Bund aktuell Nr. 2 | 5. Februar 2026
Lieber Leserin, lieber Leser,
es ist Anfang Februar. Der Winter hat uns mit seiner Kälte und dem Glatteis noch ganz im Griff.
Ich habe in dieser Woche gelernt, dass nach einer alten Bauernregel jetzt schon das Bauernjahr beginnt. Nach der 40-tägigen Weihnachtszeit starten die Vorbereitungen für die Feldarbeit. Noch liegt vieles brach, noch ist nichts zu sehen – und doch wird im Verborgenen geplant und vorbereitet, damit im Frühling zur rechten Zeit die Felder bestellt werden können.
Dieses Bild hat mich beschäftigt.
Denn auch wir haben in den letzten Jahren als Bund viel Kraft und Zeit investiert, um gut vorbereitet zu sein für die Zukunft und für die Herausforderungen unserer Zeit. Unser Bund 25 heißt unser Strukturprozess, der nun in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll.
In dieser Veränderungs- und Vorbereitungszeit ist mir ein Bibeltext besonders wichtig geworden. Ich möchte euch heute mitnehmen auf einen besonderen Acker – den Acker Gottes.
So schreibt Paulus an die Gemeinde in Korinth:
1. Korinther 3 (BasisBibel)
[5] Wer ist denn Apollos? Oder wer ist Paulus?
Sie sind Diener des Herrn,
durch die ihr zum Glauben gekommen seid.
Und jeder dient dem Herrn mit den Gaben,
die er bekommen hat.
[6] Ich habe gepflanzt, Apollos hat gegossen.
Aber Gott hat es wachsen lassen.
[7] Es zählt nicht, wer pflanzt oder wer gießt.
Es kommt auf Gott an, der alles wachsen lässt.
[8] Derjenige, der pflanzt, und derjenige, der gießt,
haben eine gemeinsame Aufgabe.
Aber jeder wird seinen eigenen Lohn bekommen
entsprechend der Arbeit, die er geleistet hat.
[9] Es ist also Gottes Werk, an dem wir mitarbeiten –
und ihr seid Gottes Ackerland
oder besser: Gottes Bauwerk.
Wer ist Apollos? Wer ist Paulus?
Zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise Gott und der Gemeinde gedient haben. Und es war wichtig und gut – für eine bestimmte Zeit. Ihre Arbeit, ihr Engagement, ihr Herzblut verdienen Würdigung. Und doch geht es in diesem Text nicht um ihre Namen. Es geht um etwas Größeres.
Nicht darum, wer der Bessere war. Nicht darum, wessen Theologie stimmiger oder wessen Art von Gemeindebau hilfreicher erschien. Sondern darum, dass jeder mit den gottgeschenkten Gaben mitwirkt an Gottes Werk.
Sie haben gepflanzt und gegossen. Andere durften ernten, neu aussäen und wieder pflanzen. Einige mussten Pflanzen beschneiden oder entfernen, damit wieder Luft zum Atmen ist. Neues wurde ausprobiert, um sich veränderten Witterungsbedingungen und Herausforderungen anzupassen. Es wurde gehegt und gepflegt – mit viel harter Arbeit und mit der Erfahrung, dass selbst bei größter Sorgfalt nicht jede Pflanze gedeiht. Die einen sind gewachsen und tragen Früchte. Für andere war es nicht die richtige Zeit oder nicht der richtige Ort.
Bei all den Veränderungen, die nun vor uns stehen, ist mir eines besonders wichtig geworden:
Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, an diesem einen Acker weiterzuarbeiten. An dem Acker, den Generationen ihre Gaben eingebracht und ihre Zeit investiert haben – jeder zu seiner Zeit, mit dem was gerade nötig war und ist.
Es ist der eine Acker Gottes, der uns gemeinsam anvertraut ist und für den wir Zukunft denken wollen.
Deshalb braucht es uns alle: mit unseren unterschiedlichen Begabungen und Sichtweisen, mit Ideen, Erfahrung und auch konstruktiver Kritik. Nicht jede und jeder muss alles können oder wissen. Aber jede und jeder kann etwas beitragen, das für das Ganze wichtig ist und zum Segen werden kann.
Für mich ist der Bundesrat ein solcher Moment, in dem diese Wirklichkeit erlebbar wird. Wir tragen gemeinsam Verantwortung für das Bundesgeschehen, lassen uns gegenseitig inspirieren und stärken für das Gemeindeleben vor Ort.
In diesem Jahr stehen wichtige Entscheidungen rund um UnserBund25 an. Sie sollen einen tragfähigen Rahmen schaffen, damit Gemeinden gestärkt werden und wir als Bundesgemeinschaft mehr voneinander profitieren können. Darum freue ich mich, wenn ihr dabei seid und unseren Bund mitgestaltet.
Wenn ich mir diesen Acker vor dem inneren Auge vorstelle, dann sehe ich einen großen Garten mit den unterschiedlichsten Pflanzen und keine Monokultur. Jede Pflanze hat Raum zu wachsen, und auch das geknickte Rohr findet seinen Platz. Jede ist einzigartig und schön. Und doch entsteht dieser besondere Lebensraum erst durch die Fülle der unterschiedlichen Pflanzen. Ein Ort, an dem Menschen Nahrung für ihr Leben finden und etwas vom Wesen Gottes erkennen können.
Wenn ich mir diesen Acker, dann sind die Wurzeln besonders wichtig. Jede Pflanze weiß: Nur mit tiefen Wurzeln lassen sich Stürme und Dürrezeiten bestehen. So sind wir tief verwurzelt in Jesus Christus – dem Fundament unseres Glaubens und unserer Gemeinden. Und diese Wurzeln geben sich gegenseitig Halt, wenn der eine oder die andere ins Wanken gerät.
Wenn ich mir diesen Acker vorstelle, dann sehe ich, wie ein Windhauch durch dieses Feld zieht. Wie Gottes Geist die Pflanzen sanft in Bewegung bringt und Leben durch den ganzen Acker fließt. Diese Bilder ermutigen mich und machen mir Lust, Teil dieses Ackers Gottes zu sein.
Bei aller Landromantik weiß ich: Dieser Veränderungsprozess war und ist kein leichter Weg. Doch ich hoffe, dass wir am Ende gemeinsam Früchte ernten dürfen: Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung. Innovation und ein neues Wir-Gefühl. Geistliche Tiefe und eine Strahlkraft, die Menschen zu Gott einlädt. Und viele weitere Früchte.
Ich wünsche mir, dass wir wie Paulus bekennen können: Gott hat es wachsen lassen. Durch uns, mit uns – und an manchen Stellen auch trotz uns und unserer menschlichen Begrenzungen.
Möge Gott uns Wachstum schenken. Nicht unbedingt zahlenmäßig, sondern geistlich.
Wachstum in die Tiefe und in die Weite.
Lebendigkeit aus der Quelle des Lebens.
Vielfalt, die die Buntheit Gottes sichtbar macht.
Relevanz für unsere Umgebung, damit Menschen in unseren Gemeinden Nahrung und Raum zum Leben finden.
Menschen, die ihre Gaben einbringen und ihre Berufung leben.
Und immer mit der Gewissheit: Wir arbeiten an dem einen Werk – und Gott schenkt das Wachstum und seinen Segen.
Möge Gott uns zu einem Acker machen, auf dem Menschen heil werden, gestärkt werden und seine Liebe erfahren.
Das ist mein Gebet für unsere Ortsgemeinden, für unseren Bund, für die weltweite Christenheit – und für unseren gemeinsamen Weg der Veränderung.
Natalie Georgi
Präsidentin