
„Bunte Gemeinde“ in der Suppenküche erleben
EFG Schleswig und ein städtisches Jugendzentrum bieten Mittagessen für Bedürftige an
Seit 2007 betreibt die kleine Gemeinde Schleswig (62 Mitglieder) in Zusammenarbeit mit dem städtischen Jugendzentrum und ehrenamtlichen Mitarbeitern aus der Stadt eine Suppenküche. Wie dort das Jahresmotto des Bundes „Bunte Gemeinde – Staunen über Christus im Anderen“ gelebt wird, schildert Matthias Lange, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Schleswig.
Einmal in der Woche erhalten durchschnittlich 60 Gäste mit geringem Einkommen ein warmes Mittagessen in den Räumen des Jugendzentrums und vor allem – das betonen die Gäste selbst – eine Atmosphäre, in der sie geachtet und wertgeschätzt sind. Wir nennen die Suppenküche gerne „Joint Venture der Barmherzigkeit“. Denn keine der beteiligten Gruppen könnte diese diakonische Arbeit allein leisten. Wir haben als Gemeinde gelernt, uns stärker in der Stadt zu vernetzen und Möglichkeiten der Kooperation zu suchen, anstatt darüber zu klagen, was wir allein nicht schaffen. Durch die gemeinsame Arbeit in der Suppenküche entstehen Begegnungen zwischen Gemeindemitgliedern und anderen Mitarbeitern, die mit Kirche und Glauben nichts anfangen können. Manche der anderen Mitarbeiter kommen zu Gemeindeveranstaltungen.
Angestoßen durch die Suppenküche sind zwei Gesprächskreise für die Gäste entstanden, die sich in der Gemeinde treffen. Hier ist Raum für ihre Lebensfragen. Ein geistlicher Impuls macht Mut, Gott zu vertrauen. Eine Frau, die zu diesen Gesprächskreisen gehört, ist Regine (Name geändert). Seit vielen Jahren ist sie nicht mehr arbeitsfähig. Ihr früherer Glaube an Christus hatte seine Bedeutung verloren. Nach dem Tod ihres Mannes will sie daran wieder anknüpfen. Sie wird zu einem der Gesprächskreise eingeladen, erneuert ihren Glauben und lässt sich taufen. Regine steht für mehrere Menschen, die so oder ähnlich zur Gemeinde gefunden haben.
Wir können aber auch andere Geschichten erzählen: Von Menschen, in die wir viel investiert haben, und die wieder gegangen sind. Wir tun etwas dafür, die Gäste aus der Suppenküche in die Gemeinde zu integrieren. Einer spielt Schlagzeug im Musikteam. Andere beteiligen sich zum Beispiel am Kirchenkaffee.
Gibt es dabei Konflikte? Aber ja! Zum Beispiel, wenn sich ein Gast der Suppenküche bei einer Beerdigung so ganz anders verhält, als man es in diesem hochemotionalen Moment erwartet - weil er sich vor den Angehörigen an den Sarg drängt. Im Zusammenleben ist manches fremd und befremdlich – Buntheit und Vielfalt zu leben, wird auch anstrengend. Die Gäste der Suppenküche führen immer noch neben den anderen Gemeindemitgliedern ein Eigenleben. Wir merken, wir brauchen Verständnis und Kompromissbereitschaft auf allen Seiten.
Ich selbst entdecke bei den Gästen häufig „Christus im Anderen“. Dann, wenn sie aus ihrem Leben erzählen und ich staune, welche Spuren Gott in ihrer Biografie schon hinterlassen hat – trotz Erfahrungen des Scheiterns und schwieriger Lebensumstände. Oder wenn in Gesprächen über die Bibel bei den Gästen eine tiefe Einsicht in das Leben und den Glauben aufleuchtet.
Ein Artikel von Matthias Lange