Bund Evangelisch-Freikichlicher Gemeinden in Deutschland https://www.befg.de Die Nachrichten aus dem Bund Evangelisch-Freikichlicher Gemeinden de-de Bund Evangelisch-Freikichlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R. Mon, 27 Jun 2022 10:27:33 +0200 Mon, 27 Jun 2022 10:27:33 +0200 TYPO3 EXT:news news-3214 Sun, 26 Jun 2022 08:12:00 +0200 Glaube und Taufe Prof. Dr. Christoph Stenschke, Dozent für Neues Testament an der Biblisch-Theologischen Akademie Wiedenest https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/glaube-und-taufe/ Dieser Abschnitt der Rechenschaft vom Glauben gilt mit der Taufe dem Herzstück baptistischen Selbstverständnisses. Dieser Abschnitt der Rechenschaft vom Glauben gilt mit der Taufe dem Herzstück baptistischen Selbstverständnisses. Immerhin heißen Baptisten (vom griechischen Wort baptizo) auf Deutsch Täufer. Dabei geht es nicht um die Taufe an sich – sie verbindet Baptisten mit fast allen anderen Christen – sondern um den besonderen Zusammenhang von Glauben und Taufe, wie dieser Abschnitt heißt.

Freilich gilt auch hier, dass das baptistische Verständnis der Taufe Teil einer konfessionell geschlossenen Gesamtinterpretation des Evangeliums ist. [1] Dieses Verständnis der Taufe teilen Baptisten mit der Täuferbewegung der Reformationszeit (vgl. das Täufergedenken im Jahr 2025) und mit anderen Gemeindebünden, die aus dieser Bewegung hervorgegangen sind, etwa den Mennoniten, aber auch mit anderen glaubenstaufenden Traditionen wie den Brüdergemeinden (Christusforum). Sie alle betonen, dass Glauben und Taufe ganz eng zusammengehören: Nur Menschen, die das Evangelium gehört, verstanden und angenommen haben, sollen auf ihren Glauben an Jesus Christus hin getauft werden. Diese Reihenfolge entspricht dem Neuen Testament: „Wer da glaubt und getauft wird …“ (Mk 16,16) oder „… die sein Wort annahmen, ließen sich taufen“ (Apg 2,41).

Der erste Absatz dieses Abschnitts fasst wesentliche neutestamentliche Aussagen zu Aneignung des in Jesus Christus geschenkten Heils zusammen. Die Initiative war, ist und bleibt bei Gott. Im Evangelium bietet er seine Gnade an – darauf antworten Menschen und müssen antworten! Gott wirkt Glauben, zugleich werden Menschen zum Glauben aufgerufen. Erst dann haben sie Anteil an Gottes Heilshandeln in Jesus Christus. Sie lassen sich Gottes Urteil gefallen, wenden sich ihm zu und vertrauen auf ihn. Gott beschenkt die Glaubenden mit seinem Heil. Genannt werden hier Vergebung und ewiges Leben. Im NT ist außerdem etwa von Versöhnung, Frieden mit Gott und Erlösung die Rede. Dieses Vertrauen hat Folgen: Christen wenden „sich von allem Bösen ab, bekennen fortan Jesus Christus als ihren Herrn und erklären sich bereit, als Glied der Gemeinde ein verbindliches Leben in der Nachfolge Jesu Christi zu führen“. Ich habe die Formulierungen der RvG in den Plural gesetzt, da es sich um ein kollektives Geschehen handelt … so sehr auch jeder einzelne Mensch aufgefordert ist, im Glaubensgehorsam auf das Evangelium zu antworten.

Der folgende Absatz erklärt, wie sich Glauben und Taufe zueinander verhalten. Die Taufe bezeugt, dass Menschen zum persönlichen Glauben gekommen sind, daher – sachlich richtig – nicht Erwachsenentaufe (das Alter ist nicht entscheidend), sondern Glaubenstaufe. Daher kommt die entsprechende Taufformel: „Aufgrund deines Glaubens an Jesus Christus taufe ich dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Nur Freiwillige werden getauft; wenn auch gut gemeint, soll in der Gemeinde niemand zur Taufe gedrängt werden.

Während das Abendmahl regelmäßig gefeiert wird, werden Menschen nur einmal getauft. Daher lehnen auch Baptisten eine Taufwiederholung im Sinne einer Wiedertaufe ab. Dennoch taufen sie Menschen, die als Säuglinge getauft wurden, weil sie in diesem Akt bestenfalls eine Segenshandlung und Willensbekundung der Eltern, Taufpaten und Gemeinde sehen, aber keine gültige Taufe im Sinn des Neuen Testaments. Daher sind Baptisten keine „Wiedertäufer“, wie man sie oft polemisch bezeichnet hat.

Viel wichtiger als Bezeichnungen ist die letzte Anmerkung: Taufe ist kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt: Der Start in ein neues Leben unter der Herrschaft Gottes.

Der dritte Abschnitt umreißt, was in der Taufe geschieht. Sie ist Bestätigung: zum einen persönliche, leiblich erfahrbare Bestätigung des Zuspruchs des Evangeliums an die Täuflinge durch den Täufer und die anwesende Gemeinde und zum anderen Bekenntnis der zu taufenden Menschen. Treffend wird dieses Bekenntnis in der RvG zusammengefasst:

Jesus Christus ist auch für mich gestorben und auferstanden. Mein altes Leben unter der Herrschaft der Sünde ist begraben, durch Christus ist mir neues Leben geschenkt. Gott gibt mir Anteil an der Wirkung des Todes Jesu Christi. Er lässt auch die Kraft seiner Auferstehung an mir wirksam werden, schon jetzt durch die Gabe des Heiligen Geistes und einst durch die Auferweckung zum ewigen Leben.

Darum werden Taufwillige in der Regel zu einem Gespräch eingeladen und „geprüft“. Haben sie das Evangelium verstanden und angenommen? Haben sie noch Fragen? Oft werden sie zudem aufgefordert, vor ihrer Taufe ihren Glauben vor der Gemeinde zu bekennen, ein „Zeugnis“ zu geben. Wenn auch nicht unbedingt in diesen oder anderen geschliffenen Worten, sollten diese Inhalte und Erkenntnisse im persönlichen Bekenntnis vorkommen, sonst kann eine Glaubenstaufe zur Farce werden.

All dies geschieht in dem Wissen, dass Glaube wächst, sich verändern kann, sich im Alltag bewähren muss und angefochten ist – daher die Gemeinde als Gemeinschaft der Glaubenden. Viele Gemeinden stellen den Getauften Begleiter zu Seite, die ihnen auf dem Weg der Nachfolge helfen und ihnen den Weg in die Gemeinde ebnen.

Taufe ist kein „krönender Abschluss“, sondern führt in die Gemeinschaft der Gemeinde. Darum sollten Taufen auch im Kontext der versammelten Gemeinde stattfinden. Die Zugehörigkeit zu Christus und seinem Leib lässt sich von einer Ortsgemeinde nicht trennen; hier bringen Christen ihre Zeit, ihre Mittel, ihre Begabungen und Geistesgaben ein, um Gottes und der Gemeinde willen! Christen brauchen einander! In der Verbindlichkeit einer Mitgliedschaft und der regelmäßigen Teilnahme am Gemeindeleben erfahren Christen gegenseitige Hilfe, Ermutigung, Trost und Korrektur … das geht digital nur begrenzt oder auf Dauer gar nicht.

Wie in jedem knapp und präzise formulierten Bekenntnistext bleiben auch in diesem Abschnitt einige Fragen zur Theologie und Praxis offen. Etwa ab welchem Alter man davon ausgehen darf, dass Menschen das Evangelium verstehen und glauben können. Ist das nur individuell erkennbar (an welchen Kriterien?) oder hält man sich einfach an das staatlich festgesetzte Alter der Religionsmündigkeit (14 Jahre)?

[1] Vgl. C. H. Ratschow, „Konfession/Konfessionalität“, TRE 19 (1990), (419–426) 419.

Einladung zum Weiterdenken

1. Wie habe ich den engen Zusammenhang zwischen Glauben und Taufe bisher erlebt? Wie war das bei meiner eigenen Taufe? Was ist vom Zuspruch des Evangeliums und dem Bekenntnis des Glaubens noch übrig?

2. Welche Rolle spielt die Taufe in unserer Gemeinde – von einer gelegentlichen Tauffeier abgesehen?

3. Sollten wir Menschen taufen, die aber nicht zu einer Gemeinde gehören wollen?

Erschienen in: Die Gemeinde 13/2022, S. 16-17.

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news-3216 Thu, 16 Jun 2022 15:49:10 +0200 Ukraine-Hilfe europäischer Baptisten geht unvermindert weiter Dr. Michael Gruber https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/ukraine-hilfe-europaeischer-baptisten-geht-unvermindert-weiter/ Die Hilfe der EBF und ihrer Mitgliedsbünde für ukrainische Geflüchtete geht unvermindert weiter. Der BEFG unterstützt die Arbeit seiner Partner und organisiert eigene Hilfstransporte. Die Hilfe der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) und ihrer Mitgliedsbünde für ukrainische Geflüchtete geht unvermindert weiter. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) unterstützt die Arbeit seiner Partner und organisiert eigene Hilfstransporte.

Der ukrainische Baptistenbund bietet aktuell etwa 8.000 Geflüchteten in 300 Unterkünften Zuflucht. 50 Prozent der polnischen Baptistengemeinden wurden zu Flüchtlingsunterkünften umgestaltet, die rund 1.600 Menschen aus der Ukraine Raum bieten. Insgesamt wurden in der Ukraine bisher über 50.000 Menschen und in Polen rund 9.000 Menschen aus dem Fördertopf der EBF unterstützt.

Mit den Spendengeldern seiner Ukraine-Hilfe unterstützt der BEFG die EBF und auch seine Partnerbünde in der Ukraine, in Polen und in anderen Nachbarländern der Ukraine. Auch Hilfstransporte fördert und organisieret der deutsche Bund, um die Geflüchteten mit Lebensmitteln und anderen notwendigen Dingen wie etwa Hygieneartikeln zu versorgen. So hat der Bund zuletzt Lebensmittel im Wert von 30.000 Euro auf den Weg geschickt, die nach einer Woche in Mykolajiw in der Südukraine angekommen sind. Die Baptisten dort bieten den Bewohnerinnen und Bewohnern im Keller ihres Gemeindegebäudes einen Schutzraum vor Bombenangriffen und verteilen die Lebensmittel. Der nächste Lebensmitteltransport wird bereits geplant. Zudem organisiert die Immanuel Albertinen Diakonie mit dem BEFG und in Abstimmung mit den ukrainischen und polnischen Baptistenbünden vierzehntägig Hilfstransporte mit medizinischem Material in die Ukraine.###3_IMAGES###In seinem Newsletter Bund kompakt am 16. Juni hat der BEFG seine Gemeinden auch erneut zu Gebet aufgerufen: „Bitte lasst uns weiter für die vielen Menschen beten, die unter diesem Krieg und den anderen Kriegen weltweit leiden. Lasst uns beten für Zuversicht, Hoffnung, Mut und Trost – für ein Ende der kriegerischen Handlungen, für Frieden!“

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news-3215 Wed, 15 Jun 2022 08:40:27 +0200 Wie Jesus Einzelne und Gemeinden sendet Julia Grundmann https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/wie-jesus-einzelne-und-gemeinden-sendet/ Gemeinden berichten, wie sie das Andachts-Kalender-Notiztagebuch von Ostern bis Pfingsten genutzt haben. „Dich schickt der Himmel! – Unterwegs notiert“ heißt es auf dem Cover des Andacht-Kalender-Notiztagebuchs, das viele Gemeinden und Einzelpersonen des BEFG von Gründonnerstag bis Pfingsten begleitet hat. „Dich schickt der Himmel“ ist auch das Jahresthema des BEFG. Hier berichten beispielhaft einige Gemeinden, wie sie das Heft genutzt und sich als „Himmelsgesandte“ erfahren haben.

„Mich über längere Zeit mit der Sendung Jesu und der Gemeinde auseinanderzusetzen, hat bei mir noch einmal ganz neu das Staunen hervorgebracht, wie vielfältig unsere Gemeinde im Laufe ihrer Jahre geworden ist,“ stellte ein Gemeindemitglied der EFG Berlin-Weißensee fest. Dort hatte das Predigtteam um Pastor Torsten Milkowski bereits im Vorfeld die einzelnen Wochenthemen frühzeitig inhaltlich vorbereitet, so dass neben den Anregungen aus dem Heft und der dazu gehörigen Internetseite eigene Ideen in Predigten und Gottesdiensten umgesetzt werden konnten. „Auf jeden Fall wirkten sich die kreativen Impulse auf die Gestaltung der Gottesdienste und Andachten in diesem Zeitraum aus. Sie waren abwechslungsreich und frisch,“ so ein junger Mensch, der die Gemeinde seit der Coronazeit immer mal wieder gerne besucht.

Die Gemeinde am Döhrener Turm in Hannover hatte sich ebenfalls längerfristig auf die Aktion vorbereitet und diese „als Chance gesehen, gemeinsam als Gemeinde eine Zeit lang mit einem verbindenden Thema unterwegs zu sein“, so Gemeindeleitungsmitglied Dr. Meike Lierse. Neben wöchentlichen Gottesdiensten zum Thema inklusive Mittagessen und Predigtnachgespräch wurde auf Grundlage der ergänzenden Materialien extra ein Heft für die Kleingruppenarbeit in der Gemeinde erstellt, so dass auch neue Gruppenleitende ein Treffen moderieren konnten. Die Kindergottesdienste orientierten sich ebenfalls an den vorgegebenen Themen. „Die Abwechslung aus geistlicher Tiefe und gemeinsamen Spaß tat gut“, hieß es aus den Hauskreisen. „Insgesamt bewerten wir die Aktion für uns als gelungen, insbesondere auch weil es generationsübergreifend angelegt war und Menschen miteinander ins Gespräch über das kamen, was wir als Zentrum unserer Gemeinde sehen: Jesus“, stellt Dr. Meike Lierse fest. „Das Thema ‚Dich schickt der Himmel‘ geht für uns als Gemeinde weiter: Im September ist es das Leitthema unserer Gemeindefreizeit. Insofern sind wir weiterhin gemeinsam unterwegs.“

Dass das Thema weitergeht, ist auch im Sinne des Redaktionskreises des Andachts-Kalender-Notiztagebuchs. Joachim Gnep, Leiter des BEFG-Dienstbereichs Mission, sagte: „Das Heft war von Gründonnerstag bis Pfingsten konzipiert. Die Materialien bleiben aber natürlich auf unserer Internetseite abrufbar. Wir freuen uns sehr, wenn diese auch weiterhin gelesen und genutzt werden – und so zur Inspiration werden können. Die Sendung Jesu hört ja mit Pfingsten nicht auf, sondern fängt da eigentlich erst an.“

Carsten Hokema war neben Christiane Vachek ebenfalls Mitglied des Redaktionskreises. Er ist auch Gemeindepastor in der Christuskirche Hamburg-Altona: „In unserer Gemeinde haben etwa 50 Leute das Heft zu ihrem täglichen Begleiter zwischen Ostern und Pfingsten gemacht. Gelobt wurde dabei die Vielfalt der Gedankenanregungen – auch in der didaktischen Aufbereitung. Grundsätzlich kann ich sagen, dass das Bewusstsein zugenommen hat, dass wir vom Himmel zu den Menschen geschickt sind, mit denen wir leben.“

Michael Lefherz, Pastor der EFG Potsdam erzählte, dass von dem weiterführenden Material besonders die kreativen Predigtentwürfe, welche besondere Perspektiven auf die Jesus-Geschichten lieferten, auf gute Resonanz stießen. Vor allem auch das griffige Gesamtthema „Dich schickt der Himmel“ sei sehr positiv aufgenommen worden. Die Hefte wurden vor allem persönlich genutzt, es gab keine Restexemplare mehr.###3_IMAGES###Aus der Baptistengemeinde in Hanau berichtete Diakonin Angelika Wunderlich, dass es wöchentliche Abendimpulse gab, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer inspiriert wurden, „neue Blicke und Impulse für das Miteinander und unser Gemeindeleben zu finden, so wie Jesus ein Herz für die Menschen hatte.“ Auch die Teilnehmer der Männerabende in Hanau zeigten sich begeistert von dem Heft: „Gerade die vielen neuen und frischen Impulse für das Miteinander haben uns dazu ermutigt, uns immer wieder neu in unserem Standpunkt zu hinterfragen und dabei Gottes Willen für uns zu ergründen. Alles in allem eine echte Bereicherung.“

In der Gemeinde am Weidkamp in Essen hatte ein Hauskreis, dem vorwiegend Iranerinnen und Iraner angehören, zum Austausch über das Thema Gastfreundschaft eingeladen. „Dort haben wir sehr praktisch und lebhaft voneinander Neues gelernt und viel miteinander gelacht“, wusste Margarethe Tamm, Initiatorin der Aktion, zu berichten.

Pastor Jonathan Schreijäg aus Schwäbisch Hall zog ebenfalls ein positives Fazit: „Wir waren sehr begeistert und würden uns freuen, wenn die Aktion oder eine ähnliche Aktion Wiederholung finden würde.“

Auch die Gemeinde Ober-Ramstadt hatte das Andachts-Kalender-Notiztagebuch an ihre Mitglieder, Freunde und Freundinnen verteilt und in manchem Gottesdienst das Begleitmaterial zu diesem Heft auf kreative Weise genutzt. Im Pfingstgottesdienst zum Abschluss der Aktion, hörten die Besucherinnen und Besucher dann diese echte „Dich schickt der Himmel“-Geschichte:

Sehr einsam fühlt sie sich, seit sie vor einem Jahr Witwe geworden ist. So einsam, dass sie es zu Hause nicht mehr aushält und weinend auf die Straße geht. Eine unbekannte Frau spricht sie an und fragt, warum sie weint. Sie klagte ihr ihre Situation und die Unbekannte fragt, ob sie für sie beten darf. Die traurige Frau freut sich sehr darüber, denn sie hat schon oft dafür gebetet, dass Gott gläubige Menschen in ihre Nähe schickt. Es stellte sich heraus, dass die Unbekannte vor einem dreiviertel Jahr in die Nachbarschaft gezogen ist. Die Einsame berichtet von der Gemeinde, die sie seit einiger Zeit besucht und dass sie dort nur am Gottesdienst teilnehmen kann, wenn sie jemand mit dem Auto mitnimmt. „Da würde ich gerne einmal mitgehen“, antwortet die Nachbarin. Diese Begebenheit erzählt die verwitwete Frau im Pfingstgottesdienst der EFG Ober-Ramstadt. Mit Blick auf die Bankreihen im Gottesdienstraum schließt sie ihren Bericht mit den Worten: „Und da sitzt sie mit ihrem Mann.“ Da ruft die neue Nachbarin aus der Reihe: „Und ich habe an dem Tag dafür gebetet, dass Gott mir jemanden zeigt, dem ich zum Segen werden kann.“

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news-3211 Sun, 12 Jun 2022 08:20:00 +0200 Gemeinde bilden Prof. Dr. Andrea Klimt, Professorin für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/gemeinde-bilden/ Eine Gemeinde hat viele Aufgaben, aber eine Lebensäußerung tritt an dieser Stelle besonders hervor: In der Gemeinde wird Glauben gelebt, gefeiert und weitergegeben. Eine Gemeinde hat viele Aufgaben, aber eine Lebensäußerung tritt an dieser Stelle der Rechenschaft vom Glauben unter anderen besonders hervor: In der Gemeinde wird Glauben gelebt, gefeiert und weitergegeben.

„Die Sendung der Gemeinde in die Welt findet ihre Zuspitzung in der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus an alle Menschen und in der biblischen Unterweisung ihrer Glieder und der Kinder.“

Die Gemeinde hat einen Auftrag nach außen und nach innen. Durch sie wird das Evangelium allen Menschen mitgeteilt (nach außen) und Menschen, die zur Gemeinde gehören, werden im Glauben angeleitet (nach innen). So wird die Sendung der Gemeinde konkret. Menschen werden zum Glauben eingeladen und die, die dieser Einladung folgen, werden im Glauben ausgebildet und begleitet. Dabei werden die Kinder besonders in den Blick genommen. Sehr spannend ist hier die Formulierung, die für die „Rechenschaft vom Glauben“ gewählt wurde. Die Frage nach den handelnden „Personen“ wirkt erhellend: Wer verkündigt und wer unterweist denn hier? Zu erwarten wäre, dass die Gemeinde hier aktiv wird oder einzelne Personen in der Gemeinde: Eine Verkündigerin oder ein Lehrer. Davon ist aber nicht die Rede. Auch die Gemeinde als Ganze handelt hier nicht. Bei genauerer Betrachtung entdecken wir, dass im zweiten Abschnitt Jesus Christus selbst der Handelnde ist und nur er: „In den Versammlungen der christlichen Gemeinde richtet Jesus Christus seine Herrschaft auf, indem er seinen Jüngern sein Wort gibt, seine Vergebung zuspricht, seine Liebe zuwendet und ihnen den Heiligen Geist schenkt.“

Die „Rechenschaft vom Glauben“ fragt unser Verständnis von Gemeinde und Gottesdienst an: Wie spiegelt sich das in unseren Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen wider, dass Jesus selbst der Handelnde ist? Was bedeutet das für unser Handeln, unsere Aktivitäten? Wie sehr sollen wir selber handeln und was sollen wir besser einfach wachsen oder geschehen lassen, einfach nur zur Geltung kommen lassen?

