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„Kinder und Jugendliche mündig machen, ist eine zutiefst geistliche Aufgabe“
Forum auf dem Bundesrat: Junge Parlamente als Form der Beteiligung
Wie kann Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Gemeinden konkret aussehen? Dieser Frage widmete sich das Forum „UB25 – Junge Parlamente – Partizipation weiterdenken“ auf der Bundesratstagung des BEFG. Dass Partizipation weit mehr als eine Organisationsfrage ist, unterstrich Simon Werner, der das Forum moderierte: „Wir hören viel von strukturellen Überlegungen, aber Kinder und Jugendliche mündig machen, zum Mitdenken, Mitreden und Mitglauben, ist eine zutiefst geistliche Aufgabe.“
Im wortwörtlichen Mittelpunkt des Forums stand die sogenannte Partizipationspyramide*, die aus großen Pappkartons mitten im Saal aufgebaut wurde. Die verschiedenen Ebenen der Beteiligung wurden dabei sowohl aus der Perspektive Erwachsener als auch aus der Sicht junger Menschen betrachtet. Die siebenteilige Pyramide unterscheidet zwischen Vorstufen und Stufen der Partizipation. Die Vorstufen werden nach Erfahrung von Tobias Köpke in vielen Gemeinden bereits umgesetzt. Schwieriger werde es dagegen bei den Stufen „Mitbestimmung zulassen“, „Entscheidungskompetenz teilweise abgeben“ und „Entscheidungsmacht übertragen“.
Ein Mittel zur Umsetzung dieser Stufen sind die Jungen Parlamente, die im Rahmen des BEFG-Strukturprozesses „Unser Bund – Segen bewegt“ (UB25) in den neu geschaffenen Regionen etabliert werden sollen. Hélena Noß machte deutlich, worum es bei Jungen Parlamenten im Kern gehe: „Kindern und Jugendlichen passiert es oft, dass sie übersehen werden.“ Deshalb brauche es bewusst gestaltete Räume, in denen junge Stimmen gehört werden. Sie stellte das neu erschienene Handbuch „Junge Stimmen stärken. Junge Parlamente in Gemeinde und Bund“ vor, das praktische Hilfen, Methoden und Leitfäden enthält. Dabei betonte sie: „Das Buch hat nicht den einen Weg, wie es auf jeden Fall klappt. Aber viele Wege, wie man starten kann.“ Wichtig sei vor allem, überhaupt anzufangen – auch im Kleinen, etwa mit kurzen Beteiligungsformaten im Kindergottesdienst. „Wenn wir gemeinsam Glauben leben, wenn wir gemeinsam Gemeinde sind, kann daraus etwas ganz Wunderbares werden“, zeigte sie sich überzeugt.
Carl Heng Thay Buschmann sprach über Voraussetzungen gelingender Beteiligung. Er betonte, die Bereitschaft, jungen Menschen zuzuhören und ihre Anliegen ernst zu nehmen, sei „der entscheidende Nährboden. Wenn wir diese Haltung verinnerlicht haben, dann gelingen auch Junge Parlamente.“ Partizipation dürfe dabei nicht als trockene Pflicht verstanden werden: „Partizipation ist nicht dröge, sondern attraktiv.“ Dafür brauche es Verlässlichkeit, langfristige Strukturen, kreative „Herzensprojekte“ und Veranstaltungen, die Freude machen.
In der anschließenden Fragerunde wurde deutlich, dass viele Menschen ähnliche Herausforderungen erleben: fehlende Mitarbeitende, mangelnde Unterstützung seitens der Eltern oder praktische Fragen der Umsetzung.
Auf die Frage, wie Beteiligung trotz knapper Ressourcen möglich werden könne, mahnte Tobias Köpke, dass dies viel mit Prioritätensetzung zu tun habe: „Dann muss man andere Arbeit vielleicht reduzieren.“
Zum Abschluss waren alle Teilnehmenden eingeladen, persönlich weiterzudenken: Was lässt sich schnell und einfach umsetzen? Was ist besonders wichtig geworden? Und wofür soll in der eigenen Gemeinde künftig bewusst Zeit investiert werden? Das Forum machte deutlich: Junge Parlamente verstehen sich nicht nur als neues Format, sondern als Ausdruck einer Gemeindekultur, in der Kinder und Jugendliche aktiv mitgestalten können und geistlich ernst genommen werden. Die Rückmeldungen aus dem Forum soll in die Entwicklung der Jungen Parlamente im Rahmen von UB25 einfließen.
*von Straßburger und Rieger
Ein Artikel von Julia Grundmann


