
Foto: Mirko Thiele
„Ein Kunstwerk auf dem Acker Gottes“
Der UB25-Prozess bei der Offenen Präsidiumssitzung 2025
Thema der Offenen Präsidiumssitzung (OPS) am 21. und 22. November in Elstal war der Veränderungsprozess „Unser Bund 2025 – Segen bewegt“ (UB25). Dazu hatte das Präsidium Mitarbeitende des BEFG, die Leitungen der Landesverbände, die Landes-GJW-Vorstände, die Ständige Konferenz der Hauptamtlichen im GJW (SKH), den Bundesvorstand des GJW sowie die Verhandlungsleitenden des Bundesrates und einzelner Arbeitskreise des Bundes eingeladen. Deutlich wurde an beiden Tagen, dass der UB25-Prozess alle Beteiligten fordert und zugleich neue Chancen eröffnet. „Wir sind der Acker Gottes“, sagte BEFG-Präsidentin Natalie Georgi in ihrer Andacht zu 1. Korinther 3,5-9. „Alles, was wir heute tun, ist Teil eines größeren Kunstwerks, das Gott mit uns gestaltet.“
Die OPS solle „Resonanzraum“ sein, in dem unterschiedliche Perspektiven mit Achtung und Wertschätzung gehört werden, hieß es am Anfang der Tagung. So zeigte bereits der Präsidiumsbericht zu Beginn der Veranstaltung, dass sich die Mitglieder bewusst sind, wie herausfordernd die aktuellen Änderungen für viele sind. Gleichzeitig wurde betont, dass die Veränderungen breit getragen und bewusst entschieden worden seien, um den Bund für die Zukunft handlungsfähig zu machen. „Wir wollen eine Kirche des Dialogs bleiben, eine Kirche, in der Gemeinden ein Netzwerk bilden und in der wir miteinander unterwegs sind“, sagte Natalie Georgi. Den Mitarbeitenden wurde angeboten, gute Begleitung im Veränderungsprozess zu erhalten – zum Beispiel durch Supervision.
In einem Gottesdienst hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, mithilfe von Symbolhandlungen das abzugeben, was sie im Zusammenhang mit UB25 belastet, und dem Ausdruck zu verleihen, was ihnen Hoffnung gibt. Sie konnten für sich beten und sich segnen lassen. Präsidiumsmitglied Dr. Michael Rohde predigte über den Aaronitischen Segen und hob dessen Dreiklang hervor: Gottes Bewahrung („Der Herr segne dich und behüte dich“), seine leuchtende und gnädige Zuwendung („Der Herr lasse sein Angesicht leuchten…“) und der Frieden, den er schenkt („Der Herr erhebe sein Angesicht…“): „Es ist Gott, der Schöpfer, der bewahren will, und Jesus Christus, der seine Gnade schenken will, und der Heilige Geist, der seinen Frieden geben will. So segne uns Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist im Alltag“, so Rohde.
Prozesskoordinator Christoph Bartels erinnerte an die drei Phasen des UB25-Prozesses: Voraussetzungen schaffen (bis Ende 2025), Aufbau und Transformation (2026) sowie Feinschliff und Festigung (2027). Der Bund befinde sich nun am Ende der ersten Phase und viele Teilprojekte seien bereits gestartet. Rund 80 Personen engagieren sich in verschiedenen Arbeitsgruppen. Bartels beschrieb die aktuelle Situation als eine Art Werkstattgemeinschaft, in der wichtige Grundlagen gelegt werden, auch wenn nicht alle Beteiligten später Teil der neuen Struktur sein werden.