Das eigene Handeln kann auch sehr anstrengend sein. Wir sprechen von Gemeinde-„ARBEIT“. Hinter einem festlichen Gottesdienst, einer überzeugenden Predigt oder einem ansprechenden Bibelunterricht stecken sorgfältige Vorbereitungen und oft viele Stunden wertvoller kreativer Überlegungen. Aber das Eigentliche können wir mit all unserer guten Vorbereitung nicht erzeugen: Glauben. Hier kann das in der „Rechenschaft vom Glauben“ Gesagte sehr entlastend wirken: Jesus ist der Handelnde. Er richtet seine Herrschaft auf. Vielleicht auch durch das, was wir tun oder auch trotz unseres Tuns. Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass es hier nicht um „Programme“ und Veranstaltungen gehen kann, sondern um eine natürliche Lebensäußerung des Glaubens, initiiert durch den Heiligen Geist. Die dem Abschnitt zugeordneten Bibeltexte (Gal. 3,2; Joh. 20,22f; Apg. 4,31) unterstreichen dies noch einmal in besondere Weise. Der Glaube wird durch den Heiligen Geist geschenkt. Er führt Menschen in die Gemeinschaft miteinander und in die Nachfolge.

In den folgenden Zeilen wird der Gottesdienst noch konkreter in den Fokus gerückt. Auch hier wird zunächst das Handeln Jesu herausgestellt: „Im Gottesdienst verpflichtet Jesus Christus die Seinen zur Nachfolge und zum Gehorsam, zum Glauben und zum Dienst, zur Liebe und zur Hoffnung. Im Gottesdienst ruft Jesus Christus Menschen, die noch keine Christen sind, zur Entscheidung des Glaubens und zur Hingabe ihres Lebens an Gottes Herrschaft.“ Hier kann gefragt werden, ob der Gottesdienst damit nicht überfrachtet ist und ob diese Aufzählung dem Wesen eines Gottesdienstes gerecht wird. Der Gottesdienst als Feier des Glaubens muss keinen Zweck verfolgen. Er muss nicht zur Belehrung oder zur Mission verwendet werden. Zugespitzt könnte man auch sagen, er darf nicht zu missionarischen oder belehrenden Zwecken missbraucht werden. Aber die Feier unseres christlichen Glaubens, so wie sie im Gottesdienst geschieht, kann zur Verkündigung des Evangeliums werden. Sie wird zur „Darstellung“ unseres Glaubens und wirkt auf diese Weise missionarisch, d.h. der Heilige Geist kann hier durch die Predigt, die Gemeinschaft, die Gebete, das Lob Gottes wirken.

Der zweite Abschnitt nimmt jetzt die Gemeindebildungsarbeit in den Blick. Durch das „Studium der Bibel“ und die „Übersetzung des Evangeliums in die heutige Zeit“ sollen die Gemeindeglieder zu einem Leben im Glauben befähigt werden. Auch hier ist das handelnde Subjekt interessant, nämlich die „christliche Unterweisung“ kommt hier ihrer Aufgabe nach.

Anschließend wechselt das Subjekt zur „christlichen Gemeinde“. Endlich wird nun ihre Aufgabe angesprochen. Ihre „besondere Aufgabe“ besteht in der „Unterweisung der Kinder und Jugendlichen“. Hier fällt auf, dass der Gemeinde eine spezielle Verantwortung zukommt. Während in den Zeilen zuvor Jesus Christus selber der Handelnde ist und durch den Heiligen Geist Glauben entfacht, wird hier die Gemeinde in die Verantwortung genommen, die „junge Generation zum Glauben an Jesus Christus und zum Leben in seiner Nachfolge“ zu ermutigen. Kinder und Jugendliche werden insbesondere dadurch ermutigt, wenn wir sie und ihre Fragen und Interpretationsansätze ernst nehmen, wenn wir ihren wachsenden Glauben fördern und begleiten, uns ihren Ängsten und Sorgen zuwenden und sie an Entscheidungsprozessen in unseren Gemeinden beteiligen. Ernst nehmen wir Kinder und Jugendliche, wenn wir uns fragen, was wir auch von ihnen lernen können oder was wir mit ihnen gemeinsam lernen können, z.B. Sorge um die Schöpfung Gottes oder besonders vertrauensvoll zu beten und vieles mehr. Wenn wir so als Kinder, Jugendliche und Erwachsene in einer Gemeinde gemeinsam in einem intergenerationellen Lernprozess sind, dann schwindet auch das Gefälle bzw. die Asymmetrie, die dem Wort „unterweisen“ anhaftet. Kommunikations- und Lernprozesse beschreibt man heute eher mit Begriffen wie „Vermittlung – Aneignung – Verständigung“. Gottes Wort wird vermittelt und Menschen unterschiedlicher Generationen eignen es sich an, und sie verständigen sich untereinander darüber. Und in mit und unter diesen Kommunikationsprozessen wirkt der Geist Jesu Christi, der allein Glauben bewirken kann und der die treibende Kraft zur Weitergabe des Glaubens ist.

Einladung zum Weiterdenken

1. Wie geschieht in unserer Gemeinde die Weitergabe des christlichen Glaubens?

2. Was sind Inhalte in unseren Gottesdiensten und wie verhält sich das zu dem, was in der Rechenschaft vom Glauben über die christliche Versammlung und den Gottesdienst steht?

3. Wie geschieht die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in unseren Gemeinden?

4. Wie wird in unserer Gemeinde das Miteinander der Generationen gestaltet, sodass Kinder und Jugendliche zu Glauben ermutigt werden?

Erschienen in: Die Gemeinde 12/2022, S. 16-17.

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news-3207 Thu, 02 Jun 2022 16:26:39 +0200 Miteinander reden, glauben, lieben und hoffen Jasmin Jäger https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/miteinander-reden-glauben-lieben-und-hoffen/ BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba haben in ihrem Bericht auf der Bundesratstagung dazu eingeladen, auch über kontroverse Themen ins Gespräch zu kommen. BEFG-Präsident Michael Noss und Generalsekretär Christoph Stiba haben in ihrem Bericht auf der Bundesratstagung dazu eingeladen, auch über kontroverse Themen ins Gespräch zu kommen.

„In ‚glauben – lieben – hoffen‘ finden Jugendliche und junge Erwachsene Antworten auf 103 Fragen rund um Glauben und Bibel. Das Buch gibt ihnen eine Orientierungshilfe, um sich selbst eine Meinung zu Glaubensfragen zu bilden“, heißt es auf der Internetseite des Gemeindejugendwerks. Das Buch „glauben – lieben – hoffen“ habe für Bewegung gesorgt, berichtete BEFG-Präsident Michael Noss. „Das Präsidium des Bundes hat entschieden zu diesem Buch keine Stellungnahme zu schreiben“, erklärte Noss. Das Präsidium stehe zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auch wenn es in Einzelfragen möglicherweise unterschiedliche Erkenntnisse gebe. Nach Abklingen des Applauses führte er als weiteren Grund an, dass auch andere Angestellte des Bundes Bücher veröffentlichen, die auch Widerspruch hervorrufen und nach ihrem Inhalt unterschiedlich beurteilt werden können. „Wir lassen uns nicht mit diffamierenden Erklärungen in Einklang bringen oder durch Blogs oder Social Media Beiträge treiben, sondern wir laden zum Dialog ein“, so Noss. „Wir stehen zum Gespräch bereit und kommen gerne auch in Eure Gemeinden.“

Generalsekretär Christoph Stiba unterstützte die Gesprächsbereitschaft und lud zum Gespräch über die Artikelserie zur „Rechenschaft vom Glauben“ ein. Der Theologische Ausschuss des Präsidiums und das Kollegium der Theologischen Hochschule Elstal veröffentlichen 2022 in jeder Ausgabe der Zeitschrift „Die Gemeinde“ und online jeweils einen Beitrag der Artikelserie. „Es ist gut, wenn wir über die ‚Rechenschaft vom Glauben‘, über die Grundlagen, die wir gemeinsam als Bundesrat beschlossen haben, nachdenken und sie gegebenenfalls in einem Gesprächsprozess verändern, wo nötig“, warb Christoph Stiba für das Gesprächsangebot.

Der Bundesrat hat in der Folge mit der Zielsetzung einer gemeinsamen Verständigung beschlossen, innerhalb des Bundes im laufenden Kalenderjahr ein konstruktives Gespräch zu strittigen Themen des Buches „glauben – lieben – hoffen“ anzuregen und zu moderieren.

„Wir haben noch mehr Themen und Gesprächsprozesse, in die wir eintreten wollen“, so Stiba. „Bei Gott sind alle willkommen: beliebte und ausgegrenzte, angepasste und unkonventionelle Menschen, Angehörige von Minderheiten und von Mehrheiten. Vielfalt ist von Gott gewollt und soll in unseren Gemeinden leben“, zitiert Christoph Stiba die Resolution des Bundesrates, die 2016 zum Thema „Bunte Gemeinde: Staunen über Christus im Anderen“ formuliert wurde. Es sei ein großer Schmerz, dass es Menschen in Gemeinden gab und gibt, die Angst haben, sich zu „outen“, weil sie befürchten und es erlebt haben, dann von der Gemeinschaft der Gläubigen ausgegrenzt zu werden. „Das darf nicht sein!“, fordert Stiba. „Wir wollen in unserem Bund und in unseren Gemeinden eine Kultur fördern, in der ein angstfreier Raum für ein offenes Miteinander möglich ist.“ Im Namen des Präsidiums und der Bundesgeschäftsführung sprach Christoph Stiba die Einladung aus, über den Umgang mit sexueller Identität und Vielfalt um der Menschen willen ins Gespräch zu kommen. Dazu soll es in Kürze Materialien und Gesprächshilfen geben. „Lasst uns gemeinsam Christus im Anderen entdecken!“

Ein Gesprächsprozess, der bereits vor mehr als 30 Jahren begonnen hat, ist die Frage von Frauen auf der Kanzel. Seit nun mehr 30 Jahren werden Frauen im BEFG als Pastorinnen ordiniert. Präsident Michael Noss erinnerte an die mühsamen Anfänge und bat die Frauen, die aufgrund ihres hauptamtlichen Dienstes in Gemeinden leiden mussten, stellvertretend um Verzeihung, wie hier nachgelesen werden kann.

Noss und Stiba thematisierten auch die Missbrauchsvorwürfe gegenüber der Southern Baptist Convention, die nicht mehr Mitglied im Baptistischen Weltbund (BWA) ist. Über 700 Pastoren werde von einer unabhängigen Untersuchungskommission in den USA Missbrauch vorgeworfen und der Leitung der Kirche werde vorgeworfen, mehr am Schutz der Kirche als am Aufdecken von Missbrauch interessiert gewesen zu sein. „Missbrauch, Vertuschung, Einschüchterung und Diffamierung in einer Kirche muss eindeutig widersprochen werden“, so Stiba. „Dem widerspricht das Evangelium, dem widerspricht die Barmherzigkeit Gottes, dem widerspricht alles, was uns wichtig ist.“ Deshalb gebe es im BEFG eine unabhängige Anlaufstelle gegen sexualisierte Gewalt und präventiv das Konzept „Auf dem Weg zur sicheren Gemeinde“. Er ermutigte dazu, die Anlaufstelle in den Gemeinden bekannt zu machen und Mitarbeitende präventiv zu schulen.

Auch auf die neuesten Recherchen in Bezug auf das Gesundheitswerk Bethel, bei denen sich erstmals zwei Diakonissen öffentlich über die Missstände im Werk äußern, gingen Stiba und Noss am Ende ihres Berichtes ein und wiesen darauf hin, dass Anne Traub, Gemeindemitglied der EFG Leverkusen, für die Unterstützung der Diakonissen ein Spendenkonto eingerichtet habe.

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news-3206 Thu, 02 Jun 2022 14:37:15 +0200 Erleben, was Gott in dieser Welt bewirkt Dr. Michael Gruber https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/erleben-was-gott-in-dieser-welt-bewirkt/ Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) macht sich auf den Weg einer Partnerschaft mit der National Baptist Convention of Namibia (NBCN). Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) macht sich auf den Weg einer Partnerschaft mit der National Baptist Convention of Namibia (NBCN). Über Chancen und Ziele der Partnerschaft mit dem südwestafrikanischen Land berichteten auf der Bundesratstagung Koordinatorin Regina Claas, Präsidiumsmitglied Volker Bohle und Generalsekretär Christoph Stiba. „Der Blick über den eigenen Tellerrand kann für beide Seiten eine echte Bereicherung sein“, wie Claas hervorhob.

Die ehemalige BEFG-Generalsekretärin Regina Claas, die in den letzten Jahren als Missionarin von EBM INTERNATIONAL im südlichen Afrika gearbeitet hat, beleuchtete zunächst die Perspektive des afrikanischen Bundes: Es sei „den Namibiern wichtig, zu Baptisten aus einem nichtafrikanischen Land in Beziehung zu treten, um ihren Horizont zu erweitern, sich über das Glaubens- und Gemeindeleben und die Missionsarbeit auszutauschen und sich gegenseitig beim Gemeindebau zu unterstützen.“ Auch finanzielle Unterstützung für die besonderen Herausforderungen in ihrem Land sei ein Aspekt, wie die deutsche Koordinatorin der Partnerschaft berichtete. „Umgekehrt brauchen wir auch die Namibier als Schwestern und Brüder, die ihren Glauben unter ganz anderen Bedingungen leben als wir, und die Gott oftmals auf eine ganz unmittelbare Weise erfahren, die uns vielleicht fremd geworden ist“, so Claas. „Es tut auch uns gut, über den eigenen Tellerrand zu schauen und die Welt aus der Perspektive anderer Kulturen und Glaubensformen wahrzunehmen. So wächst unser Verständnis für das, was Gott in dieser Welt bewirkt.“

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba betonte, nach den positiven Erfahrungen mit den zurückliegenden Partnerschaften des BEFG mit den Baptistenbünden in Malawi und Südafrika freue er sich sehr auf das Miteinander. „Es gibt gemeinsame Erfahrungs- und Lernfelder, in denen wir uns gegenseitig unterstützen können, etwa in Mission und Diakonie oder der Frauenarbeit, in der die Namibier sehr stark aufgestellt sind.“ Auch die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte sei ein wichtiges Thema für die Partnerschaft mit der NBCN, so Stiba.

Präsidiumsmitglied Pastor Bohle, der viele Jahre als Afrika-Referent für EBM INTERNATIONAL gearbeitet hat und jetzt Pastor einer Berliner Ortsgemeinde ist, stellte das Konzept einer In Via Partnerschaft „auf dem Weg“ vor. „In einer ersten Phase wird es bis 2023 darum gehen, dass Menschen aus unserem und dem namibischen Bund einander kennenlernen und wir Erwartungen an die Partnerschaft formulieren. In einer zweiten Phase wollen wir bis 2027 miteinander in ganz unterschiedlichen Projekten unterwegs sein. Danach sollen Beziehungen auf Ebene von Ortsgemeinden weiterentwickelt und gepflegt werden.“ Hierin werde deutlich, dass das Miteinander über die Leitungsebene hinausgehen soll, wie Bohle mit Verweis auf die Partnerschaft mit Malawi hervorhob: „Wir freuen uns, wenn wieder deutsche Gemeinden eine Partnerschaft mit einer namibischen Gemeinde starten, was den eigenen Glaubenshorizont erweitern und bereichern kann!“

Auf der Seite www.befg.de/Namibia werden die Grundsätze, Ziele, Phasen und mögliche Konkretisierungen der Partnerschaft ausführlich vorgestellt. 

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news-3205 Thu, 02 Jun 2022 12:14:01 +0200 30 Jahre Ordination von Frauen im BEFG Jasmin Jäger https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/30-jahre-ordination-von-frauen-im-befg/ Seit 1992 werden Frauen im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) als Pastorin ordiniert. Seit 1992 werden Frauen im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) als Pastorin ordiniert. „Verzeiht uns!“, bat BEFG-Präsident Michael Noss stellvertretend die Frauen, die aufgrund ihres hauptamtlichen Dienstes in Gemeinden leiden mussten. Auf dem Bundesrat berichteten zudem vier Pastorinnen aus verschiedenen Generationen von ihren Erfahrungen.

„Das war mühsam“, erinnerte Präsident Michael Noss an die zaghaften Anfänge, als man im BEFG begann, über die Zulassung von Frauen als „Predigerinnen“ nachzudenken. „Der erste Schritt wurde gegangen, indem zwei Frauen am Seminar zum Studium zugelassen wurden“, so Noss auf der Bundesratstagung im Rahmen des Berichtes des Präsidenten und des Generalsekretärs. Er habe es nie verstanden, dass man Unterschiede zwischen Männern und Frauen macht, wenn es um das Begabungspotential geht. „Die ersten Frauen, die ihren Dienst als Hauptamtliche, im Dienst einer Pastorin – wie sie damals noch nicht heißen durften – aufgenommen haben, haben schwer leiden müssen. Und es ist hier der Ort, an dieser Stelle auch zu sagen: Verzeiht uns!“ Die Entschuldigung des Präsidenten wurde von tosendem Applaus der Delegierten unterstützt.

„Gott begabt Menschen, Männer und Frauen, und er stellt sie in seinen Dienst. Seit 30 Jahren dürfen sie jetzt auch Pastorinnen heißen – und nicht mehr nur theologische Mitarbeiterin“, fügte Michael Noss dankbar hinzu. Dass es immer noch Gemeinden gibt, die das anders sehen, gehöre zu unserer Vielfalt als Gemeindebund. Aber auch in diesem Punkt gelte: „Lasst uns im Gespräch bleiben und miteinander reden!“

„30 Jahre Ordination zur Pastorin – so lange und so kurz“, blickte Pastorin Andrea Kallweit-Bensel, Präsidiumsmitglied und Dozentin an der Biblisch-Theologischen Akademie Wiedenest, auf die Zeit zurück. Nach 30 Jahren sei es keine Jubelveranstaltung, aber eine Wegmarke. Sie berichtete: „Auf der Bundeskonferenz 1992 – vor 30 Jahren – wurde nach sehr emotionalen und konträren Beratungen beschlossen, dass Frauen zur Pastorin ordiniert werden können.“ Aber schon vorher habe es Frauen in Ost und West gegeben, die ihren pastoralen Dienst versehen haben. „Im Westen, in Hamburg, war Carmen Rossol die erste Frau, die am Theologischen Seminar studiert hat und dann auch in ihrer Gemeinde Pastorin genannt wurde“, so Kallweit-Bensel. Sie selbst wurde 1987 als theologische Mitarbeiterin ordiniert, war in ihrer Gemeinde jedoch stets „die Pastorin“. Auch wenn sie zum Teil sehr heftigen Widerstand zu überwinden hatte, zeigte sie sich dankbar für diese Wegmarke und den gemeinsamen Weg bis dorthin. ###3_IMAGES###Franziska Suhail, Pastorin der EFG Schleswig, ist in einer Brüdergemeinde aufgewachsen und mittlerweile über zehn Jahre im Gemeindedienst. Sie ist dankbar für Kolleginnen, die ihr auf ihrem Weg Vorbild und Gegenüber waren und bis heute sind, die Themen vorangebracht und Gemeinden neu bewusstgemacht haben. „Ich bin dankbar für Gemeinden, die sich darauf eingelassen haben, dass auch Frauen ‚ganz gut‘ predigen können“, so Suhail. Denn sie habe – insbesondere bei der Verteilung von Reisediensten – auch die Erfahrung gemacht, dass Frauen nicht auf allen Kanzeln willkommen sind. Und Gemeinden, die immer noch skeptisch gegenüber Frauen auf der Kanzel sind, sagte sie: „Ihr verpasst etwas!“ Nach Abklingen des Applauses erzählte sie, dass sie schon bei der Vermittlung in den pastoralen Dienst aufgrund ihres Geschlechts bereits vor der Einladung in eine Gemeinde abgelehnt wurde – mit der Begründung, dass dann zu viele Frauen in der Gemeindeleitung vor Ort wären. Das mache sie betroffen, wenn Frauen ihre Berufung abgesprochen wird. Dennoch sei sie dankbar für diese Wegmarke und für Gemeinden, die allen Hauptamtlichen den Rücken stärken.

