„Ich bin ich. Du bist du.“

Seminar für farsisprachige Ehepaare

Vom 30. Juli bis 1. August fand unter Anleitung der Gestalttherapeuten Nicole und Jens Mankel, BEFG-Referent für Seelsorge und Beratung, das erste Seminar der Akademie Elstal für farsisprachige Ehepaare statt. Bahareh und Omid Homayouni übersetzten während der Veranstaltung. Auch Thomas Klammt, BEFG-Referent für Integration und Fortbildung, hat das Seminar mitgestaltet und berichtet hier wie er die Tage erlebt hat.

Nicole und Jens Mankel haben schon einige Ehe-Seminare geleitet. Aber dieses war für sie neu: die sieben Ehepaare, die an diesem Wochenende nach Rastede in Niedersachsen gekommen sind, stammen alle ursprünglich aus dem Iran und sprechen über persönliche Fragen am ehesten in ihrer Muttersprache. Also wird das ganze Wochenende lang hin und her übersetzt – zum Glück leisten Pastor Omid Homayouni und seine Frau Bahareh aus Varel die Übersetzungsarbeit mit großer Hingabe und Kompetenz! Dabei geht es nicht nur um Wörter, sondern um Erfahrungen und kulturelle Prägungen, die übersetzt werden wollen. Die Erfahrungen der Paare, die zum Teil bereits 30 Jahre lang verheiratet sind, sind eben auch durch die Flucht aus ihrem Heimatland und den Neuanfang in der Fremde bestimmt. Sie erzählen von eigenen Kindern, die noch im Iran leben und zu denen kaum Kontakt möglich ist; eine Frau musste mehrere Jahre warten, bis ihr Mann ihr nach Deutschland nachziehen durfte.

Und dann sitzen sie im großen Kreis, bekommen Impulse über biblische Grundgedanken zur Ehe und für die Gestaltung einer Partnerschaft in unserer Welt heute. Durch kleine Übungen entdecken sie, was es bedeutet, verschieden und doch verbunden zu sein. Sich in die Augen zu sehen und diese Sätze zu sagen: „Ich bin ich. Du bist du.“ Sich Zeit zu nehmen für ein „Zwiegespräch“ (nach Michael Lukas Moeller), bei dem die Hauptregel ist: eine festgelegte Zeit redet nur die eine, und der andere hört nur zu, dann werden die Rollen getauscht, und das in drei Durchgängen. Das klingt einfacher als es ist, wenn es ihn sehr schnell drängt, Antworten und Lösungen anzubieten, während sie dankbar erlebt, dass er mal wirklich zuhört. Oder wenn Vergangenes zur Sprache kommt, das man schon längst vergessen haben wollte. Wie gut, dass die Grundlage immer wieder klar wird: „Gott ist Liebe“ (1. Johannes 4,16) und „Gott erschuf den Menschen als sein Bild … Männlich und weiblich erschuf er sie.“ (1. Mose 1,27; Einheitsübersetzung)

Am Sonntagmorgen feiert die Gruppe einen Gottesdienst, in dem die Ehepaare für sich beten lassen, und dann miteinander Brot und Traubensaft teilen – als Zeichen der Liebe Gottes, der sich in Jesus selbst gegeben hat, damit wir leben können.

Während es draußen die meiste Zeit regnet, entsteht drinnen eine Atmosphäre, die von großer Offenheit und Liebe geprägt ist. Am Abend wird gelacht und getanzt, viele Erinnerungsfotos werden gemacht. Zum Abschluss beten wir für den Iran, das Heimatland der Ehepaare, dessen politischer und gesellschaftlicher Zustand uns zu Tränen rührt, und spüren dabei etwas von Hoffnung auf Veränderung und Gottes Hilfe.

Ein Artikel von Thomas Klammt