetzung führt. Daher wird es auch ein Online-Forum geben, auf dem ihr euch austauschen könnt. Wir sind gespannt, von euren Erfahrungen und Impulsen zu hören! Euch wünschen wir auf dieser Tour beglückende Aussichtspunkte, eine gute Gesprächsatmosphäre – und eine immer klarere Sicht.


[1] Helmut Thielicke: Ich glaube. Das Bekenntnis der Christen, Stuttgart 1965, 14.

Erscheint in: Die Gemeinde 02/2022, S. 16-17.

Ein Artikel von Deborah Storek, Dozentin für Altes Testament an der Theologischen Hochschule Elstal

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