„Ob ich eine Frau bin oder nicht, ist für meine Predigt irrelevant“, davon ist Maike Böhl, seit kurzem Pastorin in der EFG Uetersen, überzeugt. In einer Gemeinde habe sie ein Kompliment für ihre „gute Predigt obwohl sie eine Frau ist“ erhalten. Das sei ihr „bitter aufgestoßen“. „Auch, wenn ich schlecht gepredigt hätte, hätte das nichts mit meinem Geschlecht zu tun gehabt“, so Böhl. Sie erlebt Frauen im pastoralen Dienst als selbstverständlich. Sie wünscht sich, dass ganz bewusst Frauen für Predigten angefragt werden und dass Gemeinden weiterhin Frauen im Dienst thematisieren, damit bei aller Selbstverständlichkeit die biblischen Grundlagen und der exegetische Rahmen bekannt sind.

Die Sprecherin der Pastorinnen, Sigrid Falk, Pastorin in der EFG Marburg, berichtete, dass der Anteil von Pastorinnen im aktiven pastoralen Dienst derzeit bei 17 Prozent liegt, im Anfangsdienst sind es zurzeit fast 37 Prozent. Alle drei Jahre gebe es zudem eine Pastorinnentagung zum Austausch und zur Fortbildung. „Dadurch, dass Frauen Pastorinnen geworden sind, hat sich am pastoralen Dienst viel verändert“, sagte sie. Teilzeitanstellungen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie seien zum Beispiel mehr in den Fokus gerückt. Auch die Vorstellung von Pastorenehepaaren und Singlepastorinnen passe nicht zu dem klassischen Bild eines Pastors. „Die Lebensentwürfe sind unterschiedlich und diese Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen miteinander, von uns gemeinsam im Dienst der Gemeinde im Reich Gottes für unseren Herrn Jesus – das öffnet uns den Himmel.“

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news-3204 Thu, 02 Jun 2022 09:51:01 +0200 Bundesrat 2022: Lust auf Studium und Gemeinde Jasmin Jäger https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/bundesrat-2022-lust-auf-studium-und-gemeinde/ Der Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde stellte bei der Bundesratstagung Wege in den hauptamtlichen Gemeindedienst vor. Der Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde stellte bei der Bundesratstagung Wege in den hauptamtlichen Gemeindedienst vor. Ob Gemeindepastorin, also Ordinierte Mitarbeiterin, oder Jugendreferent – vielfältige Studien-Programme führen in den gemeindlichen Dienst.

Zu Beginn des Berichts aus dem Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde wurde das Reportage-Video „Vielfalt im Studium erleben“ gezeigt. Darin erzählt unter anderem Lissy Lilja, Diakonin für Junge Gemeinde in der Baptisten-Kirche Dormagen, was sie am Studium an der Theologischen Hochschule schätzen gelernt hat – nämlich die Theorie zu lernen und die Möglichkeit, diese auch in der Praxis anzuwenden und Gemeindearbeit in der Bandbreite, mit unterschiedlichen Generationen, kennenzulernen. „Die Studierenden an der Theologischen Hochschule Elstal bilden ab, was in den Gemeinden an Diversität und theologischen Haltungen lebt“, berichtete der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Michael Kißkalt, auf der Bundesratstagung. „An der Theologischen Hochschule lernen sie zu diskutieren, sich zu positionieren und einander auch mit unterschiedlichen Positionen zu respektieren.“

Der Dienstbereich Mitarbeiter und Gemeinde richtet sich mit seinen Angeboten zum einen speziell an die Ordinierten und angehenden Ordinierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zum anderen an die Gemeinden. Dazu gehört neben der Vermittlung in den Gemeindedienst auch die Weiterbildung von Pastorinnen und Pastoren sowie Diakoninnen und Diakonen###3_IMAGES###Das Studium an der Theologischen Hochschule Elstal soll flexibler gestaltet werden und ein neues Programm für Seiteneinsteiger wird zurzeit erarbeitet, da der Bedarf an Hauptamtlichen in den Gemeinden steigt: „Weil das Leben unterschiedliche Geschichte schreibt, gibt es neben dem regulären Weg über ein Theologiestudium in Elstal in den Dienst, auch andere Wege zur Ordination, wie zum Beispiel das Kontaktstudium und das Pastorale Integrations- und Ausbildungs-Programm (PIAP)“, so Thomas Klammt, Referent für Integration und Fortbildung. Das klassische Kontaktstudium in seiner bisherigen Form werde komplett überarbeitet und gehe nächstes Jahr neu an den Start. Das neue Seiteneinsteiger-Programm richte sich danach, was die oder der Einzelne an theologischer Ausbildung, pastoraler Erfahrung und Integration in den BEFG mitbringt. Insbesondere nach einer Bibelschulausbildung könne man von dem neuen Programm profitieren und den Weg in den pastoralen Dienst und damit auch zur Ordination individuell und flexibel gestalten.

„In Gemeinden gibt es auch viele Anstellungen von Jugendreferentinnen und -referenten“, so Udo Hermann, Leiter des Dienstbereichs Mitarbeiter und Gemeinde, und fragte: „Haben junge Leute Lust auf Gemeinde?“ Präsidiumsmitglied Andrea Kallweit-Bensel, die als Dozentin für praktische Theologie und Neues Testament an der Biblisch-Theologischen Akademie Wiedenest junge Leute ausbildet, antwortete ihm: „Ja, sie haben Lust auf Gemeinde, aber sie suchen Gemeinden mit Gestaltungsspielräumen, in denen sie kreativ und innovativ sein können, in denen sie nicht gleich für den Gemeindebrief schreiben müssen, sondern auf Insta und Co. aktiv sein können und wo sie Mentorinnen und Mentoren haben.“ Auch die Work-Life-Balance sei der jungen Generation wichtig. Prof. Dr. Christoph Stenschke, Leiter des Akademischen Aufbauprogramms und Dozent für Neues Testament, stellte die neue berufsbegleitende Ausbildung BTA.dual vor. Die Ausbildung sei ein Multi-Tool und vor allem praktisch. Sie helfe, den Glauben zu vertiefen, besser zu verstehen, der Gemeinde treuer zu dienen, Jesus mehr zu lieben und vieles mehr.

Lust auf Studium und Gemeinde kann auch das neue Orientierungsjahr nxtchapter machen. Unter dem Motto „Gemeinschaft erleben, Glauben vertiefen, Gaben entdecken“ bietet nxtchapter jungen Menschen die Möglichkeit, ein Jahr für sich zu nehmen, die Bibel und Theologie kennenzulernen und Gott neu zu erleben und sich auszuprobieren. Fiona Waddell, Studentin an der Theologischen Hochschule Elstal, stellte nxtchapter in einem Video bei der Bundesratstagung vor.

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news-3203 Wed, 01 Jun 2022 12:05:03 +0200 Das werdende Leben fördern und schützen Hannelore Becker https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/das-werdende-leben-foerdern-und-schuetzen/ Die Stiftung „Chance zum Leben“ des BEFG setzt sich für das werdende Leben ein, indem sie Schwangere und Familien in finanziellen Notlagen unterstützt. Im Juni wird die Stiftung 20 Jahre alt. Die Stiftung „Chance zum Leben“ des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) setzt sich für das werdende Leben ein, indem sie Schwangere und Familien in finanziellen Notlagen unterstützt. Im Juni wird die Stiftung 20 Jahre alt. Geschäftsführerin Hannelore Becker berichtet über das Konzept bei der Gründung, eine „geniale diakonische Idee“, Hochs und Tiefs in zwei Jahrzehnten und über ein neues Konzept, durch das die Stiftung in Zeiten steigender sozialer Nöte gut für die Zukunft aufgestellt ist, um Menschen zu helfen und Leben zu schützen.

Wenn wir glauben, dass jeder Mensch ein Gedanke Gottes ist, dann muss es unser Anliegen als Christen sein, auch das werdende Leben zu schützen und zu fördern. Gleichzeitig wäre es viel zu einfach, Frauen zu verurteilen, die sich aus sozialen Gründen für eine Abtreibung entscheiden. Doch ziemlich sicher ist, dass keine Frau diese Entscheidung leichtfertig trifft und dass viele Frauen bis an ihr Lebensende unter dieser Entscheidung leiden.

Am Anfang war ein Anstoß…

Das waren die Konfliktpunkte, die dazu geführt haben, dass Brüder unseres Bundes die Entscheidung getroffen haben: Wir wollen etwas dafür tun, dass Frauen eine Hilfe bekommen, damit sie dem neuen Leben eine Chance geben. Federführend bei der Idee einer Stiftung war Pastor Hartmut Wahl.

Natürlich dauerte es noch etwas, bis es losgehen konnte, denn für die Gründung einer Stiftung war ein Stiftungskapital von 100.000,00 DM erforderlich. Aber im Juni 2002 startete die Stiftung „Chance zum Leben“ nach Erreichen des Stiftungskapitals und der Anerkennung der Satzung. Der Start war in Berlin, denn durch ein Krankenhaus dort kam auch der Anstoß.###3_IMAGES###Das Anliegen war, Frauen im Schwangerschaftskonflikt mit einer finanziellen Hilfe zu ermutigen, sich für das werdende Leben zu entscheiden. Am Anfang nutzten vor allem die Schwangerenberatungsstellen der Immanuel-Group in Berlin das Angebot der Stiftung. Inzwischen ist die Stiftung auch anderen Beratungsstellen bekannt, auch denen der evangelischen und katholischen Kirche und freien Trägern.

…dann kam eine praktische Idee

Wie konnte man die Hilfe nun ganz praktisch konkretisieren? Es sollte eine direkte Hilfe für das Baby sein. Etwas, das für ein Jahr spürbar den Geldbeutel entlastet. Nun, wer Kinder hat oder hatte, weiß, wie gerade die Windelpakete eine stetige Belastung auf dem Kassenzettel sind oder waren. So entstand die geniale diakonische Idee: Windel- bzw. Drogeriegutscheine!

Wachsen und Bekanntwerden…

2007 übernahm das Diakoniewerk Kirchröder Turm die Trägerschaft, und seit 2010 arbeite ich als Referentin mit einer 450-Euro-Stelle, um die Anträge zu bearbeiten, Sponsoren zu finden und die Stiftung in den Gemeinden unseres Bundes bekannt zu machen.

Die ersten Jahre konnte ich finanzielle Unterstützungen von den Drogeriemarktketten dm und Rossmann bekommen. Denn was lag bei Windelgutscheinen näher, als die Drogeriemärkte mit einzubinden! Leider kann ich beide Drogeriemärkte in den letzten Jahren nicht mehr für diese Win-Win-Aktion gewinnen.

Aber ich habe Gemeinden in ganz Deutschland besucht und bin ich dankbar für Gemeinden und Menschen, denen die Arbeit der Stiftung am Herz liegt und die sie durch Spenden, Daueraufträge, Kollekten und Jahresdankopfer unterstützen. Dadurch war über all die Jahre die Möglichkeit gegeben, alle eingegangenen Anträge zu bearbeiten und zu bewilligen. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle allen Spenderinnen und Spendern!

Mir ist es vor allem und immer noch ein Anliegen, dass die Gemeinden unseres Bundes die Stiftung und ihr großartiges Angebot kennen und auch selbst nutzen. Es gibt doch auch in unserem Gemeindeumfeld Familien, die an der Armutsgrenze leben und dankbar sind, wenn von irgendwoher Unterstützung kommt. Die Stiftung bietet sozusagen einen „diakonischen Fonds“, der für Schwangere und Familien genutzt werden kann.

Im Laufe der Zeit hat sich die Zahl der Anträge vervielfacht von knapp 20 in den ersten Jahren bis auf 130 im letzten Jahr. Aber das liegt nicht nur daran, dass die Stiftung bekannter geworden ist, sondern auch daran, dass die Nöte größer geworden sind. Die steigenden Energiekosten machen Familien, die schon am Rand der Existenz stehen, zunehmend Probleme. Pandemiebedingte Kündigungen oder Arbeitsverlust haben manchen Familien finanziell den Boden unter den Füßen weggezogen, und ungeplante Schwangerschaften verschärfen den finanziellen Druck dann erheblich. Die Nöte, Probleme, Familienkonstellationen und Herkünfte sind so unterschiedlich wie Menschen und Schicksale eben sind.

…und weiter mit neuer Satzung und neuen Kompetenzen

Ende 2021 haben wir eine neue Satzung und ein neues Konzept erarbeitet. Vier Verantwortliche mit unterschiedlichen Kompetenzen können mehr bewegen, als eine Referentin mit einem kleinen Beirat.  So gibt es nun einen Vorstand: Mareike Klaus ist Vorstandsvorsitzende, Pastorin und BEFG-Referentin für Diakonie und Gesellschaft Agathe Dziuk ist stellvertretende Vorsitzende. Diakonin Sabrina Hemmen gehört dem Vorstand ebenfalls an, und ich arbeite nun als Geschäftsführerin für die Stiftung. Außerdem haben wir einen Stiftungsrat berufen, der aus Menschen besteht, die die Stiftung schon seit längerem auf ihrem Herzen haben und vielfältig unterstützen. Auch sie sollen Vervielfältiger der guten Sache sein, denn die finanziellen Nöte und die Zahl von Alleinerziehenden und Familien am oder unter dem Existenzminimum wird durch Inflation, Krieg und Pandemie wohl noch weiter zunehmen.

Etwas für das werdende Leben und das Leben der Kleinsten in unseren Familien zu tun, dazu kann und will die Stiftung Chance zum Leben auch weiter – gerade bei steigenden finanziellen Nöten –  helfen.

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news-3202 Tue, 31 May 2022 11:59:45 +0200 Finanzen des Bundes: Es gibt einiges zu tun Timo Neumann https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/finanzen-des-bundes-es-gibt-einiges-zu-tun/ Im Finanzbericht auf der Bundesratstagung dankte der kaufmännische Geschäftsführer des BEFG, Volker Springer, allen Gemeinden sowie Spenderinnen und Spendern für die Unterstützung. Im Finanzbericht auf der Bundesratstagung dankte der kaufmännische Geschäftsführer des BEFG, Volker Springer, allen Gemeinden sowie Spenderinnen und Spendern für die Unterstützung, stellte die aktuellen Haushaltszahlen vor und kündigte mit Blick auf die kommenden Jahre Konsolidie-rungsmaßnahmen an.

Das Ergebnis für das zurückliegende Haushaltsjahr 2021 weist mit 21.000 Euro ein leichtes Plus auf. Die Auswirkungen der Pandemie seien weiterhin spürbar, so Springer. Durch die vielen Veranstaltungsabsagen mussten weniger Honorare, Mieten, Reisekosten und ähnliches gezahlt werden. Dagegen fehlten auf der anderen Seite eine Reihe von Teilnehmerbeiträgen. Mittlerweile sei es jedoch zu einer Normalisierung bei den Präsenzveranstaltungen gekommen. „Der Corona-Effekt schwindet, was auch in den Planungen für 2022 berücksichtigt wurde“, berichtete der kaufmännische Geschäftsführer.

2021 hätten zudem Objektverkäufe aufgelöster Gemeinden die Einnahmenseite positiv beeinflusst. „Das sind einmalige Effekte, die wir in unseren Planungen nicht berücksichtigen. Diese Einnahmen wurden vollständig den Rücklagen zugeführt, vorwiegend mit dem missionarischen Ziel, Gemeindeneugründungen zu fördern.“

Die rückläufigen Mitgliederzahlen in den Gemeinden haben bereits seit 2020 erkennbare Auswirkungen auf die Bundesbeitragszahlungen. Die Spenden an das Bundesopfer waren 2021 deutlich rückläufig. Dementsprechend schwierig habe sich auch die Planung für den Haushalt 2022 gestaltet.

Der kaufmännische Geschäftsführer blickte angesichts sinkender Einnahmen noch weiter in die Zukunft. „Das Einsparpotential bei den Kosten ist inzwischen stark begrenzt. Der Druck auf den Haushalt wächst.“ Eine Umstrukturierung sei nötig – mit dem Ziel, das Kostenniveau zu senken. Diesen Ansatz unterstrich auch das Präsidium: „Der Haushaltplan 2022 ist strukturell defizitär, die Mitgliederzahlen rückläufig. Das macht eine Konsolidierung unumgänglich“, betonte die Vorsitzende des Finanzausschusses Dorothee Oesemann.

Für Springer ist klar: „Die Haushaltsplanung 2022 gibt uns einen Vorgeschmack auf die bevorstehenden Konsolidierungserfordernisse. Es gibt in den nächsten Jahren einiges zu tun – in allen Dienstbereichen des Bundes, für uns als Bundesgemeinschaft mit allen Mitgliedsgemeinden, gemeinsam mit den Landesverbänden und den Gemeindejugendwerken.“

Die Notwendigkeit zeige sich auch mit Blick auf die bisherigen Entwicklungen im laufenden Haushaltsjahr. Nach den beiden Corona-Jahren würden die beiden wichtigsten Einnahmepositionen jetzt noch mehr an Bedeutung gewinnen. Insbesondere das Bundesopfer sei bis dato zu niedrig. „Wir freuen uns über jede Spende zur Förderung unserer gemeinsamen Bundesarbeit. Und wir bitten alle Gemeinden, sich in der von den Delegierten beschlossenen Höhe an den Bundesbeiträgen zu beteiligen!“

Für das kommende Jahr beschlossen die Delegierten eine Erhöhung der Bundesbeiträge um 1,50 Euro auf dann 74,50 Euro pro Jahr und Mitglied. Insbesondere unter Berücksichtigung der Inflationsrate sei das eine moderate Erhöhung im Bereich der erwartbaren Tariferhöhung.

Präsidium und die Finanzsachverständigen des Bundesrates dankten Springer und seinem Team ausdrücklich für ihr Engagement, für die offene, konstruktive und zielorientierte Zusammenarbeit. Einen weiteren Dank richteten sie an alle Gemeinden und die vielen Einzelspenderinnen und -spender.

Dem schloss sich auch Volker Springer an und verwies dabei besonders auf die hohe Spendenbereitschaft in der Bundesgemeinschaft. Über 1,6 Millionen Euro wurden für die Flutopfer gesammelt. Und auch im laufenden Jahr wurden bereits fast 1,6 Millionen für die Opfer des Ukraine-Krieges gespendet.

Rückblickend auf die Bundesratstagung hält Volker Springer fest: „Es ist bewegend zu sehen, wie sich die Bundesgemeinschaft für in Not Geratene einsetzt und diese auch mit hohem finanziellen Engagement unterstützt. Wir sind imstande, Großes zu leisten. Das stimmt mich auch für die kommenden Herausforderungen für den Bund selbst hoffnungsvoll!“

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news-3201 Mon, 30 May 2022 15:13:41 +0200 Dr. Maximilian Zimmermann: „Christus sieht Deine Durststrecke“ Julia Grundmann https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/dr-maximilian-zimmermann-christus-sieht-deine-durststrecke/ Im Online-Bundesgottesdienst zum BEFG-Jahresthema „Dich schickt der Himmel“ ermutigte Dr. Maximilian Zimmermann an der „Dich schickt der Himmel“-Hoffnung festzuhalten. Im Online-Bundesgottesdienst zum BEFG-Jahresthema „Dich schickt der Himmel“, der auf YouTube angeschaut werden kann, ermutigte Dr. Maximilian Zimmermann die Zuschauerinnen und Zuschauer, an ihrer „Dich schickt der Himmel“-Hoffnung festzuhalten: „Wenn das Deine Erfahrung ist, dass schon viel zu lange, vielleicht ermüdend lange das Eingreifen des Himmels auf sich warten lässt, dann möchte ich Dir – bei allem Schmerz und bei allem Zweifel und bei aller Enttäuschung – aus Johannes 5 zusprechen, dass Jesus Christus Deine Durstrecke jetzt sieht und in ihrem ganzen Ausmaß wahrnimmt“, sagte er in seiner Predigt.

