Vorwort Bund aktuell Nr. 1 | 8. Januar 2026

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir haben uns vor Kurzem als Familie diese Dartscheibe gekauft. Über die Feiertage haben wir uns mitreissen lassen von der Darts-Weltmeisterschaft und mitgefiebert wie der 18 jährige Luke Littler im sogenannten „Ally Pally“ in Londen gewonnen hat.

Eine neue Faszination für mich und meine Familie und was mich besonders überrascht hat: eine Inspiration für den Glauben und für die neue Jahreslosung 2026.

Was uns gepackt hat, war diese Mischung aus Präzision, Leidenschaft und unglaublichem Können. Doch je länger wir zugeschaut haben, desto deutlicher wurde mir: Das Entscheidende bei diesen Spielern ist nicht nur ihr Talent oder ihre ruhige Hand. Es ist ihre Fokussierung.

Immer wieder hört man beim Darts das gleiche Ziel: Triple 20, Dreifach 20. Denn mit einem Treffer in dieses Feld, das lediglich 8 Millimeter breit ist, erreicht man die höchste Punktzahl bei einem Wurf. Und die besten Spieler schaffen das tatsächlich. Mehrmals in einem Spiel. Unglaublich.

Untersuchungen zeigen, dass die besten Spieler dieses Feld der Triple 20 während ihrer drei Würfe nicht aus den Augen verlieren. Sie bleiben mit ihrem Blick und ihrer inneren Aufmerksamkeit ganz bei diesem einen Ziel. Sie lassen sich nicht ablenken. Und Ablenkung gibt es im Ally Pally mehr als genug: Tausende feiernde, brüllende Menschen, oft in ausgelassener Bierlaune. Dazu die eigene innere Unruhe, wenn ein Pfeil danebengeht. Der Frust über das eigene Unvermögen. Profis können das oftmals irgendwie „wegatmen“. Sie bleiben unaufgeregt fokussiert auf das Wesentliche. Genau das unterscheidet am Ende einen Anfänger wie mich von einem Profi wie Luke Littler.

Und ich glaube, genau dazu will uns auch die Jahreslosung für das neue Jahr 2026 einladen. Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5). Diese Zusage lädt dazu ein, den Fokus neu auszurichten. Nicht auf all das, was ablenkt, verunsichert oder laut durcheinanderruft – sondern auf das, was Gott tut. Auf seine Gegenwart, seinen guten Geist, seine Leitung. „Siehe!“ Das ist ein Aufmerksamkeitsruf. Achtzugeben auf das, was Gott tut. Offen zu sein für das Neue, das Gott schafft, mitten in dieser Welt, mitten in unseren Gemeinden, mitten in unserem Leben.

Ablenkung gibt es in meinem Alltag mehr als genug. Bei Euch ist es sicher nicht anders. Stimmen, Meinungen, Sorgen, Ängste, Aufregerthemen. Auch in christlichen Kreisen erleben wir immer wieder viel Aufregung um zweitrangige Themen, die sich manchmal bis hin zu Feindseligkeit steigert. Wie leicht verlieren wir dabei den Blick für das Wesentliche.

Und oft wollen uns die großen Krisen und Konflikte dieser Welt den Blick verstellen auf die Hoffnung, die wir haben. Die weltpolitische Lage ist aktuell geprägt von Machtkämpfen, imperial anmutendem Gehabe, dem Ringen um Einfluss und Ressourcen – ob in Venezuela, mit Blick auf Grönland oder an vielen anderen Orten. Große Worte, Drohgebärden und nationale Interessen übertönen oft die leisen Stimmen der Vernunft, der Gerechtigkeit und des Friedens. Das verunsichert und macht Angst. Umso wichtiger ist es, dass wir uns nicht hineinziehen lassen in die Logik von Stärke und Gegenstärke, sondern uns fokussieren auf das, was trägt: Hoffnung, Menschenwürde und die leise Kraft des Friedens, die nicht aus Machtgehabe, sondern aus Vertrauen wächst.

Die Jahreslosung erinnert uns: Bleibt fokussiert auf Jesus. Aufhören im Doppelsinn des Wortes ist dafür nötig. Aufhören mit dem, was ablenkt, und hören auf den, der neu macht. Unaufgeregt bleiben bei aller Aufregung. Friedensmenschen bleiben. Hoffnungsmenschen sein. Menschen, die ihr Leben auf das ausrichten, was Gott neu macht – jetzt schon und eines Tages in Vollendung.

So ist es auch mit unserer Bundesgemeinschaft im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Wir wollen gemeinsam fokussiert bleiben auf Christus und uns gegenseitig dabei helfen. Dazu soll der Strukturprozess UB25 dienen, der uns in den letzten Jahren beschäftigt hat und in den kommenden Monaten auch noch weiterhin beschäftigen wird. Er soll uns nicht ablenken vom Wesentlichen, vom Evangelium. Im Gegenteil: UB25 soll helfen, uns neu zu fokussieren. In gewisser Weise ist dieser Prozess ein Trainingsmittel, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Und das Motto von UB25 „Segen bewegt“ meint am Ende genau das: Den Blick darauf richten, was von Gott her kommt – und einüben, was sein Geist in uns anregt. Nicht selbst verkrampft machen, sondern uns bewegen lassen. Bleiben wir in seinem Segen im neuen Jahr 2026.

Wisst Ihr, was passiert ist, nachdem wir uns die Dart-Scheibe gekauft haben? Wir hatten Muskelkater. Im rechten Arm, unserem Wurfarm. Und bei mir sogar im rechten Fuß, meinem Standbein. Es ist ja wirklich erstaunlich, wie wenig trainiert diese Muskelpartien sind.

Und mir ist klargeworden: Neben der fokussierten Konzentration ist Training das Zweite, was Spitzenspieler wie die Teilnehmer der Darts-WM auszeichnet. Sie üben. Und sie üben weiter. Immer wieder. Pfeile werfen, Pfeile werfen, Pfeile werfen. Fokussierung entsteht nicht von allein.

So ist es auch im Glauben. Wir sollen keine Pfeile werfen. Aber auch unsere geistlichen Muskeln wollen trainiert werden. Vertrauen, Hoffnung, Geduld, Liebe – all das wächst nicht zufällig. Es ist ein Geschenk Gottes, und doch braucht es auch Übung. Zeit. Wiederholung.

Am besten und stärksten geschieht dieses Training durch das Wort Gottes, durch das Lesen der Bibel und durch das Gebet. Nicht als Pflichtübung, sondern als Ausrichtung unseres Blickes. Immer wieder neu hin zu dem Ziel, das Gott vor Augen hat.

Möge das neue Jahr 2026 ein Jahr werden, in dem wir fokussiert bleiben oder uns auch neu fokussieren auf das, was Gott neu macht. Ein Jahr, in dem wir geistlich trainieren, Hoffnung einüben und Frieden ausstrahlen.

In diesem Sinn wünsche ich allen ein frohes, glückliches und gesegnetes neues Jahr 2026.

Christoph Stiba
Generalsekretär