In kurzen Einblicken wurden die Teilprojekte vorgestellt. In der zukünftigen Personalabteilung müssen künftig rund 120 bis 130 Personen administrativ betreut werden – ein komplexes Vorhaben, wie Teilprojekt-Leiter Thomas Seibert schilderte. Im Bereich Fördermittel wurde deutlich, dass vor allem Regionen, die nicht deckungsgleich mit Bundesländern sind, intensivere Beratung benötigen. Der Arbeitskreis Ordnungen arbeitet daran, die beschlossenen Strukturen in die Verfassung, die Geschäfts- und Wahlordnung des Bundesrats sowie weiterer Ordnungen zu überführen. In den Regionen wird unter anderem geschaut, wie die Bereiche Gemeindeentwicklung und Junge Gemeinden gut gestaltet werden können und wo hier noch Unterstützungsbedarf besteht. Das Teilprojekt GJW befasst sich unter anderem mit der Frage, wie Jugendverbandlichkeit erhalten bleibt und die jungen Parlamente starten können. Auch die digitale Infrastruktur wird umfassend betrachtet – von Hardware über Software bis zu Datenschutzfragen. Im Bereich Finanzen ging es um die Weiterentwicklung des Bundesbeitragsmodells sowie um konkrete Schritte in der Prüfung eines Teilverkaufs des Elstaler Campus’, dessen Erlöse zur Entschuldung des Bundes beitragen sollen.
Bei einer Austauschrunde hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, Hoffnung, Befürchtungen und Sachfragen zu äußern, die sie im Zusammenhang mit dem UB25-Prozess bewegten. „Generationen verbinden sich neu“, „mehr Ehrenamtliche beteiligen sich“, „stärkere Nähe zu den Gemeinden“ und „zusätzliche Motivation“ waren Statements, die als Hoffnung geäußert wurden. „Die intrinsische Motivation der Leute können wir nicht erzeugen“, sagte Bartels, „aber wir können Strukturen schaffen, in denen Motivation entstehen kann.“ Und mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer wünschten sich, „dass wir neu entdecken, was unsere Mission ist. Dass wir nicht Kirche für uns selbst sind, sondern Kirche für andere sein können. Einige Teilnehmende berichteten von Teams in den Regionen, die bereits jetzt neue Impulse setzen. Sachfragen wurden unter anderem zur künftigen Struktur des GJW sowie zu Budgetverantwortung und Personalentscheidungen in den Regionen gestellt. Unter den geäußerten Befürchtungen fanden sich Zweifel daran, ob der Aufbruch mit geringeren Ressourcen gelingen kann, sowie die Sorge vor Wissensverlust. Zugleich wurde überlegt, wie Kompetenzen dokumentiert und Übergänge gestaltet werden können.
Am zweiten Tag lud die Methode „Rückblick aus der Zukunft“ dazu ein, sich gedanklich ins Jahr 2027 zu versetzen und zu beschreiben, wie die Transformation gelungen ist. Dabei entstand ein hoffnungsvolles Bild: bessere Kommunikation zwischen Regionen und Gemeinden, gestärkte Jugendbeteiligung, neue Wertschätzungskultur, engagiertes Ehrenamt, bereichsübergreifende Kompetenzen, verlässliche digitale Strukturen, Innovationsfonds, missionarische Aufbrüche, gestaltete Übergänge und Dankesfeiern, größere finanzielle Spielräume und niedrigschwellige Beteiligungsmodelle. Immer wieder wurde betont, wie wichtig Vernetzung ist. Genannt wurde auch die Notwendigkeit, Macht abzugeben, um Neues zu ermöglichen.
In der Auswertung sagten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass sich ihr Blick von Problemen hin zu neuen Möglichkeiten verschoben hatte. Das gemeinsame „Wir“ sei spürbar geworden, hieß es. Zudem wurde mehrfach auf die geistliche Dimension des Prozesses hingewiesen: das Vertrauen darauf, dass Gott Wachstum schenkt und das „Unverfügbare“ in seiner Hand liegt. Hervorgehoben wurde auch die Bedeutung, auf breiter Ebene davon zu erzählen, wie der Veränderungsprozess erlebt wird, damit deutlich wird, wohin der Weg führt. Ebenso wurde der Wunsch geäußert, transparent zu machen, wer welche Verantwortung trägt. Auch die Idee eines FAQ-Formats wurde aufgenommen. Zudem wurde der Wunsch genannt, neue Gesichter, Rollen und Verantwortlichkeiten bald sichtbar zu machen.
So prägte ein Gedanke von Natalie Georgi die gesamte OPS: „Dass Unsicherheit und Hoffnung nebeneinanderstehen dürfen – und dass Gott Segen schenkt, wo Menschen sich einbringen, um gemeinsam Zukunft zu gestalten.“
Ein Artikel von Julia Grundmann