Mit seiner Betrachtung der Geschichte aus Johannes 5,1-9, der Heilung am Teich Betesda, machte Dr. Maximilian Zimmermann deutlich, dass Jesus auf die Not der Menschen nicht immer so reagiere, wie die Menschen es erwarten und dass es mitunter sehr lange dauere, bis er reagiert. Was der kranke Mann in der biblischen Erzählung mit Jesus erlebt habe, könnten auch Menschen heute mit Jesus erleben, so Zimmermann: „dass der Himmel Rettung schickt und dass die Rettung Deine Vorstellungen von Rettung bei weitem übersteigt.“ 

Fiona Waddell und Sebastian Rußkamp moderierten den Gottesdienst und zeigten ein Video von der Bundesratstagung, in dem sie verschiedene Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach ihren „Dich schickt der Himmel“-Momenten und dem Wirken Gottes in ihrem Leben befragten. Dabei berichtete ein Ehepaar, das seit 60 Jahren verheiratet ist, von der Liebe – zueinander, aber auch durch die Menschen in ihrem Umfeld – die sie als echtes Himmelsgeschenk erlebten. Eine Frau im Rollstuhl, die an einer chronischen Erkrankung leidet, sagte, natürlich traue sie Gott auch das Wunder zu, sie zu heilen: „Aber warum sollte er das tun? Da finde ich es ganz toll, dass ich erlebe, dass Gott mich in diesem Kranksein begleitet.“ ###3_IMAGES###BEFG-Präsident Michael Noss und -Generalsekretär Christoph Stiba berichteten von der zurückliegenden Bundesratstagung und von den Themen, die auf dieser Veranstaltung besprochen wurden. In diesem Zusammenhang plädierte Michael Noss an die Gemeinden, ihre „Komm her“-Struktur mehr und mehr abzulegen und „hinauszugehen in eine Welt und da zu sein, wo die Menschen sind. Denn wenn ich Menschen berühren will, dann muss ich da hingehen, wo sie sind.“ Dies bedeute, man müsse sich auf Minderheiten einlassen und auf Menschen, die oft sehr herausgefordert sind: „Wir übrigens auch. Aber wir kennen den, der uns berufen hat, der uns sendet.“ Mit diesem Rückhalt könne man – im Sinne des Jahresthemas „Dich schickt der Himmel“ – „hingehen zu den Menschen, wo sie sind“.

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Jan Primke, Maren Tielker, Deborah Hofmeister, Manuel Schienke und Steffen Schmidt.###3_IMAGES###700 Geräte waren bei der YouTube-Premiere des Gottesdienstes am Sonntagvormittag zugeschaltet. Von den zahlreichen Gemeinden, die den Gottesdienst übertrugen, berichteten 20 im Live-Chat, dass sie 20 bis 100 Personen im Gemeindehaus dabei waren. Darunter auch eine rumänischsprachige Baptistengemeinde aus dem Schwarzwald. Manche Gemeinden streamten den Gottesdienst über ihren eigenen YouTube-Kanal. Einzelpersonen schalteten sich aus ihrem Wohnzimmer, von der Reha, aus einem Wohnmobil oder von Ibiza aus zu.

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news-3188 Sun, 29 May 2022 10:33:00 +0200 Salz und Licht Klaus Schönberg, BEFG-Referent für Gemeindegründung https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/salz-und-licht/ Die Rechenschaft als Glaubensbekenntnis dient der Selbstvergewisserung nach innen und dem Selbstzeugnis des Glaubens gegenüber anderen Kirchen und der Gesellschaft. Die Rechenschaft vom Glauben beantwortet die Frage: Was glauben wir als Baptisten?  Die Rechenschaft als Glaubensbekenntnis dient der Selbstvergewisserung nach innen und dem Selbstzeugnis des Glaubens gegenüber anderen Kirchen und der Gesellschaft.

Mit der Artikelserie über die Rechenschaft des Glaubens geht es um die Selbstvergewisserung nach innen, also um die Glaubensüberzeugungen in unseren Gemeinden. Diese ist mit der Hoffnung verbunden, dass die Vergegenwärtigung der Inhalte inspirieren und zu einer Revitalisierung der Praxis führen. Tatsächlich könnte mit den Inhalten der Rechenschaft des Glaubens problemlos eine transformative Predigtserie für ein ganzes Jahr gestaltet werden.

Im Teil 2 der Rechenschaft vom Glauben geht es um die Sammlung und Sendung der Gemeinde Jesu. Die wesentlichen Inhalte des Evangeliums werden durch kraftvolle Hauptsätze hervorgehoben. Einige Beispiele:

„Alle, die an Jesus Christus glauben, sind aus dem Machtbereich der Finsternis in das Reich Christi versetzt worden. Christus sammelt sie zu seiner Gemeinde in gemeinsamem Leben, Zeugnis und Dienst.“ „Wie Gott seinen Sohn in die Welt sandte, so sendet Jesus Christus heute seine Gemeinde in die Welt. Allen Gliedern der Gemeinde Jesu Christi gilt der Auftrag ihres Herrn: „Predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! (Markus 16, 15)“.

Die Sammlung und Sendung der Gemeinde:

Indem Gott beruft, sammelt er sein Volk. Die Sammlung zum Volk Gottes im Alten Testament beginnt mit einem Menschen – Abraham (und Sarah, 1 Mose 12,3) –, mit einem Volk – Israel (2. Mo. 19,4-6) – und zielt auf alle Völker (Jes 25,6-9). Die Sammlung im Neuen Testament beginnt mit der Sendung des Sohnes Gottes (Joh 3,17; 17,17), gefolgt von der Berufung des Jüngerkreises (Mk 3,14-19), wird erweitert durch die Berufung und Sendung der 72 Jünger und Jüngerinnen (Lk 10,1-11) und zielt auf die Berufung und Sammlung aller Völker zum einen Volk Gottes (Joh 20,21; Mt 28,18-20; Apg. 1,8).

Wenn das Evangelium angenommen und gelebt wird, entstehen Gemeinden, die von ihrem Wesen her Reich-Gottes-Gemeinschaften sind.  Auf die „Versöhnungstat Gottes“ antworten sie mit „Lobpreis und Anbetung“. Sie bekennen „Schuld“ und empfangen „Vollmacht und Vergebung.“ Als priesterliche Menschen bezeugen sie durch „Evangelisation und Diakonie“ das Heil Gottes. Diese Gemeinschaften sind einerseits Salz und Licht und andererseits prophetisches Gegenüber der Gesellschaft. Sie haben, in aller Unvollkommenheit, eine transformierende Wirkung auf die Gesellschaft, weil die Kraft Gottes in ihnen wirksam ist.

Gerne stimmen wir der Beschreibung dieser Wahrheiten zu. Das ist es, was wir bekennen, aber nicht unbedingt das, was wir kennen. Das ist es, was wir glauben, aber nicht unbedingt das, was wir leben. Das ist es, was wir wollen, aber nicht unbedingt das, was wir sind.

Das Formulieren von Glaubensbekenntnissen gibt aber mehr Auskunft über den Glauben der Vergangenheit als über die geistliche Dynamik der Gegenwart. In der Regel beschäftigt sich eine Kirche mit ihren Bekenntnissen, wenn die Kirche in Frage gestellt wird oder wenn sie nach ihrer Bedeutung, nach ihrer aktuellen Eigendynamik fragt.

Weil alle verschriftlichten Glaubensbekenntnisse Zeugnisse der Geschichte sind, müssen sie durch frische Erfahrungen der Gegenwart Gottes verifiziert werden. Wenn die Sammlung und Sendung der Kirche ihre Dynamik verliert, dann bedarf die Kirche der „Selbstevangelisierung“, der völligen Durchdringung der Kirche vom Evangelium.

Papst Franziskus lädt zur Selbstevangelisierung der Kirche ein, indem er betont: „Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen.“ Selbstevangelisation ist die Voraussetzung für die Transformation der Kirche, damit sie zur Transformation der Gesellschaft beiträgt.

Die Kirche, die ernsthaft nach dem Wert ihres Bekenntnisses fragt, will die Zeichen der Zeit erkennen. Sie sucht nach einem göttlichen Moment, nach einem Kairos-Moment. „Die Zeit ist erfüllt (Kairos) und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße (Metanoia) und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15). Wenn die Kirche ihr Bekenntnis mit der Realität vergleicht, dann kann es sein, dass sie einen göttlichen Ruf zu Erneuerung hört. Wenn sie ihr eigenes Bekenntnis zur Sammlung der Gemeinde ernst nimmt, wird sie sich aufmachen, ihre Sendung neu zu entdecken.  Die Rechenschaft vom Glauben gibt Zeugnis über Glaubensinhalte. Damit die Inhalte Dynamik und Relevanz generieren, folgt dem Bekenntnis eine erneuerte Praxis, die allerdings immer wieder neu erschlossen werden muss.

Im Evangelium nach Matthäus heißt es: „Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe“ (Mt 28,19f). Jesus teilt seinen Jüngerinnen und Jüngern zwar das Ziel der Sendung (alle Völker) und die Botschaft (alles, was er gelehrt hat) mit, jedoch nicht die Methodik. Nicht unwichtige Details fehlen: Wie tun wir das und auf welche Weise (Strategie), an wen genau wenden wir uns (Zielgruppe). Dazu kommt der nicht unwesentliche Umstand, dass seit diesem Auftrag zwei Jahrtausende vergangen sind. Mit anderen Worten: Jesus gibt seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern eine herausfordernde Aufgabe: Unter der Leitung des Heiligen Geistes müssen sie selbst, durch Gebet und Prophetie, durch Kontextanalyse und Strategie, durch Versuch und Irrtum, in Demokratie und Diktatur Wege finden, damit das Evangelium als Gute Nachricht gehört, geglaubt und gelebt werden kann, damit bis zu seiner Wiederkunft, Sammlung und Sendung geschieht.

Einladung zum Weiterdenken

1. Auf welche Weise sammelt und sendet meine Gemeinde?

2. Stimmt das Bekenntnis des Glaubens mit dem Lebensvollzug meiner Gemeinde überein?

3. Gibt es für meine Gemeinde/Bund einen Kairos für Selbstevangelisation?

Erschienen in: Die Gemeinde 11/2022, S. 14-15.

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news-3200 Sat, 28 May 2022 13:31:35 +0200 BEFG-Bundesrat fordert klimaneutralen Campus Elstal Dr. Michael Gruber https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/befg-bundesrat-fordert-klimaneutralen-campus-elstal/ Der Bundesrat hat beschlossen, für BEFG ein Klimakonzept zu entwickeln, das für den Campus der Freikirche in Elstal Klimaneutralität zum Ziel hat. Der Bundesrat hat beschlossen, für den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) ein Klimakonzept zu entwickeln, das für den Campus der Freikirche in Elstal Klimaneutralität zum Ziel hat. Die Delegierten folgten damit dem Vorschlag der Bundesgeschäftsführung, der auf eine Initiative aus dem Gemeindejugendwerk (GJW) des BEFG zurückgeht.

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba und Verwaltungsleiter Tobias Kühl stellten bei der Konferenz in Kassel einen Stufenplan für einen klimaneutralen Campus vor, von einer fundierten Energieberatung über eine Planungsphase bis hin zu Umsetzung und Evaluation. Die Delegierten folgten dem Konzept, indem sie die Bundesgeschäftsführung beauftragten, die vorliegenden Planungen innerhalb von 18 Monaten weiterzuentwickeln und dem Bundesrat wieder vorzulegen. Auf den folgenden Bundesräten sollen regelmäßig Fortschrittsberichte zum Klimakonzept gegeben werden.

Ausgangspunkt für das Konzept war ein Antrag des Jugendverbands der Freikirche. Das GJW hatte darin geschrieben, Klimagerechtigkeit sei auch „eine Frage des Glaubens. Die maximale Emissionsmenge pro Kopf, gerechnet auf die Weltbevölkerung, wird in Deutschland auch bei starker Reduzierung der Emissionen noch deutlich überschritten. Wir verbrauchen auch hier, was Anderen zusteht. Deshalb muss es uns ein hoch priorisiertes Anliegen sein, diese Ungerechtigkeit zu ändern.“ Christoph Stiba stellte sich hinter diese Überlegungen, mit denen er das mehrstufige Konzept begründete: „Wir teilen die Ziele von Klimaneutralität und Klimagerechtigkeit. Dafür haben wir eine Verantwortung. Das unterstützen wir sehr.“###3_IMAGES###Der Beschluss des Bundesrats stand am Ende einer anderthalbstündigen Plenarsitzung über das Thema Klimagerechtigkeit, die vom Arbeitskreis „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“ gestaltet wurde. Darin stellte zunächst Arbeitskreisleiterin und Referentin im BEFG-Generalsekretariat Jasmin Jäger den wissenschaftlichen Stand der Klimadebatte vor. Sie betonte, kein Thema sei „wissenschaftlich so sorgfältig und systematisch aufbereitet wie der Klimawandel“, der zu einem neuen Erdzeitalter führen könne. So gebe es „planetare Belastungsgrenzen und Kipppunkte“, bei deren Überschreitung Extremwetterphänomene entstehen und irreversible globale Veränderungen eintreten könnten. „Wir stehen an einem Scheideweg, wie wir mit unserer Erde umgehen“, so Jäger. „Entweder wir reduzieren unsere Emissionen, oder wir kommen in ein vom Menschen verursachtes Verwüstungs-Erdzeitalter“ (Verwüstungs-Anthropozän). Man könne durch eine Veränderung seines Verhaltens viel bewirken. „Es ist dran, etwas zu tun, damit auch die nachfolgenden Generationen eine Lebensgrundlage haben.“

Der Praktische Theologe Prof. Dr. Oliver Pilnei von der Theologischen Hochschule Elstal beschrieb den Einsatz für Klimagerechtigkeit als Dimension der Frömmigkeit. „Schöpfung heißt, Gott erhält und umhüllt diese Welt, führt sie ihrem Ziel entgegen.“ Schöpfung sei ein Ort, an dem Gott präsent ist. „Auf der Welt schlägt Gott sein Zelt auf. Er nimmt Menschengestalt an.“ Die Schöpfung sei keine Bühne, die man beliebig austauschen könne, so Pilnei. „Gottes Fülle bleibt in seiner Kreatur präsent.“ Deshalb lasse sich Heil nicht von der Schöpfung trennen. In diesem Sinne sei der Ruf in die Nachfolge Christi auch ein „Ruf in die Schöpfungsgemeinschaft“. Damit sei auch die Gerechtigkeitsfrage für das Handeln der Christen verbunden: „Wer das Wasser des Lebens predigt, wünscht sich auch sauberes Wasser für alle.“ Pilnei ermutigte die Teilnehmenden der Konferenz, ökologische Verantwortung zu einem Teil ihrer Nachfolge als Christinnen und Christen zu machen.

In mehreren Videos (im Folgenden verlinkt) wurde das Engagement von Christen für Klimagerechtigkeit konkret. So betonten zwei Vertreterinnen der Chemnitzer Lokalgruppe von Micha Deutschland, Schöpfungsbewahrung und damit Klimagerechtigkeit seien „unumgänglich mit Gottes Willen verbunden“. Micha Deutschland setzt sich als Teil des weltweiten Netzwerks „Micah Global“ für die Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele ein – der BEFG ist mit der Initiative eng verbunden. Die Theologische Hochschule Elstal ist auf dem Weg, Fairtrade-University zu werden. In zwei weiteren Clips wurde das Engagement der Kreuzkirche Oldenburg und der Gemeinde am Döhrener Turm in Hannover vorgestellt, die sich seit Jahren für Nachhaltigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Dr. Frank Hellberg von der Hannoveraner Gemeinde, der auch Umweltauditor und zusammen mit Jasmin Jäger Leiter des BEFG-Arbeitskreises „Evangelium und gesellschaftliche Verantwortung“ ist, bot an, Gemeinden in der Umsetzung zweier Klimakonzepte (Grüner Hahn und Schöpfungsleiter) zu beraten.

Nach den thematischen Impulsen und einer engagierten Debatte stimmten die Delegierten mit großer Mehrheit für das vorgeschlagene Klimakonzept und unterstrichen damit die Bedeutung der Klimagerechtigkeit.

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news-3199 Sat, 28 May 2022 11:20:11 +0200 Zurück ins Leben Wolfang Günter, Die Gemeinde https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/zurueck-ins-leben/ Im BEFG gibt es – wie anderswo auch – Gemeinden, die ums Überleben kämpfen. Wie kann man ihnen neues Leben einhauchen? Der Freitagabend auf der Bundeskonferenz war dem Thema Revitalisierung gewidmet. Im BEFG gibt es – wie anderswo auch – Gemeinden, die ums Überleben kämpfen. Wie kann man ihnen neues Leben einhauchen? Der Freitagabend auf der Bundeskonferenz war dem Thema Revitalisierung gewidmet.

Kaum eine Gemeinde ist aus der Corona-Zeit unbeschadet hervorgegangen. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum es Gemeinden gibt, die schrumpfen und kaum mehr lebensfähig sind. Manche sind überaltert, pflegen nur wenig Kontakte in die Nachbarschaft und sind einfach nicht mehr relevant. Doch dagegen kann man etwas tun. Lösungsansätze und Mut machende Beispiele wurden an diesem von Joachim Gnep und Benno Braatz moderierten Abend präsentiert.

Zunächst nahm André Peter, Regionalreferent Nord im Dienstbereich, die Zuhörer und Zuhörerinnen anhand des letzten Kapitels im Johannesevangelium mit hinein in Gottes Perspektive. Dreimal stellt Jesus Petrus die Frage: Hast du mich lieb? Und dreimal bejaht Petrus, nachdem er ihn dreimal verleugnet hatte. So holt Jesus seinen Jünger zurück ins Leben – nach allem, was sie miteinander erlebt hatten. Mehr noch: Er fordert ihn auf, die von ihm gefangenen Fische aufs Feuer zu legen. Auf uns übertragen: Auch wir haben eine mitunter schwierige Geschichte und fragen uns: Sind wir als Gemeinde für unsere Stadt, unser Viertel noch relevant? Würde es jemand merken, wenn es uns von heute auf morgen nicht mehr gäbe? Jesus kennt diese Geschichte, er will uns zurück ins Leben holen – und er setzt das ein, was wir mitzubringen haben.###3_IMAGES###Ingeborg te Loo, die am Internationalen Baptistischen Theologischen Seminar (IBTS Centre) in Amsterdam unterrichtet, beschäftigt sich seit vierzehn Jahren mit dem Thema „Revitalisierung“. Dahinter steckt ein innerhalb der anglikanischen Kirche entwickeltes Konzept. Im Fokus stehen dabei die sieben Merkmale einer gesunden, vitalen Gemeinde, ohne die einfach keine gute Entwicklung möglich ist:

1. Wir beziehen Kraft und Orientierung aus dem Glauben an Christus.
2. Wir richten den Blick nach außen.
3. Wir finden heraus, was Gott heute will.
4. Wir wagen Neues und wollen wachsen.
5. Wir handeln als Gemeinschaft.
6. Wir schaffen Raum für alle.
7. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche.

Ingeborg te Loo berichtete von drei stagnierenden Gemeinden in den Niederlanden. Diese drei Gemeinden waren ganz unterschiedlich geprägt und litten auch unter ganz unterschiedlichen Problemen: Überalterung, keine Kontakte in das Viertel, in dem die Gemeinde ansässig war, negatives Selbstbild. Gemeinsam war diesen drei Gemeinden jedoch der Wunsch, sich auf Veränderung einzulassen. Am Anfang des Revitalisierungsprozesses steht eine genaue Analyse. Dann hieß es zum Beispiel: Wir machen zu viele Dinge, aber wir machen sie nicht gut. Oder: Wir haben keine klare Berufung und wissen nicht, was Gott von uns möchte. Ingeborg te Loo zeigte zum Schluss, wie die drei Gemeinden heute dastehen und welchen Weg sie gefunden haben. Sie betonte, dass nicht alle diese Wege glatt verlaufen müssen und auch Scheitern erlaubt sein muss.###3_IMAGES###

Zum Schluss kamen drei Vertreter von BEFG-Gemeinden zu Wort, die von gelungenen Veränderungsprozessen berichteten. Almut und Bernd Siodlaczek aus Ober-Ramstadt im Rhein-Main-Gebiet erzählten von Neubau eines Gemeindezentrums – raus aus dem Hinterhof und dort hinein, wo Menschen leben und man Kontakt mit ihnen aufnehmen kann. Edwin Witt aus Varel berichtete von einer ungeplanten Vitalisierung: Geflüchtete aus dem Iran und anderen Ländern senkten den Altersdurchschnitt gewaltig. Und die Gemeinde ließ sich auf die Veränderung ein und gestaltete sie: Von den Liedern über die Predigt bis hin zum Gemeindebrief wurde vieles zweisprachig. Bei den vielen praktischen Arbeiten, die es zum Beispiel im Gemeindegarten zu erledigen gibt, arbeiteten alle Seite an Seite. Und schließlich teilt man Leben und feiert miteinander. Einen Einblick ins Schneeberger Gemeindeleben gab Michael Kuhn. Um 1990 erlebte die Gemeinde eine Krise. Unter ihrem neuen Pastor Michael Maas führte sie Veranstaltungen nach dem Vorbild von Willow Creek durch, bot Alphakurse an und verjüngte die Gemeindeleitung. Ganz wichtig war es für sie, auf prophetische Eindrücke zu hören und für Kranke zu beten, die dann Heilung erfuhren. Und auch hier spielte ein Neubau eine wesentliche Rolle.    

