Brücken bauen zu orientalischen Christen in Deutschland

Bericht von der interkulturellen Tagung in Bremen

Seit vielen Jahren kommen neben orthodoxen und chaldäischen auch evangelisch geprägte Christen aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Deutschland und treffen sich in meist kleinen Gemeinden. Im gesellschaftlichen Umfeld werden sie meist nicht wahrgenommen. Mit dem Thema „Orientalische Christen in Deutschland“ wurde das Leben und Ergehen dieser Christen unter uns ins Licht gerückt. Eingeladen zu der interkulturellen Tagung am 5. November 2011 in Bremen hatte der BEFG in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Migration und Integration der Evangelischen Allianz Bremen (AMIN). Alle Erwartungen übertreffend, wurde das Angebot von vielen angenommen, so dass sich am Ende hundert Personen in den Räumen der Kreuzgemeinde in Bremen drängten. Allen ist es wichtig, dass ihre Herkunftskulturen nicht einfach als islamisch abgetan werden. Sie selbst wollen nicht europäisch geprägte Christen mit einer orientalischen Sprache sein, sondern Christen, deren persische, arabische, kurdische oder armenische Kultur sich auch in ihrem Glaubens- und Gemeindeleben widerspiegelt. Dass sie als Christen in ihren Herkunftsländern nicht willkommen sind, davon berichteten kurdische und armenische Christen auf der Tagung. Weil sie für viele ihrer Landsleute nicht in die Landkarte des Mittleren Ostens passen, mussten sie und ihre Vorfahren oft Verfolgung erdulden.

Für alle überraschend betrat in den ersten Minuten auch eine große Gruppe von Iranern den Raum, viele davon waren erst kurz zuvor zum christlichen Glauben gekommen. Sie wollten an der Konferenz teilnehmen, auch wenn sie sich mit dem Deutschen noch schwer taten. Sie treibt die Frage um, wie sie Brücken in die deutsche Kultur hinein bauen können, um hier glücklicher leben zu können. Dankbar erleben sie deutsche Christen, die sich für sie interessieren. Über die Brücken, die Einheimische und Zugewanderte zueinander bauen können, darüber sprach Michael Kißkalt, Dozent am Theologischen Seminar Elstal (Fachhochschule) und Leiter der Migrantenarbeit im BEFG: „Ein Ziel wäre für mich, dass wir nicht auf der Brücke des abschätzenden Nebeneinanders stehen bleiben, sondern es lernen, einander wert zu schätzen und zu ergänzen.“ Harry Fader, selbst vor vielen Jahren aus Tadschikistan nach Deutschland eingewandert, Mitglied der Kreuzgemeinde Bremen und leitender Mitarbeiter von AMIN, war am Ende ganz begeistert: „In der Gemeinschaft mit unseren Glaubensgeschwistern aus den anderen Kulturen bekommen wir als Deutsche eine neue Sicht auf unsere gemeinsame Welt!“ Dr. Helmut Hafner, Referent für religiöse Angelegenheiten im Bremer Senat, überbrachte ein sehr persönliches Grußwort von Senatspräsident Böhrnsen und ermutigte die Anwesenden, die Liebe ihres Glaubens kulturübergreifend zu leben: „So können wir als Christen positiven Einfluss auf unsere Gesellschaften ausüben.“

Ein Artikel von Michael Kißkalt