Institut für Baptismusstudien eröffnet

BEFG-Generalsekretärin rechnet mit „Schärfung des baptistischen Profils“

Mit einem Festakt wurde am Mittwoch das Institut für Baptismusstudien des Theologischen Seminars Elstal (FH), der theologischen Ausbildungsstätte des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Elstal bei Berlin, eröffnet. Die Generalsekretärin des BEFG, Pastorin Regina Claas, betonte in ihrem Grußwort, das neue Institut werde dazu beitragen, das „baptistische Profil zu schärfen“. Baptistische Tradition werde häufig von Familie zu Familie weitergegeben, doch es fehle bisher eine systematische wissenschaftliche Erforschung und eine „kollektive Gedenkkultur“, wie Claas mit diesem Zitat der Oldenburger Kirchengeschichtsprofessorin Andrea Strübind betonte. In diesem Sinne sei es „höchste Zeit“ für das neue Institut, so die Generalsekretärin weiter, denn sie nehme ein gesteigertes Interesse in den Gemeinden des BEFG an den baptistischen Wurzeln und der baptistischen Identität wahr.

Ähnlich wie Claas betonte auch der Präsident der Europäischen Baptistischen Föderation, Pastor Hans Guderian, es gehe bei Baptismusforschung nicht ausschließlich um einen Blick in die Vergangenheit, sondern auch um „gegenwartsbezogene theologische Bezüge“. So sei eine systematische Erforschung des soziologischen und ökumenischen Kontextes, in dem baptistische Theologie in verschiedenen Ländern entstanden sei, eine wichtige Hilfe für baptistisches Leben und die Zusammenarbeit der Baptisten aus unterschiedlichen Ländern heute. Guderian hoffe, dass das Institut bei der Erforschung dieser wichtigen Themen partnerschaftlich mit dem europäischen Studien- und Forschungszentrum zusammenarbeiten werde, das nach der Verlegung des Internationalen Baptistischen Theologischen Seminars aus Prag 2014 in Amsterdam entstehen soll.

Prof. Dr. Dr. Martin Rothkegel, der das Institut zusammen mit seinem Kollegen Prof. Dr. Uwe Swarat leitet, benannte in seiner Ansprache die „Geschichte und Theologie des Baptismus“, „Baptistische Theologie im ökumenischen Kontext“ und den „religiösen Nonkonformismus der Frühen Neuzeit“ als Forschungsschwerpunkte der neuen Einrichtung. Das Institut ist mit Forschungsinstituten in Kanada und Frankreich durch Kooperationsverträge verbunden. Bei der Eröffnungsfeier waren Vertreter mehrerer freikirchlicher Seminare anwesend.

In seinem Festvortrag zur Institutseröffnung referierte der baptistische Amerikanist und Theologe Prof. Dr. Massimo Rubboli von der Universität Genua über das Thema „‚Seit dem Kommen Christi haben alle Nationen nur politische Bedeutung‘ – Die Kritik an der Vorstellung von ‚auserwählten Völkern‘ bei Roger Williams“. Rubboli wies auf den wichtigen Beitrag der frühen baptistischen Bewegung zur Entstehung des modernen Freiheits- und Demokratiegedankens hin.


Ein Artikel von Dr. Michael Gruber