Der gesamte Abend wurde nicht nur auf Video (auf YouTube anschauen) festgehalten. Justo Garcia Pulido aus Bonn setzte die Eindrücke im Lauf des Abends auch grafisch um. Beides, Video und das sogenannte „Graphic Recording“, kann man sich auf der Seite www.baptisten.de/revitalisierung noch einmal anschauen.

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news-3198 Sat, 28 May 2022 10:16:03 +0200 Der Blick vom Universum in die Gesellschaft zur Nachbarschaft Julia Grundmann https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/der-blick-vom-universum-in-die-gesellschaft-zur-nachbarschaft/ „Dich schickt der Himmel – Wie sieht Dein Himmel aus?“ Diese Frage zog sich durch den Konferenzabend zu Himmelfahrt, vorbereitet von einem internationalen Team aus den BEFG-Gemeinden. „Dich schickt der Himmel – Wie sieht Dein Himmel aus?“ Diese Frage zog sich durch den Konferenzabend zu Himmelfahrt, der von Cintia Malnis aus der EFG München-Holzstraße und Patricia Kabambay-Nkossi, Pastorin der New Life Church in Düsseldorf und BEFG-Präsidiumsmitglied, moderiert wurde. Durch die internationale Perspektive auf diese Frage wurde die große kulturelle Vielfalt innerhalb des BEFG deutlich. Jan Primke, Manuel Schienke, Maren Tielker, Deborah Hofmeister und Roy Asabre aus Hamburg als Special Guest sorgten für die musikalische Gestaltung des Abends.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurden die Menschen aus dem Publikum eingeladen, sich über diese Frage auszutauschen. Patricia Kabambay-Nkossi nahm Bezug auf die Stelle aus dem Vaterunser, an der es heißt: „Wie im Himmel so auf Erden.“ „Für mich ist der Himmel da, wo sich Gottes Wille zeigt“, sagte sie. Wenn die Schöpfungsgeschichte davon erzähle, dass Gott den Menschen aus einem Erdklumpen geformt habe, dann „bin ich als Mensch ein Teil der Erde“, so Kabambay-Nkossi. ###3_IMAGES###Dr. Efrain Gatuzz, venezolanischer Astronom am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, führte den Blick der Zuschauerinnen und Zuschauer vom Universum auf die Erde: „Das Universum ist riesig. Die Erde ist ein unbedeutender Ort. Nur ein kleiner Planet, der einen gewöhnlichen Stern umkreist.“. Aus astronomischer Sicht sei die Erde angesichts der Größe des Universums ein sehr gewöhnlicher Ort: „Für Gott ist unser Planet jedoch der wichtigste Ort. Denn dort leben wir. Gott sorgt sich um dich und um mich.“

Agathe Dziuk, Referentin für Diakonie und Gesellschaft im BEFG, sprach über Grenzen zwischen den Ländern und über Grenzen zwischen den Menschen. Sie skizzierte, wie sich in der Begegnung von Geflüchteten und Einheimischen letztere oft gerne als vom Himmel geschickt betrachteten, ohne zu bemerken, dass die anderen, die neu ins Land gekommen sind, auch „Himmelsboten“ sein können: „Was wäre, wenn diese Menschen in dieses Land kommen, weil sie geschickt sind, damit wir uns verändern können?“, fragte sie. „Was wäre, wenn die Grenzen in unseren Köpfen wegbrechen und diejenigen, die Teil der Gesellschaft werden wollen, das auch können.“ ###3_IMAGES###Mauricio da Silva Carvalho, Pastor der EFG Hamburg-Ottensen, beschrieb, wie er als „kochender Pastor“ die Liebe Gottes erlebbar machen will: „Wenn wir Himmelsgesandte sind, bedeutet es automatisch, dass wir irgendwohin zu irgendjemanden gehen sollen. Da denke ich an Jesus: Er aß und trank mit den Leuten und machte dadurch deutlich, dass er sie so liebte, wie sie sind.“ Als 2015 die Grenzen nach Deutschland für geflüchtete Menschen geöffnet wurden, bot er erstmals einen Kochabend für neue und alte Hamburger und Hamburgerinnen an: „Es trafen Welten aufeinander. Fremde wurden zu Freunden.“ Mittlerweile seien viele verschiedene Kochprojekte entstanden, die immer eine Friedensbotschaft transportierten und Menschen miteinander und mit Gott in Beziehung brächten.

Beim anschließenden Podiumsgespräch erzählten die Vortragenden von ihren persönlichen „Dich schickt der Himmel“-Momenten und dass diese häufig auf Wechselseitigkeit beruhten: „Das, was ich gebe, kriege ich zurück. Oft um ein Vielfaches.“ Zum Abschluss des Abends beteten alle Anwesenden das Vaterunser – jede und jeder in der eigenen Muttersprache.

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news-3197 Fri, 27 May 2022 14:45:32 +0200 Der Krieg in der Ukraine und die Frage nach Frieden Julia Grundmann https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/der-krieg-in-der-ukraine-und-die-frage-nach-frieden/ „Der Krieg in der Ukraine und die Frage nach Frieden: Was sollen wir denken und tun, hoffen und beten?“ war der Titel einer Gesprächsrunde auf der Bundesratstagung. „Der Krieg in der Ukraine und die Frage nach Frieden: Was sollen wir denken und tun, hoffen und beten?“ war der Titel einer Gesprächsrunde auf der Bundesratstagung. Die Theologinnen und Theologen Anja Bär, Joachim Gnep, Jasmin Jäger und Peter Jörgensen setzten sich an einen eigens auf der Bühne aufgestellten Küchentisch, um – moderiert von Andrea und Friedrich Schneider – über diese Frage ins Gespräch zu kommen.

Recht persönlich nahmen die Gesprächsteilnehmerinnen und Gesprächsteilnehmer das Publikum hinein in ihre Biografie und welche Sichtweisen und Einstellungen sie zum Thema Krieg und Frieden im Laufe der Zeit entwickelt und auch geändert haben. Dabei spielten nicht nur Alter und Herkunft der einzelnen eine Rolle, sondern etwa auch die Begegnung mit Geflüchteten oder der eigene Aufenthalt in Kriegsgebieten, die die eigene Haltung auf den Prüfstand stellten.

Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmer, dass sie Gewalt ablehnen und sich trotzdem aufgefordert fühlen, bei Konflikten dazwischen zu gehen und sich einzumischen. „Da wo sich Gewalt ereignet, möchte ich nicht weglaufen, sondern hineingehen und Streit schlichten und Frieden stiften“, sagte Peter Jörgensen. Zum Thema Waffen und Kriegsgewalt wolle er sich politisch nicht positionieren, aus privater Sicht hingegen glaube er, dass Waffenlieferungen nicht weiterhelfen würden. Auch Anja Bär stellte fest: „Gewalt erzeugt immer neue Gewalt.“ Trotzdem könne sie sich nicht eindeutig gegen Waffenlieferungen in die Ukraine aussprechen. Wichtig sei ihr, so betonte sie, schon vor der Eskalation von Gewalt in der Gesellschaft und im eigenen Handeln und Sprechen Frieden zu erlernen. So würden Menschen befähigt, zu Friedensstiftern und Friedensstifterinnen zu werden.###3_IMAGES###Jasmin Jäger lenkte den Blick der Zuhörerinnen und Zuhörer auf die unter 30-Jährigen in Deutschland, die weder die Weltkriege noch den Kalten Krieg aus eigenem Erleben kennen und nun große Angst vor dem Krieg haben. Auch sie selbst frage sich manchmal: „War das nur eine Illusion des Friedens, in der ich bisher gelebt habe?“ Joachim Gnep gab Einblick in seine innere Zerrissenheit, wenn er als Kriegsdienstverweigerer und Pazifist von seiner ukrainischen Familie höre, dass es für sie völlig klar sei, dass Waffen benötigt werden: „Beide Haltungen zur Waffenfrage haben dasselbe Ziel. Beide sind gleichzeitig jeweils mit grässlich grausamen Übeln verbunden. Mich zerreißt es. Dass es nicht nur eine Haltung dazu gibt, finde ich verständlich und sogar angemessen. Vielleicht kann es die eine Haltung nur geben, weil es jemanden gibt, der die andere vertritt?“ 

Fragen aus dem Publikum bezogen sich auf den Umgang mit Menschenrechten bzw. mit individueller Freiheit und Persönlichkeitsrechten weltweit. Eine der Rückmeldungen nahm Bezug auf den Theologen Dietrich Bonhoeffer, der als erklärter Pazifist trotzdem dazu aufforderte, „dem Rad in die Speichen zu fallen“, um Hitler zu stoppen. Müsse man nicht auch Putin entsprechend stoppen, so die Frage. Auch hier wurde an der Reaktion der Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer deutlich, dass sich vom Ziel her alle grundsätzlich einig sind und nur über den Weg dorthin unterschiedliche Ansichten habe.

Ein ausführliches Gebet mit Bitte um Gottes Erbarmen schloss sich der Gesprächsrunde an.

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news-3192 Fri, 27 May 2022 10:40:00 +0200 BEFG-Statistik 2021: trotz mehr Taufen weniger Mitglieder Referat für Kommunikation https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/befg-statistik-2021-trotz-mehr-taufen-weniger-mitglieder/ Der Mitgliederrückgang lässt sich unter anderem auf eine Zunahme der Austritte aus Gemeinden zurückzuführen. Gleichzeitig gibt es 48 Prozent mehr Taufen und auch sonst mehr Zugänge. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat auf der Bundesratstagung in Kassel seine Mitgliederstatistik für das Jahr 2021 vorgestellt. Demnach verzeichnet der Bund einen Mitgliederrückgang von 2,5 Prozent, der unter anderem auf eine Zunahme der Austritte aus Gemeinden zurückzuführen ist. Gleichzeitig lässt sich im Vergleich zu den Umbrüchen des ersten Corona-Jahres eine deutliche Zunahme bei den Zugängen beobachten. So gab es 48 Prozent mehr Taufen als 2020.

Zum Stichtag 31. Dezember 2021 hatte der BEFG 75.767 Mitglieder. Das sind 1.918 weniger als im Vorjahr, wo der Mitgliederrückgang mit 2.510 noch einmal höher ausgefallen war. „Wir sehen, dass es bei allen Zugangsarten eine Zunahme im Vergleich zu 2020 gab, wo die Zugänge wegen der Corona-Pandemie auf einem Tiefststand lagen“, berichtete BEFG-Kommunikationsleiter Dr. Michael Gruber bei der Vorstellung der Zahlen. Gleichzeitig seien die Abgänge auf hohem Niveau leicht ansteigend. Mit Blick auf die jeweils zahlenmäßig größte Zu- und Abgangsart führte er aus: „Bis 2019 gab es mehr Taufen als Austritte. Im ersten Coronajahr 2020 hat sich das Verhältnis umgekehrt – ein Phänomen, das wir auch 2021 noch beobachten.“

Für das Verhältnis von Zu- und Abgängen gebe es mehrere Erklärungen, so Gruber, der zunächst auf die Zugänge einging: „Der Beginn der Pandemie 2020 hatte dazu geführt, dass alle Mitgliederzugänge in Gemeinden deutlich einbrachen. Nicht einmal halb so viele Taufen waren nur eine Folge.“ Im zweiten Coronajahr 2021 sei bei den Zugängen „dann natürlich nicht plötzlich alles wie vor der Pandemie“ gewesen: „Die Gemeinden sortieren sich neu, setzen neue Konzepte um, gestalten ihren Gemeindealltag nach den Umbrüchen um. In diesem Zuge steigen die Zugänge, zum Beispiel die Taufen um 48,4 Prozent. Doch sie sind nicht auf Vor-Corona-Niveau.“

Auch die Abgänge, die auf einem hohen Niveau sogar noch leicht stiegen, müssten in den Blick genommen werden, wie Michael Gruber betonte: „Hier beschäftigt uns nach wie vor in besonderer Weise die hohe Zahl der Austritte, die immerhin knapp 46 Prozent aller Abgänge ausmachen. Auch Streichungen machen immerhin 18 Prozent aller Abgänge aus.“ Hier liege zunächst die Frage auf der Hand, welchen Anteil aufgelöste Gemeinden haben. „Doch sie sind nur für 267 von 4.179 Abgängen verantwortlich, was etwa 6,4 Prozent entspricht.“ Und so scheine sich auch 2021 zu bestätigen, was eine stichprobenartige Recherche zur Vorjahresstatistik ergeben hatte: „Die Austritts- und Streichungsgründe sind sehr individuell und hängen mit der jeweiligen Gemeindesituation zusammen“, so Gruber, der hierfür mehrere Beispiele nannte: „Da sind Gemeindeleitungen, die nach Jahren erstmals das Mitgliederverzeichnis durchforsten und Personen, die schon längst weg sind, rausnehmen oder um Austritt bitten. Da sind Menschen, die schon länger innerlich auf Abstand sind und dann den Austritt vollziehen – oft beschleunigt durch Corona. Andere schließen sich einer anderen, nicht bekenntnisverwandten Gemeinde an, was als Austritt zählt. Oder es gibt aus den unterschiedlichsten Gründen Streit in der Gemeinde, und Menschen ziehen daraus Konsequenzen. Und manchen Mitgliedern ist ihre Gemeinde zu liberal, anderen ihre zu konservativ.“

Die Austritte führten zur Frage, wie Gemeinden auf „Umbrüche reagieren – oder besser noch: diese aktiv gestalten“ könnten, so Gruber in seinem Fazit. „So herausfordernd das ist, so zuversichtlich blicken wir auf unseren Herrn, in dessen Auftrag wir unterwegs sind und der in der Gemeindearbeit mit uns ist. Wir sind auch dankbar für gute Entwicklungen wie die Zunahme bei den Taufen. Und wir merken, wie gut es ist, dass wir hier als Bund gemeinsam unterwegs sind. Wir können als Gemeinden gegenseitig füreinander da sein, und wir wollen mit der überregionalen Arbeit die Gemeinden unterstützen!“

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news-3196 Thu, 26 May 2022 21:35:06 +0200 Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz Dr. Michael Gruber https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/verankerung-von-kinderrechten-im-grundgesetz/ Der Bundesrat unterstützt das Vorhaben, Kinderrechte gemäß der UN-Kinderrechtskonvention im Grundgesetz zu verankern. Damit sind die Delegierten einem Antrag des Gemeindejugendwerks gefolgt. Der Bundesrat des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) unterstützt das Vorhaben, Kinderrechte gemäß der UN-Kinderrechtskonvention im Grundgesetz zu verankern. Das Kirchenparlament fordert die Bundesregierung auf, das Thema voranzutreiben. Damit sind die Delegierten der Tagung in Kassel einem Antrag des Gemeindejugendwerks (GJW) der Freikirche gefolgt. Im Plenum war dem Antrag am Himmelfahrtstag eine ganze Stunde gewidmet, in der unterschiedliche Positionen vorgestellt und diskutiert wurden.

Jana Bednarz aus dem GJW-Bundesvorstand erläuterte, dass durch eine Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz – über die bereits vorhandenen gesetzlichen Regelungen hinaus – die besondere Position der Kinder gestärkt werde und man diesen mehr Gehör gebe. Besonders könne auf diese Weise die Situation von Kindern verbessert werden, die Gewalt ausgesetzt sind oder die unter Beeinträchtigungen oder Benachteiligung leiden. Dem GJW sei es ein Anliegen, dass sich nicht nur der Jugendverband, sondern die ganze Freikirche dafür einsetze.

Der im Koalitionsvertrag von 2018 enthaltene Abschnitt zur Aufnahme der Kinderrechte, dessen Umsetzung schließlich scheiterte, sei nicht weitgehend genug gewesen, betonte Bednarz. So solle das Kindeswohl im staatlichen Handeln nicht nur „angemessen“, sondern „vorrangig“ oder „wesentlich“ berücksichtigt werden. Zudem reiche es nicht, Kinder „einen Anspruch auf rechtliches Gehör“ zu geben, weil in einer solchen Formulierung das Recht des Kindes auf Beteiligung als Grundprinzip der UN-Kinderrechtskonvention nicht deutlich genug zum Ausdruck komme. Das GJW sei dankbar, dass die neue Bundesregierung das Anliegen nun wieder auf die Agenda genommen habe.

In einem Videoclip vom „Aktionsbündnis Kinderrechte“, der in der Sitzung gezeigt wurde, wurden Pro-Argumente vorgestellt. So seien etwa auch staatliche Stellen gefordert, Kinderrechte konsequenter umzusetzen, wenn diese im Grundgesetz verankert seien. Ein anderer Videoclip stellte Kontra-Argumente vor. So befürchten Gegner des Vorhabens, die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz schränke das Sorgerecht der Eltern ein, indem es dem Staat zu viele Eingriffsrechte einräume.

Auch die gegensätzlichen Argumente zweier Politiker wurden den Delegierten vorgestellt. So spricht sich Marcus Weinberg von der CDU gegen das Vorhaben aus, da eine Nennung von Kinderrechten im Grundgesetz aus seiner Sicht rein symbolisch wäre und die Kinder in rechtliche Distanz zu ihren Eltern brächte. Sönke Rix von der SPD hingegen ist der Ansicht, eine Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz würde klarstellen, dass bei Entscheidungen, die Kinder betreffen, das Kindeswohl vorrangig zu betrachten ist.

Volkmar Hamp vom GJW beschrieb die Sorge eines Eingriffs des Staats in das elterliche Sorgerecht als „Schreckgespenst“ und betonte, wie wichtig eine ausgewogene Formulierung der Kinderrechte im Grundgesetz sei. Auch GJW-Referent Jason Querner hob hervor, dass es in der Gesetzesformulierung um eine wohlaustarierte Balance zwischen Kindeswohl und Elternrechten gehe. In der folgenden ausführlichen Debatte sprach sich ein Gemeindevertreter mit dem Argument gegen den GJW-Antrag aus, dass die Väter des Grundgesetzes bei Artikel 6 auf genau diese Balance geachtet hätten. Auch die Sorge vor einem zu großen Eingriff des Staates kam zur Sprache. In vielen Redebeiträgen wurde hingegen betont, wie wichtig es sei, sich für den Schutz der Kinder und deren Wohlergehen einzusetzen. Und die Stärkung der Kinderrechte durch deren Aufnahme in das Grundgesetz könne hier einen wichtigen Beitrag leisten. Nach der Debatte stimmte der Bundesrat für den GJW-Antrag und lehnte damit auch den Gegenantrag einer Gemeinde ab.

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news-3195 Thu, 26 May 2022 19:30:46 +0200 Die Himmelfahrt Jesu und die Sendung der Christen in die Welt Wolfgang Günter, Die Gemeinde https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/die-himmelfahrt-jesu-und-die-sendung-der-christen-in-die-welt/ Einen besseren Auftakt zur Bundesratstagung als einen Gottesdienst kann es ja gar nicht geben. Wie im letzten Jahr stand das Motto „Dich schickt der Himmel“ im Mittelpunkt. Einen besseren Auftakt zur Bundesratstagung als einen Gottesdienst kann es ja gar nicht geben. Wie im letzten Jahr stand das Motto „Dich schickt der Himmel“ im Mittelpunkt.

Eigentlich könnte man dieses Thema noch ein paar Jahre lang beibehalten. Denn darum geht es: Gottes Mission zu folgen und sich von ihm schicken zu lassen. Nicht nur in diesem Jahr und in diesem Gemeindebund, sondern bei allen Menschen, die Christus nachfolgen.

Bevor der Generalsekretär der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF), Alan Donaldson, die Predigt hielt, stellte ihn Christoph Stiba, der Generalsekretär des BEFG, ihn im Interview vor. Zwei Dinge, die man im Gedächtnis behält: Er stammt aus Schottland und wohnt mit seiner Frau auf einem Hausboot.

Die letzte Interviewfrage schlug den Bogen zum Jahresthema. Christoph Stiba wollte von Donaldson wissen: „Bei welcher Gelegenheit hast du am stärksten empfunden, dass der Himmel jemanden geschickt hat?“ Als Antwort gab es eine kleine Geschichte: Im zarten Alter von 18 Monaten hatte Alan gelernt, Treppen hinauf zu krabbeln. Das tat er auch in dem Hotel, in dem die Familie den Urlaub verbrachte. Im vierten Stock fehlte im Geländer eine Strebe, Alan stürzte hinab – und landete genau in seinem Kinderwagen, den sein Großvater gerade in diesem Augenblick wegen des einsetzenden Regens hineingeholt und unten an der Treppe eingestellt hatte. Auch wenn er sich heute natürlich nicht mehr daran erinnern kann: Das war ein entscheidender Augenblick für sein Leben.###3_IMAGES###Welche solcher prägenden Augenblicke, so Donaldson, gab es im Leben Jesu? Matthäus hebt eine Reihe von Ereignissen hervor, die auf einem Berg oder Hügel stattfanden: die Bergpredigt, die Verklärung, durchbetete Nächte auf dem Ölberg, die Kreuzigung auf Golgatha und schließlich die Himmelfahrt auf einem nicht näher benannten Hügel. Für Lukas war die Himmelfahrt so wichtig, dass er gleich zweimal davon erzählt – einmal am Ende seines Evangeliums und dann im ersten Kapitel der Apostelgeschichte. Die Jünger waren nach der Himmelfahrt Jesu zunächst verwirrt, wussten nicht, woran sie waren – uns aber schenkt dieser Augenblick Orientierung, und zwar auf dreifache Weise. Ausgehend von Philipper 2,5ff erläuterte Donaldson, dass uns die Himmelfahrt Jesu erstens einen neuen Blick auf die Größe Gottes schenkt. Er hat alles unter Kontrolle. Seine Macht ist nicht nur auf die Erde beschränkt. Zweitens schenkt uns die Himmelfahrt einen neuen Blick auf unsere Errettung: Die Sünde ist besiegt. Und drittens ist die Himmelfahrt mit dem Missionsauftrag verknüpft. Die Verfasser der biblischen Bücher wussten durchaus, dass das Leben nicht einfach ist, und Zeugnis zu geben schon gar nicht. Doch wir müssen und können nicht darauf warten, bis sich alles zum Besseren wendet. Jesus ist in den Himmel aufgefahren, an einen Ort, an dem er für uns betet. Er schickt uns heute in die Welt – und wir gehen nicht allein.###3_IMAGES###Nach der Predigt stellte David Kröker, im ChristusForum Deutschland verantwortlich für Gemeindegründung, Armbändchen mit dem Aufdruck #DerNächsteBitte vor, die auf allen Tischen für die Teilnehmenden bereitlagen. Diese Bundesaktion soll uns daran erinnern, uns von Gott aussenden zu lassen und ihn zu fragen, wem wir der Nächste sein können.

Musikalisch wurde der Gottesdienst in bewährter und begeisternder Weise von Jan Primke und Band gestaltet. Die Kollekte zugunsten des EBF ergab 4.912,80 Euro.

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news-3194 Thu, 26 May 2022 18:56:06 +0200 Eröffnung der Bundesratstagung Referat für Kommunikation https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/eroeffnung-der-bundesratstagung/ Die Bundesratstagung 2022 startete mit einem dezentralen Eröffnungsabend in verschiedenen Kasseler Gemeinden. Die Bundesratstagung 2022 startete mit einem dezentralen Eröffnungsabend in verschiedenen Kasseler Gemeinden.

In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Baunatal gab es Ermutigungsimpulse aus BEFG-Gemeinden. Jonathan Walzer und David Kröker hatten hierzu drei Gäste aus verschiedenen Gemeinden eingeladen, die trotz Corona in den letzten Jahren neue Wege gegangen sind, Menschen mit dem Evangelium erreicht haben und positive Erfahrungen gemacht haben. So berichtete Andreas Latossek über eine Aktion der EFG Frankenberg, die als Hilfsaktion 100 Lebensmittelpakete packte. Wegen der kam die Gemeinde ins Gespräch mit Nachbarn, die vorher noch keinen Kontakt zur Gemeinde hatten. Dadurch schauten mehr Menschen die Übertragung des Gottesdienstes. Und viele Menschen spendeten für die Aktion. Zunächst wurden 450 weitere Pakete gepackt, am Ende waren es sogar 1.000 Pakete, für Latossek ein „Corona-Wunder“.

Steffi Herhaus berichtete über die Arbeit der GelsenKirche. Elf verschiedene Kulturen sind in der Gemeinde dabei, für sie eine „Vielfalt, die bereichert“. Ein neues sozial-diakonisches Projekt für Jugendliche wurde während der Pandemie gestartet. Weihnachten 2021 war dann wegen Corona sehr herausfordernd. Dennoch bleibt die Gemeinde diakonisch aktiv, will die Menschen der Stadt erreichen, setzt Gemeindegründer ein und engagiert sich aktuell für Geflüchtete aus der Ukraine.

Johan Drogt berichtete über die Herausforderungen der EFG Straubing in der Pandemie. „Aus der Überzeugung, dass Gott in Krisen seine Gemeinden baut, haben wir weitergemacht“, so Drogt. Mittlerweile gibt es jeden Sonntag zwei Gottesdienste.

Außerdem berichtete David Kröker aus dem Gemeindegründungsprojekt Euskirchen, dass Menschen in vier Phasen neu in die Gemeinde kommen: Integration ins Herz, ins Haus, in die Gruppe, in die Gemeinde. Durch die Gruppenarbeit ist trotz der Pandemie, die sehr herausfordernd war, viel gewachsen.###3_IMAGES###Ein Mitmachkonzert mit dem Gospelchor Up to You unter der Leitung von Manuel Schienke fand in der EFG Kassel Möncheberg statt. Präsidiumsmitglied Cornelia Gerlach hat das Konzert besucht und berichtet von derebendigen und berührenden Atmosphäre: „Spürbar war die Freude des Chores, der Solistinnen und der Musiker, nach der Coronapandemie endlich wieder singen zu dürfen. Schön auch, dass alle zum Mitsingen eingeladen waren und viele bekannte Lieder gesungen wurden. Der Funke sprang sofort über.“ Es nahmen auch ukrainische Gäste an dem Abend teil und am Ende ließen sich die Musikerinnen und Musiker nicht lange bitten und legten noch mit zwei oder drei Liedern nach. Zu einer musikalischen Eröffnungsveranstaltung wurde auch in der EFG Kassel-Oberzwehren eingeladen. Die Studierenden der Theologischen Hochschule Elstal leiteten dort einen musikalischen Sing & Pray-Abend. Zeitgleich fand auch das EBM INTERNATIONAL-Freundestreffen in der EFG Kassel-West statt. ###3_IMAGES###Um die Zukunft von Kirche nach Krisen – wie der der Corona-Pandemie – ging es in der Gemeinde Fuldatal-Ihringhausen bei einem Vortrag von Pastor Jens Stangenberg. „Dass Glauben und Kirche sich verändern, ist offenkundig“, stellte er fest. „In welcher Form das geschieht, hängt viel mit unseren Denkmustern und dem inneren Bild von Zukunft zusammen.“ Wenn Gemeinde so etwas wie ein Schutzraum sei, der durch Corona weggerissen werde, stelle sich die Frage: „Wollen wir das Bestehende befestigen oder umglauben?“ Die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort und 26 Online-Zuschauerinnen und -Zuschauer waren eingeladen, sich darüber Gedanken zu machen, wie dieses Umglauben aussehen könne. Gastfreundschaft üben und Beziehungen pflegen, kleinere Gruppen stärken, sich fokussieren und relevante Inhalte für das 21. Jahrhundert liefern, mehr beten und den Heiligen Geist wirken lassen sowie Verantwortung auf viele Verteilen und Initiativen „von unten“ unterstützen waren einige der Ideen, die bei diesem Austausch aus dem Publikum genannt wurden. „Was macht man aber als Gemeinde“, so fragte eine Teilnehmerin, wenn man beides zusammenbringen muss: Die Menschen, die die Gemeindearbeit genauso gestalten und leben wollen wie früher und die Gruppe, die vor allem die neuen Methoden und Gestaltungsmöglichkeiten nutzen wollen, die in der Krisenzeit entstanden sind?“ Das gehöre zu den grundsätzlichen Herausforderungen christlicher Gemeinschaften, so Jens Stangenberg. Mit der Bereitschaft, Herausforderungen mutig anzugehen, Unfertigkeiten gemeinsam auszuhalten und lernbereit zu bleiben, könne das auch in Zukunft gelingen. 

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news-3193 Wed, 25 May 2022 09:11:58 +0200 „Stell Dir vor, es ist Gemeinde und alle machen mit!“ Silke Sommerkamp https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/stell-dir-vor-es-ist-gemeinde-und-alle-machen-mit/ Unter diesem Motto trafen sich am 9. Mai 2022 über 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem Onlineseminar der Akademie Elstal. Unter diesem Motto trafen sich am 9. Mai 2022 über 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem Onlineseminar der Akademie Elstal.

Diplom-Pädagogin Stefanie Diekmann aus Göttingen war Referentin des Abends. In einer gelungenen Mischung aus wissenschaftlich fundierter Reflexion und ihren persönlichen Erfahrungen aus dem Gemeindealltag machte Stefanie Diekmann Mut, bereits Kinder und Jugendliche an den Zukunftsprozessen der Gemeinde zu beteiligen und nicht nur für diese etwas anzubieten. Ihre Analyse startete dabei mit einem Blick auf die Kernherausforderungen des Jugendalters und die Chancen, die wir als Gemeinden haben, wenn Kinder und Jugendliche bei uns erleben, dass sie etwas gestalten und bewirken können. Dass diese Art von Beteiligungskultur auch langfristig in Gemeinden Früchte tragen wird, darin waren sich alle einig. Auch die geistliche Notwendigkeit eines solchen Ansatzes machte die Referentin deutlich, indem sie betonte, dass das Anliegen der mündigen Nachfolge nicht durch satte und zufriedene Teilnehmer unserer Veranstaltungen erreicht werden könne. Neben dem inhaltlichen Input gab es genug Zeit auch zum persönlichen Austausch, so dass der Abend als sehr kurzweilig erlebt wurde. Aufgrund des positiven Feedbacks und der Dringlichkeit des Themas wiesen Agathe Dziuk und Silke Sommerkamp, die den Abend für die Akademie Elstal verantworteten, darauf hin, dass weitere Veranstaltungen angeboten werden sollen.

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news-3190 Mon, 23 May 2022 12:04:44 +0200 Bundesrat beleuchtet gesellschaftliche Verantwortung der Christen Dr. Michael Gruber https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/bundesrat-beleuchtet-gesellschaftliche-verantwortung-der-christen/ Die Bundesratstagung findet vom 25. bis 28. Mai erstmals in hybrider Form statt. 530 Delegierte und Gäste werden vor Ort in Kassel dabei sein, 200 Personen online. Die Bundesratstagung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) findet vom 25. bis 28. Mai erstmals in hybrider Form statt. 530 Delegierte und Gäste werden vor Ort in Kassel dabei sein, 200 Personen online. Als Ehrengast wird der Schotte Alan Donaldson, Generalsekretär der Europäischen Baptistischen Föderation, das Programm mitgestalten. Auf der Tagesordnung stehen gesellschaftliche Themen wie Klimagerechtigkeit und Kinderrechte. Den inhaltlichen Rahmen der Tagung sowie eines sich anschließenden Online-Bundesgottesdienstes bildet das Jahresthema „Dich schickt der Himmel“.

BEFG-Präsident Michael Noss blickt „gespannt auf eine neue Form von Bundesgemeinschaft“ bei der hybriden Konferenz: „Während wir gemeinsam wichtige Zukunftsthemen unserer Freikirche beraten, können sich gleichermaßen Delegierte in der Halle und Abgeordnete an ihren Laptops zu Hause engagiert mit Redebeiträgen und an den Abstimmungen beteiligen.“ Die positiven Erfahrungen mit dem ersten Online-Bundesrat im November 2021 machten hier Mut: „Die digitalen Medien erleichtern die Teilnahme, und gleichzeitig ist für alle, die das wollen, wieder die Gemeinschaft einer Präsenz-Konferenz möglich.“

Im Kern stehe bei der Konferenz der Auftrag der Christinnen und Christen in dieser Welt, so Michael Noss. „Das Motto ‚Dich schickt der Himmel‘ ist für uns Ansporn und Aufforderung, anderen Menschen etwas von der großen Hoffnung weiterzugeben, die wir aus unserem Glauben ziehen.“ So wird es beim Konferenzabend am 26. Mai um die Frage gehen, was es „für unsere Gesellschaft, für unser Land bedeutet, Gesandte des Himmels zu sein – auch im Hinblick auf die Begegnung von Geflüchteten und Einheimischen“, wie in der Ausschreibung zu lesen ist. Und der Konferenzabend am 27. Mai begibt sich unter der Überschrift „Vitale Gemeinde entwickeln“ auf eine „abwechslungsreiche Spurensuche, wie aus Zerbrochenem atemberaubend Neues entstehen kann, wie mutige Schritte die Perspektive einer Gemeinde beflügeln und wie unverhoffter Besuch deren Pulsschlag erhöht“.

„Besondere Kraft entfaltet sich oft dann, wenn sich Christinnen und Christen aus verschiedenen Ländern gemeinsam von Jesus Christus senden lassen“, ist Christoph Stiba überzeugt. Ein „eindrückliches Beispiel“ hierfür ist für den BEFG-Generalsekretär die Zusammenarbeit verschiedener Bünde der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) bei der Hilfe für die Betroffenen des Ukraine-Kriegs. „Ich freue mich sehr darüber, dass EBF-Generalsekretär Alan Donaldson unser Gast ist und im Himmelfahrtsgottesdienst darüber predigen wird, wie die Himmelfahrt als einer der Schlüsselmomente der Bibel nicht zuletzt auch unser Verständnis der Sendung Gottes prägt.“ Der Situation in der Ukraine und der Frage nach einer Friedensethik im Angesicht des Krieges ist am Donnerstagnachmittag eine Stunde im Bundesrat gewidmet.

„Zum Sendungsauftrag gehört auch ein verantwortungsvoller Umgang mit drängenden gesellschaftlichen Fragen“, so Christoph Stiba. „Deshalb werden wir uns im Plenum des Bundesrats am Freitag anderthalb Stunden mit der Frage befassen, wie wir als Freikirche nachhaltig handeln und einen Beitrag zur Klimagerechtigkeit leisten können.“ Zudem werde der Bundesrat über einen Antrag des Gemeindejugendwerks (GJW) beraten und abstimmen, der das Ziel hat, dass sich der BEFG für die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz ausspricht und einsetzt.

„Dich schickt der Himmel“ steht auch als Überschrift über dem dezentralen Eröffnungsabend am 25. Mai, über mehreren Bibelarbeiten am Donnerstag- und Freitagmorgen sowie über dem Bundesgottesdienst am 29. Mai ab 10 Uhr. Predigen wird Dr. Maximilian Zimmermann, der ab 1. September 2022 Professor für Systematische Theologie an der Theologischen Hochschule Elstal des BEFG wird. Dort studieren Fiona Waddell und Sebastian Rußkamp, die den Gottesdienst moderieren. Jan Primke und Band werden den Vormittag wie auch die ganze Bundesratstagung musikalisch gestalten.

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news-3186 Wed, 11 May 2022 16:18:10 +0200 Gottesdienst im Seniorenzentrum Elstal mit BEFG-Generalsekretär Thorsten Graff https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/gottesdienst-im-seniorenzentrum-elstal-mit-befg-generalsekretaer/ Der Generalsekretär des BEFG war am 5. Mai im Immanuel Seniorenzentrum Elstal zu Gast. BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba, war am 5. Mai 2022 im Immanuel Seniorenzentrum Elstal zu Gast. Unter dem Motto „Seid getrost, fürchtet euch nicht!“ feierte er mit 25 Bewohnerinnen und Bewohnern Gottesdienst.

In einer Zeit, die durch Ängste und Unsicherheiten geprägt ist, sprach der Pastor den Seniorinnen und Senioren Mut zu, den Kopf oben und Hoffnung und Zuversicht zu behalten. „Aber warum sollte ich Jesus mehr glauben als Olaf Scholz? Auch der Bundeskanzler sagt, dass die Regierung alles im Griff hat!“, so Stiba in seiner Predigt: „Von Ostern herkommend glauben und hoffen wir, dass der Auferstandene keine leeren Worte macht.“

Jeden ersten Donnerstag im Monat sind die Bewohnenden im Immanuel Seniorenzentrum Elstal zu einem gemeinsamen Gottesdienst eingeladen. Da sich die Altenpflegeeinrichtung auf einem gemeinsamen Campus mit verschiedenen Einrichtungen des Bundes der Baptisten- und Brüdergemeinden befindet, beteiligen sich an den monatlichen Gottesdiensten auch Pastorinnen und Pastoren aus der Bundesgeschäftsstelle, der Theologischen Hochschule, des Gemeindejugendwerks, der Zentrale der Missionsgesellschaft EBM International und der EFG Elstal.

Eine Gruppe von Theologie-Studierenden hat ebenfalls einen Gottesdienst mit den Seniorinnen und Senioren gefeiert. Im Gegenzug besuchen Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenzentrums regelmäßig die wöchentliche Campusandacht in der Theologischen Hochschule.

Das gute nachbarschaftliche Miteinander auf dem Campus kommt auch in der seelsorgerlichen Begleitung von Bewohnenden zum Ausdruck, die Studierende der Hochschule im Rahmen eines Praktikums und einer Lehrveranstaltung übernehmen. Dabei angeleitet und supervisorisch begleitet werden sie von Pastor Thorsten Graff, Leiter des Konzernbereichs Seelsorge-Theologie-Ethik der Immanuel Albertinen Diakonie und Lehrbeauftragter der Theologischen Hochschule Elstal für Heimseelsorge.

Zwischen dem BEFG und der Immanuel Albertinen Diakonie besteht eine enge Verbindung, insofern die beiden Gesellschafterinnen der Immanuel Albertinen Diakonie, die EFG Berlin-Schöneberg und die Albertine Assor Stiftung, zum BEFG gehören.

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news-3182 Thu, 05 May 2022 10:33:12 +0200 Ostern in der Ukraine Ukrainischer Baptistenbund https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/ostern-in-der-ukraine/ Der ukrainische Baptistenbund verschickt regelmäßig Lageberichte aus den Gemeinden in den vom Krieg betroffenen Regionen. Das aktuelle Update ist vom 29. April. Der ukrainische Baptistenbund verschickt regelmäßig Lageberichte aus den Gemeinden in den vom Krieg betroffenen Regionen. Das aktuelle Update ist vom 29. April – fünf Tage nach dem ukrainischen Osterfest –  und schildert die Situation der Menschen in Irpin, Myroniwskyj und Mykolajiw sowie in den Regionen Luhansk, Tschernihiw und Tscherkassy.

Feier- und Wochentage der Irpin Bibel Gemeinde

Bis zu 70 Freiwillige leben, essen und arbeiten im Kirchengebäude in Irpin. Jeden Abend sprechen sie über das, was sie am Tag erlebt haben, gefolgt von Fürbitte und Dankgebet.

Jeder von ihnen hat seinen eigenen Arbeitsbereich: Ein Team von Bauarbeitern geht zu den beschädigten Häusern, um die zerbrochenen Fenster abzudecken und Dächer und Türen zu reparieren. Sie helfen den Besitzern auch dabei, die übriggebliebenen Dinge aus dem halb verbrannten oder halb zerstörten Haus oder der zerstörten Wohnung zu holen. Wenn die Mittagszeit naht, liefern die Freiwilligen warmes Essen an die Streit- und Verteidigungskräfte. ###3_IMAGES###Tagsüber kommen die Menschen in die Kirche, um Kleidung zu waschen und zu trocknen, ihre Telefone aufzuladen, und dringend Notwendiges wie Gemüse, Kleidung und elementare Baumaterialien zu besorgen. Jeden Morgen und jeden Abend sind die Bürger und Bürgerinnen zum Gebet eingeladen. Pastoren und Diakone warten darauf, zuzuhören und einfach da zu sein. Wir beten, dass die Kirche ihren Dienst ausweiten kann, um das Leben in der Stadt wiederherzustellen, zur geistlichen Erweckung und emotionalen Heilung beizutragen und die älteren Menschen zu unterstützen, die während des Krieges in der Stadt geblieben sind.

Entlang der Frontlinie in der Region Donezk überfüllte Gottesdienste

Das Dorf Myroniwskyj in der Region Donezk befindet sich seit acht Jahren in der Nähe der Frontlinie. Die Nöte des Krieges bringen die Menschen dazu nach Gott zu fragen und in die Kirche zu gehen. ###3_IMAGES###Dort finden sie Akzeptanz und Unterstützung. „Es ist so wertvoll in der Gemeinde zusammen zu sein“, sagt der örtliche Missionar Ilya Natalchenko und erinnert sich an das Osterfest: „Das war das beste Ostern meines Lebens. Es kamen so viele Leute, dass der Platz nicht ausreichte.“

Viele Einwohner aus Mykolajiw sind geflohen

Ungefähr 40 % der Einwohner von Mykolajiw haben die Stadt wegen der andauernden Angriffen der russischen Truppen verlassen. Die Stadt bereitet sich auf die Belagerung durch die Russen vor. Am Vorabend von Ostern waren den ganzen Tag Explosionen zu hören - an der Grenze zur Region Cherson fanden Kämpfe statt. ###3_IMAGES### Aber in allen Kirchen der Region um Mykolajiw, die zum von der Ukraine kontrollierten Gebiet gehört, haben Gottesdienste stattgefunden. Die Gemeinden dienen Gott und den Menschen in dieser schwierigen Zeit. Sie brauchen Gebetsunterstützung, denn die Bedrohung hier bleibt groß – die Russen versuchen, näher an Mykolajiw heranzukommen und beschießen die Stadt weiter.

In der Region Luhansk fanden wegen Beschuss keine Sonntagsgottesdienste statt

Der Bischof der Kirchen des Gebiets von Luhansk, Gennady Shulzhenko, berichtet, dass die Gemeinden am Ostersonntag keine Gottesdienste feiern konnten. Diejenigen, die noch am Abend geplant hatten, sich zu treffen, konnten am nächsten Morgen wegen des schweren Beschusses nicht zu ihren Kirchengebäuden kommen. Nur eine Kirche konnte den Ostergottesdienst abhalten - in Lyssytschansk.###3_IMAGES### Es ist eine schwere Zeit: Viele haben nur noch begrenzte Ressourcen und die Mehrheit der Bevölkerung wurde vertrieben. Diejenigen, die zurückbleiben, verteilen humanitäre Hilfe, besuchen die Menschen, die in den Kellern Zuflucht gesucht haben und helfen, wenn möglich, allen Bedürftigen.

In der Region Tschernihiw kommen neue Menschen in die Kirche

Obwohl die öffentlichen Verkehrsmittel in Tschernihiw noch nicht in Betrieb sind, wird die Kirche von vielen Menschen besucht. Die zweite Kirche von Tschernihiw hat 75% Nicht-Gemeindemitglieder in der Kirche. Der Teil des Gottesdienstraums, bei dem ein Projektil direkt die Fensterbank getroffen hat, wurde noch nicht repariert.###3_IMAGES###Hier beteten an Ostern acht Menschen das Bußgebet. Ebenfalls an diesem Tag versammelten sich 45 Menschen zum Gottesdienst im Dorf Dniprovske in der Region Tschernihiw, 15 von ihnen nahmen Christus in ihre Herzen auf.

Dorfbewohner helfen beim Wiederaufbau der Städte

Die Ukrainer und Ukrainerinnen wissen noch nicht, wie es nach dem Krieg mit dem Wiederaufbau weitergehen soll. Und obwohl der Krieg noch nicht zu Ende ist, wollen wir alle die Ukraine jetzt schon wiederaufbauen und voranbringen – mit den kleinen Möglichkeiten, die wir haben. ###3_IMAGES###Baptisten aus dem Dorf Buzivka in der Region Tscherkassy haben sich einem freiwilligen lokalen Feuerwehrteam angeschlossen, um beim Wiederaufbau der Vororte von Kiew zu helfen. Diese Gruppe kam auf Einladung der Stadtverwaltung nach Irpin und arbeitet dort seit mehreren Tagen. Sie beseitigen die Folgen der Zerstörung von Verwaltungs- und Privatwohnungen.

Einwohner von Lwiw verteilen Osterbrote in Butscha und Hostomel

Freiwillige aus Lwiw verteilten 600 Osterbrote an die Einwohner von Hostomel und Butscha. Von morgens bis abends gaben sie das Evangelium an die Menschen weiter, bezeugten Christus und riefen dazu auf, sich an Gott zu halten. ###3_IMAGES###Gryhoriy Ryasnyi, Pastor der Hoffnungskirche in Lwiw, sagte, dass viele Menschen immer noch in Kellern leben. Die Straßen sind leer. Anwohner hängen ein weißes Taschentuch mit ihrer Telefonnummer am Tor auf und warten im Keller auf Hilfe. Die Leute sagen: „Wir haben Angst, dass es jetzt Beschuss gibt.“ Sie sind sehr verängstigt von den Schrecken, die sie erlebt haben.

Dies war die zweite Tour der Lwiwer. Baptisten brachten den Menschen Gasflaschen, Medikamente, Generatoren, Mobiltelefone und ukrainische Lebensmittel.

Viele Gemeindefremde in der Kirche bei Charkiw

Am Sonntag konnte in der Kirche von Merefa, 20 Kilometer von Charkiw entfernt, gemeinsam die Auferstehung Christi gefeiert werden. Gott sei Dank war es der Gemeinde möglich, sich trotz der schwierigen Zeit zu versammeln. ###3_IMAGES###Der Saal war voller Menschen, und viele Gemeindefremde aus der Gegend haben nun begonnen, regelmäßig in die Kirche zu kommen, um Trost in Gottes Wort und Gemeinschaft mit Christen und Christinnen zu suchen. Nach dem Gottesdienst gab es ein Kirchencafè. Alle Kinder bekamen Süßigkeiten geschenkt.

Ostergottesdienste in der Region Cherson

Am Sonntag versammelten sich die Gemeinden der Region Cherson trotz der vorübergehenden Besetzung, um gemeinsam zu dienen, den auferstandenen Erlöser zu verherrlichen und sich gegenseitig zu ermutigen. Selbst in den unter Beschuss stehenden Siedlungen an der Front fanden Treffen statt.###3_IMAGES### Brüder und Schwestern versammelten sich zu Hause bei Gemeindemitgliedern, hörten Gottes Wort und sangen Lob- und Hoffnungslieder. Einschüchterung und Provokation konnte den Christen und Christinnen die Freude an der Auferstehung nicht nehmen.

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news-3180 Fri, 29 Apr 2022 13:14:29 +0200 Gottes Wort – die Bibel Prof. Dr. Carsten Claußen, Professor für Neues Testament an der Theologischen Hochschule Elstal https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/gottes-wort-die-bibel/ „Das lebendige Wort Gottes, das ist nicht nur die Bibel, sondern vor allem Jesus Christus selbst“, schreibt Prof. Dr. Carsten Claußen über den Abschnitt „Gottes Wort – die Bibel“ in der RvG. Die Rechenschaft vom Glauben (RvG) stellt den Abschnitt „Gottes Wort – die Bibel“ an das Ende des ersten großen Hauptteiles und betont: Das lebendige Wort Gottes, das ist nicht nur die Bibel, sondern vor allem Jesus Christus selbst.

Zu Beginn des ersten Hauptteils der RvG geht es um „Gottes Offenbarung in Jesus Christus“, am Ende um das lebendige Wort Gottes. Wie jedoch die zahlreichen Verweise auf Bibelstellen am Seitenrand belegen, geht es von Anfang an und bis zur letzten Zeile der RvG um Aussagen, die von der Bibel her gedacht und formuliert werden, die im biblischen Text ihre Grundlage haben. Damit wird durchgängig der enge und unauflösbare Zusammenhang von Heiliger Schrift und Bekenntnis gewahrt, auch in den vier kurzen Absätzen zum Wort Gottes. Wer in diesem letzten Abschnitt jedoch eine unmittelbare Gleichsetzung von Wort Gottes und Bibel erwartet, der oder die wird zunächst überrascht sein. Denn auch dieser letzte Unterabschnitt setzt mit Jesus Christus ein: „Jesus Christus ist Gottes Wort in Person an uns Menschen.“ Wie ist das gemeint?

Jesus Christus als Gottes Wort

Deutlich zeigen sich hier theologische Überzeugungen, die der Schweizer Theologe Karl Barth (1886–1968) formuliert hat. Er spricht von der dreifachen Gestalt des Wortes Gottes. Das Wort Gottes ist erstens: Jesus Christus (vgl. Joh 1,1ff.); zweitens: die Bibel des Alten und Neuen Testaments und drittens: die Verkündigung (vgl. 2 Tim 3,16f.). Von diesen dreien ist nur Jesus Christus die unmittelbare Offenbarung Gottes. Die Heilige Schrift und die christliche Verkündigung, wie sie zum Beispiel in der Predigt geschieht, beziehen sich auf ihn. Die RvG betont, dass Gott sich in Jesus Christus „umfassend und vollgültig offenbart“ hat. Das heißt streng genommen: Wir Menschen müssen für unser Heil nicht mehr wissen und glauben, als Gott uns durch Jesus Christus offenbart hat. Die Reformatoren haben dies mit dem lateinischen Begriff solus Christus = allein Christus auf den Punkt gebracht. Doch woher wissen wir genug über Christus?

Das Neue Testament als grundlegendes Zeugnis

Der zweite Unterabschnitt widmet sich den Schriften des Neuen Testaments. Die ersten Zeugen des Lebens und Wirkens Jesu Christi, jene Jünger und Jüngerinnen, die auch die Kreuzigung erlebt haben und die dem Auferstandenen begegnet sind, haben davon weitererzählt. „Unter der Leitung des Heiligen Geistes“ haben Christen und Christinnen der ersten frühchristlichen Generationen später aufgeschrieben, was sie gehört und gesehen haben. Ihnen und dem Wirken des Geistes Gottes verdanken wir das Neue Testament, das „durch keine nachfolgende christliche Verkündigung und Lehre ergänzt und überboten werden kann“. Die Reformation prägte dafür den Begriff sola scriptura = allein die Schrift. Doch was ist dann mit dem Alten Testament?

Christus und das Alte Testament

Die RvG sieht das Alte Testament vor allem als Zeugnis über „Gottes Geschichte mit seinem Volk Israel und Gottes Willen für alle Menschen“. Der Weg zum Verständnis des Alten Testaments führt dabei über das Christuszeugnis des Neuen Testaments. Zugespitzt endet der Abschnitt mit einer christologischen Zentrierung der ganzen Bibel: „Das Evangelium vom gekreuzigten, auferstandenen und kommenden Herrn Jesus Christus ist die Mitte des Neuen Testaments und damit der ganzen Heiligen Schrift.“ Ganz entsprechend lesen und verstehen auch die neutestamentlichen Autoren das Alte Testament von Christus her und auf ihn hin. Im Lichte der 2019 vorgenommenen Änderungen des vorangehenden Abschnittes „Das Volk Israel und die Gemeinde Jesu Christi“ würde ein Hinweis auf die Verbindung von Christentum und Judentum durch die hebräischen Texte des Alten Testaments der RvG jedoch sicher guttun. Auch wenn Christen und Juden viele Texte des Alten Testaments unterschiedlich auslegen, so sind sie durch den Glauben an den einen Gott und etwa durch die Schöpfungserzählungen oder die Zehn Gebote miteinander verbunden. Damit ist bereits die dritte Perspektive des Wortes Gottes berührt: die Verkündigung durch Menschen.

Gottes Wort in Menschenmund

Die neutestamentlichen Texte sind von konkreten Menschen in der Zeit von der Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr. bis etwa zur Mitte des zweiten Jahrhunderts niedergeschrieben worden. Die ältesten Texte, die Paulusbriefe, entstanden wohl in den fünfziger Jahren und wurden auf Griechisch verfasst. Für die Evangelien, verfasst wohl ab der Zeit um 70 n. Chr., wurden die von Jesus ursprünglich in seiner aramäischen Muttersprache erzählten Sprüche und Geschichten ins Griechische übersetzt. So hatten die biblischen Texte von Anfang an mit der Kunst des Übersetzens zu tun. Übersetzungen erfolgten jedoch nicht nur in immer weitere Sprachen, sondern bis in die Gegenwart hinein in viele Kulturen und neue Denkhorizonte. Damit jedoch der ursprüngliche Sinn der Texte deutlich bleibt, bedarf es der sprachlich präzisen Übersetzung und der geschichtlichen Erforschung der Bibeltexte. Doch damit ist es weder für die ursprünglichen Übersetzer von aramäischen Jesusworten noch für heutige historisch kundige Menschen getan. Am Rande des Textes der RvG findet sich ein Hinweis auf 2. Timotheus 3,16. Hier steht, dass die Heilige Schrift theopneustos ist. Dieses griechische Wort findet sich im ganzen Neuen Testament nur an dieser Stelle. Es heißt wörtlich soviel wie „von Gott durchgeistet“ oder „vom göttlichen Geist durchweht.“ Gemeint ist, dass ein und derselbe Geist Gottes, damals wie heute, durch die biblischen Worte hindurchweht. Dieses lebendige Geisteswehen führt dazu, dass Menschen immer wieder neu erfahren, womit der Abschnitt in der RvG endet: „Die Bibel lebt, denn Gott redet durch sie.“

Einladung zum Weiterdenken

1. Gibt es einen Vers oder einen Bibeltext, durch den Gottes Geist dir besonders entgegenweht?

2. Hast du eine Bibelübersetzung, die dir durch ihre Sprache besonders nahe ist?

3. Manchmal helfen auch fremdsprachige Übersetzungen dem Verständnis der Bibeltexte. Hast du schon einmal eine englische, französische o.a. Bibel ausprobiert?

4. Vielleicht magst du einmal allein oder mit anderen zusammen die Bibelverse am Rand dieses Abschnittes in der RvG durchgehen. Welche Inhalte und Themen berühren sich hier?

Erschienen in: Die Gemeinde 10/2022, S. 14-15.

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news-3179 Thu, 28 Apr 2022 14:10:05 +0200 Schmerz in Segen verwandeln Helle Liht https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/schmerz-in-segen-verwandeln/ Helle Liht von der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) und Rachel Conway-Doel von BMS World Mission waren vom 9. bis 13. April Lwiw in der Ukraine. Helle Liht, Assistentin des Generalsekretärs der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF), und Rachel Conway-Doel, Übersee-Teamleiterin von BMS World Mission, besuchten vom 9. bis 13. April Lwiw in der Ukraine. Dort trafen sie sich mit Vertreterinnen und Vertretern des ukrainischen Baptistenbundes. Helle Liht hat ihre Eindrücke von dem Aufenthalt beschrieben.

Lwiw hat viele Gesichter. Es ist eine wunderschöne Stadt mit reicher Geschichte, majestätischer Architektur, eleganten Cafés und einer fröhlichen Atmosphäre. Die Ukrainer und Ukrainerinnen nennen es die Hauptstadt des Kaffees, der Schokolade und der Straßenmusik. All das erleben wir, als Rachel und ich am Sonntagnachmittag durch die Altstadt von Lwiw spazieren. Die Menschen freuen sich an den ersten Frühlingsboten auf den Straßen von Lwiw: Männer spielen Schach auf einer Parkbank. Kinder klettern auf ein Denkmal auf dem Stadtplatz. Freundinnen und Freunde treffen sich in Cafés. Frauen verkaufen Blumen auf den Straßen. Musiker in bunter Kleidung treten vor vielen Menschen auf. Es ist schwer vorstellbar, dass nicht weit von hier Raketen fliegen, Häuser bombardiert werden und den Menschen Nahrung, Wasser und ein sicherer Ort fehlen. Lwiw ist friedlich. Lwiw ist schön.
Die Realität des Krieges wird mir bewusst, als mitten in der Nacht die Luftsirenen heulen und die Hotelgäste zum Luftschutzkeller auf der anderen Straßenseite geführt werden. 45 Minuten in einem kalten und feuchten Keller auf einem quietschenden Stuhl zu sitzen, lässt mich an Menschen denken, die tagelang in einer solchen Umgebung verbringen müssen, um sicher zu sein.

Andere Hinweise auf den Krieg sind die mit Metall oder Sperrholz verkleideten Kirchenfenster und Sandsäcke, die um Skulpturen gestapelt sind. Die Menschen in Lwiw sind stolz auf ihre Kunst und Kultur und haben sich gemeinsam bemüht, sie vor der Zerstörung zu bewahren.
Obwohl mich diese wenigen Zeichen daran erinnern, dass hinter der nächsten Ecke eine potenzielle Bedrohung lauert, bringen mir nur die Gespräche mit den Menschen die Schrecken des Krieges ins Bewusstsein.
Wir treffen uns mit den Menschen der Lwiwer Kirchen und den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Ukrainischen Baptistenbundes. Jede dieser Personen hat ihre eigene schmerzhafte Geschichte mit dem Krieg. Das Zuhause musste verlassen werden – manchmal sogar schon zum wiederholten Male, wenn die Menschen bereits von der Krim oder aus den Regionen Luhansk und Donezk geflohen waren. Trennung von der Familie. Zerstörung von Kirchengebäuden. Kein Ort, an den man zurückkehren kann. Familienmitglieder werden ohne Garantie für ihre Sicherheit in besetzten Gebieten festgehalten. Verwundete und sterbende Menschen auf den Straßen. Flucht vor den Bomben.
Keine dieser Erfahrungen kann angemessen in Worte gefasst werden, aber der Schmerz ist in ihren Augen sichtbar, während wir sprechen. Der Schmerz, der tief im Inneren sitzt und für den es keine vernünftige Erklärung gibt, abgesehen davon, dass das absolut Böse versucht, um sich zu greifen. Das Böse macht niemals Sinn.
Doch in den Augen und Worten dieser Menschen liegt etwas Stärkeres und Mächtigeres als der tiefe Schmerz. Das ist der Glaube an und die Hoffnung auf den auferstandenen Christus. Ukrainische Baptisten sind wirklich Ostermenschen in einer Karfreitagswelt. Es ist dieser Glaube und diese Hoffnung, die es ihnen ermöglichen, ihren eigenen Schmerz in einen Segen für andere zu verwandeln.
Die berühmten Worte „Mache Schmerz zu deinem Lehrer und nicht zu deinem Herrn“ kommen mir in den Sinn, wenn ich ihre Geschichten höre. Ukrainische Baptisten lassen sich nicht von ihrem Schmerz überwältigen und Wut, Bitterkeit und Rache produzieren. Sie haben diesen Schmerz eingeladen, ihr Lehrer zu sein, damit sie den Schmerz anderer verstehen und sich ihm öffnen können. Tausenden von Menschen wird mit Nahrung und Unterkunft geholfen und noch mehr mit einem freundlichen Wort, unterstützendem Gebet und Hoffnung für die Zukunft. All dies geschieht in der Kraft Gottes und im Namen des auferstandenen Christus.
Христос воскрес! Воістину воскрес!
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

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news-3172 Sun, 17 Apr 2022 15:18:00 +0200 Christen und Juden Dr. Michael Rohde, Pastor der EFG Hannover-Walderseestraße und Leiter des BEFG-Fachkreises Christen und Juden https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/christen-und-juden/ Wie stehen Christen zu Juden? Der Abschnitt zum Verhältnis von Israel und Gemeinde zeigt: Christen und Juden sind in einer Hoffnungsgemeinschaft verbunden. Wie stehen Christen zu Juden? Nach der Mitschuld von Christen an der Schoah, dem millionenfachen Mord an Juden, keine einfache Frage. Der Abschnitt zum Verhältnis von Israel und Gemeinde zeigt: Christen und Juden sind in einer Hoffnungsgemeinschaft verbunden.

Zwei Größen setzt dieser Abschnitt der Rechenschaft vom Glauben (RvG) in Beziehung: Das Volk Israel als eigene Größe und seine Bedeutung aus der Perspektive des christlichen Glaubens. Das „wir“ im Text ist daher meistens „wir Baptisten“ (oder Christen) und nicht „wir Christen und Juden“. Doch die die Worte stellen keinen Gegensatz auf, sondern verbinden beide Gruppen miteinander.

Erwählt

Allein der erste Abschnitt spricht viermal von der Erwählung des Volkes Israels. Gott hat dieses Volk auserwählt. Der Erwählungsvorgang aus allen Völkern ist einzigartig, verbunden mit Abraham (1 Mose 12,1-3) und ein Ausdruck der großen schöpferischen Macht Gottes. Gottes Liebe zu allen Völkern findet ihren besonderen Ausdruck im Bund mit diesem besonderen Volk. Hosea 11,1-9 gilt gewissermaßen als das „Hohelied der Liebe“ im Alten Testament: Der Prophet beschreibt, wie Gott immer an der Berufung Israels festgehalten hat, auch wenn das Volk nach Zeugnis der Schrift in einzelnen Situationen untreu gewesen ist. Die Erwählung Israels hat eine leuchtende Funktion: Nach Jesaja 49,6 ist Israel wie ein helles Licht, das die ganze Völkerwelt erhellt. Israel wird zum Segen für alle Völker. Das ist ein andauernder Vorgang, der noch nicht abgeschlossen ist.

Zeichen der Treue Gottes

Die alltägliche Diskriminierung und der millionenfache Mord an Juden ist besonders in der Geschichte des deutschen Volkes eine schwerwiegende Erfahrung von Schuld und Versagen von Christen und anderen Menschen gegenüber Juden. Dass bis in die Gegenwart das Volk der Juden existiert deutet die RvG zusammen mit anderen als „Zeichen der Treue und Barmherzigkeit Gottes“. Gott hat sich immer wieder zu seinem Volk gestellt, auch als es gefährdet war.

Ungekündigter Bund

Paulus schwärmt in 2. Korinther 3 geradezu von dem „neuen Bund“, den er im Glauben an Jesus Christus gefunden hat. Paulus wird zum Völkerapostel, der von der „Herrschaft der Gnade für alle Menschen“ predigt. Die RvG hält dabei unmissverständlich fest, dass Gott „seinen Bund mit Israel nicht aufgekündigt hat“. Die Erwählung und Berufung, von der schon im ersten Abschnitt des Textes die Rede war, bleibt bestehen. Damit soll unbedingt eine Fortsetzung der Diskriminierung und Ächtung von Juden durch Christen ausgeschlossen werden. Das Volk Israel und die Gemeinde Jesu Christi haben kein negatives, sondern ein positives, verbindendes Verhältnis zueinander.

Jesus Christus

Als Erkenntnis von Christen wird Jesus Christus „Heiland der Welt“ bekannt und auch der „Messias für Israel“. Als Fachkreis Christen und Juden im BEFG haben wir den Text der RvG auch mit dem Rabbiner Dr. Gabor Lengyel (Hannover) diskutiert. Der Rabbiner hat einerseits stark anerkannt, dass der Text respektvoll vom Volk Israel spricht. Andererseits sei „sehr viel von Jesus“ die Rede, so der Rabbiner. Das sei nicht zu übersehen.  Wir Christen müssen die eigenen Grundüberzeugungen also nicht verbergen, wenn wir Juden respektvoll begegnen wollen, auch – und vielleicht gerade nicht – wenn ein Gespräch über den Glauben geführt wird. Die biblischen Texte bringen die Verschiedenheit und zugleich Verbundenheit von Israel als Volk Gottes und der Gemeinde Jesu zum Ausdruck – und so tastet sich auch der dogmatische Text der Rechenschaft entsprechend vor. Jeremia 31,31-34 ist die einzige Stelle, in der im Alten Testament vom „neuen Bund“ die Rede ist. Dieser Abschnitt ist zugleich das ausführlichste Zitat im Neuen Testament. Nach Jeremia gilt der „neue Bund“ gerade dem Volk Israel selbst und ist ein Geschenk Gottes. Daher ist dies ein erneuerter Bund. Bei der Überarbeitung des Abschnittes 2019 wurde übrigens die Überschrift geändert, in der noch vom „alten Bund“ die Rede war.

Verheißung

Die ersten Verheißungen und großen Versprechen Gottes galten alle dem Volk Israel. Dies ist eine historische Reihenfolge und auch eine theologische Rangfolge. Israel ist das Volk der Verheißung. Die Tora beginnt nach der Urgeschichte mit der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Menschen, die Jesus Christus nachfolgen, nehmen diese Verheißung Israel nicht weg oder lösen sie ab, sondern bekommen Anteil an den Verheißungen Gottes. Wenn ich mir das Verhältnis von Israel als Volk Gottes und der Gemeinde Jesu Christi klarmache, dann sehe ich einen inneren Kreis, und den bildet zunächst das erwählte Volk Israel. Dieser Kreis wird durch die Nicht-Juden, die an Jesus Christus glauben, erweitert. Der Kreis wird größer. Christen glauben, dass diese „Erweiterung“ durch die unsichtbare Mitte, durch Jesus Christus möglich wird. Gott ruft und sammelt Juden und Menschen aus anderen Völkern zu einem Volk Gottes. Schon der Prophet Micha sieht diese Sammlungsbewegung wie eine Völkerwallfahrt zum Gottesberg Zion (Mi 4,1-4).

Hoffnungsgemeinschaft

Der ganze erste Teil der Rechenschaft vom Glauben handelt von der Aufrichtung der Herrschaft Gottes. Wie sieht Gottes neues Reich aus? Israel hofft mit den Worten der alten Propheten auf eine endzeitliche Gottesherrschaft. Der Prophet Daniel sieht beispielsweise, wie Menschen aller Völker und Sprachen Gott dienen und ein ewiges Königreich beginnt (Dan 7,13-14). Auch die Gemeinde Jesu wartet voller Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu Christi und so auf diese neue, ewige Herrschaft. Christen glauben zwar, dass dieses Königreich bereits mit Jesus Christus angefangen hat, aber es ist noch nicht perfekt und vollkommen da. „Die Gemeinde Jesu Christi erwartet gemeinsam mit dem Volk Israel ihre volle Verwirklichung.“ Dieser Schluss des Abschnitts setzt einen bedeutenden und starken Ton. Christen und Juden sind eng verbunden in einer Hoffnungsgemeinschaft. Der Weg der Hoffnung ist unterschiedlich, aber das Ziel ist gemeinsam: Ewige Gemeinschaft mit Gott.

In leichter Sprache

In der Ausgabe 02/2020 der Zeitschrift HERRLICH habe ich den Text der Rechenschaft vom Glauben in eine „einfache Sprache“ übersetzt. Der Abschnitt kann als Gesprächseinstieg und Hilfe dienen. Das ganze Heft steht kostenlos zum Download auf der Homepage des GJW zur Verfügung und ist auch auf der Internetseite des Fachkreises zu finden.

Einladung zum Weiterdenken

Erfahrungen: Wie sind Sie bisher Jüdinnen und Juden begegnet? Von welchen persönlichen Kontakten oder Erfahrungen können Sie erzählen?

Haltung: Wie ist es möglich respektvoll mit anderen zu sprechen und zugleich zu seinem eigenen Glaubensbekenntnis zu stehen? Welche Grenzüberschreitungen sind auf beiden Seiten möglich?

Bibel: Wenn Sie Hosea 11,1-9 und Micha 4,1-4 gemeinsam lesen – welches Gottesbild entsteht durch diese Texte?

Gottesdienstpraxis: Begehen Sie in Ihrer Gemeinde den Israelsonntag? Warum ja, warum nicht? Wie wäre es die neuste Handreichung dafür zu nutzen?

Provokant: Inwiefern gehört für Sie als Kennzeichen einer christlichen Gemeinde, sich zu den jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens zu bekennen und Juden gegen Antisemitismus zu schützen?

Erschienen in: Die Gemeinde 09/2022, S. 14-15.

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news-3173 Wed, 13 Apr 2022 13:01:00 +0200 Irma Popkes wird 90 Julia Grundmann https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/irma-popkes-wird-90/ Irma Popkes feiert am 13. April ihren 90. Geburtstag. Irma Popkes feiert am 13. April ihren 90. Geburtstag. Sie hat jahrzehntelang im Archiv des BEFG und der Bibliothek des Theologischen Seminars gearbeitet.

Eigentlich lag die Ausgabe und Verwaltung der Bücher und Zeitschriften in der Bibliothek seit den 1970er-Jahren in den Händen von Studenten-Ehefrauen. Da diese Mitarbeiterinnen aber – wenn der Mann sein Studium beendet hatte – nach wenigen Jahren wieder ausschieden, war keine Kontinuität in dieser Arbeit gewährleistet. Deshalb wechselte Irma Popkes, die bis dahin im Oncken-Archiv des BEFG tätig war, 1978 in die Bibliothek, die sie dann viele Jahre lang bis 1998 betreute. In dieser Zeit war auch Prof. Dr. Wiard Popkes, ihr Ehemann, als Dozent für Neues Testament am Seminar tätig. „Beide haben – gerade auch als Ehepaar – die Atmosphäre am Seminar in guter Weise geprägt“, sagt BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba, der Irma Popkes während seines Theologiestudiums in Hamburg als „treue Seele der Bibliothek“ erlebt hat. „Irmi Popkes ist ein absoluter Beziehungsmensch. Sie kannte alle Studenten und später auch Studentinnen persönlich, hatte immer ein offenes Ohr und war eine geschätzte Gesprächspartnerin auch bei Themen jenseits des Studienalltags.“ Auch Irma Popkes selbst denkt gerne an diese Arbeit zurück: „Ich habe das wirklich genossen und sehr gern gemacht“, erinnert sie sich. „Als dann nach und nach Zettelkästen und Schreibmaschine dem Computer weichen mussten, habe ich aufgehört“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Nicht jedoch, bevor sie mit weit über 60 Jahren den Umzug der gesamten Bibliothek von Hamburg nach Elstal organisiert hatte. Am 13. April wird Irma Popkes 90 Jahre alt.

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news-3175 Tue, 12 Apr 2022 18:42:23 +0200 Der Tyrannei Hoffnung und Taten entgegensetzen Dr. Michael Gruber https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/der-tyrannei-hoffnung-und-taten-entgegensetzen/ Die VEF verurteilt „den völkerrechtswidrigen Krieg, der unermessliches Leid hervorgebracht hat“, beklagt die humanitäre Katastrophe und betont zugleich: „Bei der Klage bleiben wir nicht stehen!“ Die Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) hat in ihrer Online-Sitzung am 12. April eine Stellungnahme zum Krieg in der Ukraine verabschiedet. Darin verurteilen die Freikirchendelegierten „den völkerrechtswidrigen Krieg, der mittlerweile seit Wochen tobt und unermessliches Leid hervorgebracht hat“. Sie drücken ihre Bestürzung über die humanitäre Katastrophe aus und betonen zugleich: „Bei der Klage bleiben wir nicht stehen!“

„Mit unserer Stellungnahme wollen wir Hoffnungszeichen aufzeigen, die wir in unserer Gesellschaft sehen und die wir als Christinnen und Christen setzen“, so VEF-Präsident Christoph Stiba. So könnten Gebet und Engagement viel bewirken: „Angesichts der neuen russischen Großoffensive in der Ostukraine beten wir weiter für Frieden. Wir beten für die Kriegstraumatisierten, die in Butscha, Kramatorsk und an vielen anderen Orten Schreckliches erleben mussten. Wir beten für die Ärmsten der Armen in anderen Ländern, die von den wirtschaftlichen Folgen betroffen sind.“

„Für die große Solidarität und das gesamtgesellschaftliche Engagement für die Geflüchteten sind wir sehr dankbar“, erklärte Stiba. Dazu heißt es in der Stellungnahme: „Diese Zeichen der Menschlichkeit machen Mut! Wir werden uns hier weiterhin einbringen, um der Tyrannei etwas entgegenzusetzen und Zeichen der Hoffnung zu setzen.“ Ebenso hebt die Stellungnahme unter Bezugnahme auf die friedensethische Orientierungshilfe der VEF aus dem Jahr 2015 das Engagement der Freikirchen für Frieden hervor: „Wir engagieren uns auch in der Friedensarbeit und beteiligen uns an der gesellschaftlichen Debatte darüber, mit welchen Mitteln Frieden geschaffen und gesichert werden kann.“

Auch in der aktuellen Lage sei es den Freikirchen wichtig, sich für Gleichheit einzusetzen, wie der VEF-Beauftragte am Sitz der Bundesregierung, Konstantin von Abendroth, in der Sitzung hervorhob: „Wir wenden uns gegen die Diskriminierung von Geflüchteten, die wegen ihrer Ethnie, Herkunft oder Religion schlechter behandelt werden als andere Geflüchtete. Jeder Mensch hat das Recht, vor Kriegshandlungen geschützt zu werden, und in Deutschland müssen alle Geflüchteten auch gleichbehandelt werden“, so von Abendroth. „Wir beten auch für unsere Gesellschaft, dass sie Ausdauer zeigt im Einsatz für die Geflüchteten. Daran wollen wir als Freikirchen uns weiterhin beteiligen.“

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news-3166 Fri, 01 Apr 2022 10:26:33 +0200 Schöpfung Michael Freitag, Pastor i.R. und bis 2019 Leiter des Referats für Theologie und Jugendforschung bei der Evangelischen Jugend in Deutschland https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/nachrichten/artikel/schoepfung/ Was sagt die „Rechenschaft vom Glauben“ zum Thema „Gottes Schöpfung“? Die „Rechenschaft vom Glauben“ entspricht in diesem Artikel bestimmten theologischen Erkenntnissen ihrer Zeit. Die zeitgenössischen Fragestellungen haben sich allerdings in Gesellschaft und Gemeinde inzwischen zu Recht geändert.

Der Abschnitt „Gottes Schöpfung“ folgt im Prinzip einem sehr präzisen und einleuchtenden Strukturschema, das insbesondere die altprotestantischen Dogmatiken, aber auch spätere Glaubenslehren verwandt haben.

1. Gott hat die Welt aus dem Nichts erschaffen (Creatio mundi ex nihilo).

Gemeint ist: Gott hat nicht irgendetwas benutzt, um die Schöpfung zu schaffen – z.B. irgendeine Form vorhandener Ur-Materie oder Energie –, sondern seine Schöpfung ist voraussetzungslos. Das, was „vorhanden“ ist, ist ausschließlich Gott selbst mit seiner Liebe und Güte. Diese Liebe drängt ihn dazu, sich mit der Schöpfung und dem Menschen ein Gegenüber zu schaffen, mit dem er Gemeinschaft und ein „Liebesverhältnis“ haben kann.

Aufmerksame Leser und Leserinnen werden möglicherweise über die Formulierung „im Glauben an Jesus Christus erkennen wir“ stolpern. Zu Recht: Denn Gott offenbart sich nach biblischem Zeugnis auch in der Herrlichkeit und Abgründigkeit seiner Schöpfung. „Gott offenbart sich überall, im Sonnenschein und Regen“ haben wir in der Jugendarbeit der 80er Jahre gesungen. Und zeitgenössische Zugänge zu „Gott“ sind durchaus oft über die Natur und über das Staunen angesichts der Schönheiten der Schöpfung und der Unfassbarkeit des Universums vermittelt. Die Formulierung hat aber ihren tiefen Sinn: Nur durch die Christusoffenbarung ist das Wesen der Schöpfung, nämlich ihre Erlösungsbedürftigkeit und das Ziel ihrer Vollendung in der neuen Schöpfung am Ende aller Zeiten verstehbar und erkennbar.

Was ich an dieser Stelle der RvG vermisse: Es gibt keinerlei Hinweis auf die Verhältnisbestimmung zwischen Schöpfungsglaube und Naturwissenschaften bzw. eine Lösungsperspektive dieser Spannung aus Glauben heraus. Genau diese Fragen aber bewegen nicht nur Jugendliche, die in der Schule einigermaßen sichere wissenschaftliche Erkenntnisse lernen und in der Gemeinde dann in einer Art Parallelwelt an einen Schöpfer glauben sollen; diese Fragen bewegen genauso Erwachsene – Christen und Nicht-Christen –, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Schöpfungsglauben nicht „zusammenkriegen“.

2. Die kontinuierliche Schöpfungstätigkeit Gottes  (Creatio continua)

Gleich im zweiten Satz berichtet die RvG von der sich fortsetzenden, kontinuierlichen Schöpfermacht Gottes. Diese bleibende Schöpfertätigkeit wehrt die auch heute oft grassierende Gedankenwelt des sogenannten „Deismus“ ab, der behauptet: Gott hat die Welt zwar geschaffen, dann aber sich selbst und ihrer internen Entwicklung überlassen. Die RvG macht diese kontinuierliche Schöpfermacht an der Schöpfung eines jeden Menschen fest, unterlässt aber jeglichen Hinweis darauf, dass sich auch in Entwicklungsprozessen der Natur und unserer Kultur Gottes fortgesetzte Schöpfertätigkeit zeigen könnte. Die Frage ist eben, ob es sich dabei um interne, rein zweckmäßige Entwicklungsprozesse handelt, wie sie die an sich durchaus plausiblen evolutionstheoretischen Konzepte behaupten, oder ob es sich um die sinngebende und zielgerichtete fortgesetzte Schöpfungstätigkeit Gottes handelt (die sich ja durchaus auch evolutiv zeigen kann): Gottes Ziel ist seine Herrschaft in einer erneuerten und verwandelten Schöpfung.

3. Gott erhält die Welt (conservatio mundi)

Gott bewahrt und erhält die Welt – fraglos hat er dies jedenfalls bis heute getan: Die Schöpfung existiert ja noch. Und dies trotz der Sünde der Menschen und obwohl die ganze Schöpfung seit dem „Sündenfall“ unter dem Bann des Todes, unter dem Gesetz des „Fressens und Gefressenwerdens“ und unter der Bedrohung der Selbstvernichtung steht. Vielleicht haben wir es inzwischen für allzu selbstverständlich genommen: „Gott wird die Welt schon erhalten und bewahren, egal was wir tun.“ Ich selbst kann diesen Satz nicht mehr so vollmundig sagen, sondern nur mit Zittern und Zagen als einen Satz der Hoffnung; denn die Bedrohungsfaktoren für das Überleben der gesamten Schöpfung scheinen aktuell deutlich zuzunehmen.

Die RvG unterlässt es, an dieser Stelle auf die unabdingliche Mitarbeit (Cooperatio) des Menschen bei diesem Unterfangen der Bewahrung der Schöpfung hinzuweisen: Gott möchte die Menschen als Mitarbeiter/-innen bei seinem Projekt „Bewahrung der gesamten Schöpfung und Welt“. Das ist nicht billig zu haben. Und die Verantwortung ist nicht einfach auf Gott abzuschieben. Manchmal frage ich mich, ob Gott nicht irgendwann die Geduld verliert. Ich hoffe es nicht.

4. Gott ist Herr der Geschichte (gubernatio dei)

Gott ist der Herr der Geschichte und aller Völker – auch dieser Satz gehört zum Grundbestand unseres Glaubens an den Gott der Bibel. Aber er wird immer wieder (und im Moment ganz aktuell) fragwürdig. Eine ehrliche Rechenschaft über unseren Glauben müsste diese Fragwürdigkeit zumindest ansprechen und nach dem Realitätsgehalt dieses Satzes fragen. Der hier positiv angeführte „Kulturbefehl“ für die Menschen („Macht Euch die Erde untertan und herrschet über sie“) konterkariert gegenwärtig eigentlich eher die Herrschaft Gottes: Die Menschheit hat sich zum Herren über die Schöpfung, die Geschichte, die Völker aufgeschwungen und Gottes Herrschaft scheint demgegenüber zu verblassen.

5. Dem Bösen Grenzen setzen (Determinatio)

Immerhin – nach biblischer und theologischer Tradition setzt Gott dem Bösen Grenzen, auch wenn der „Sturz der geheimen Götter“ in der Realität noch nicht so recht sichtbar scheint; denn das oder der „Böse“ wirken offenbar häufig ziemlich kräftig. Es bleibt die Hoffnung, dass das Böse durch Gott auch gegenwärtig begrenzt bleibt.

6. Das Ziel der Schöpfung

Das Ziel der Schöpfung ist die Herrschaft Gottes und die „vollkommene Erlösung“, nach der sich alle Kreatur sehnt. Die Konturen dieser „Neuen Welt“ beschreibt die RvG später an entsprechender Stelle. In unserem „Schöpfungstext“ vermisse ich alle Überlegungen dazu, wie sehr Gott auch diese „alte Schöpfung“ liebt, wie sehr sie ein Spiegel seiner Herrlichkeit sein kann und wie sehr sie uns auch jetzt schon zum Staunen, zur Ehrfurcht, zur Anbetung und zum Loben Gottes führen soll. Und dass wir als seine „Mitarbeiter/-innen“ die Verantwortung tragen, ihm seine Schöpfung in möglichst gutem Zustand zurückzugeben, zu seiner Ehre und zu unserem Wohl – bevor er alles neu und vollkommen machen wird.

Einladung zum Weiterdenken:

1. Wie können wir naturwissenschaftliche Erkenntnisse und unseren Glauben vereinbaren?

2. Wie zeigt sich, dass Gott der Herr der Geschichte ist und das Böse begrenzt?

3. Was ist mein Beitrag als Mitarbeiter/-in Gottes in dieser Schöpfung?

Erschienen in: Die Gemeinde 08/2022, S. 14-15.

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