
v.l.n.r.: Julia-Kathrin Raddek, Ria Tintswalo Mojapelo, Jonas Kakenge Mbwenga, Hürrem Carolin Keskin, David Burau, Alexander Hämmerling (Übersetzung)
Foto: David Vogt
Gottes Segen bewegt … weltweit
Eröffnungsabend der Bundesratstagung 2026
Der erste Konferenzabend am 13. Mai weitete den Blick über unseren Bund hinaus und führte die Zuhörer und Zuhörerinnen ins Staunen darüber, wie Gott weltweit Segen schenkt. David Burau, Mitglied des Präsidiums, und Julia-Kathrin Raddek, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei EBM INTERNATIONAL, moderierten und stellten die internationalen Gäste vor.
Eigentlich hätten zwei Vertreter der National Baptist Convention of Namibia auf der Bühne sitzen sollen. Doch deren Generalsekretär Lukas Ndjamba wurde das Einreisevisum verweigert, so dass nur Jonas Kakenge Mbwenga, Biologielehrer und Schulleiter, uns einen Einblick in das Land im südlichen Afrika schenkte. Es gab Neuigkeiten zu vermelden: Auf dem Missionsrat, der kurz zuvor in Norderstedt stattgefunden hatte, wurde der namibische Bund in die EBM INTERNATIONAL-Familie aufgenommen. Als Voraussetzung dafür musste ein Projekt eingereicht werden. Mbwenga berichtete von geplanten Gemeindegründungen, die angesichts der klimatischen Bedingungen und der weiten Entfernungen in diesem dünn besiedelten Land herausfordernd sind. Zurzeit gibt es 50 kleine Gemeinden mit etwa 11.000 Mitgliedern. Die Leitfrage in diesem Gespräch lautete: Was können wir voneinander lernen? Mbwenga verwies zunächst auf die gute Organisation und hilfreichen Strukturen in Deutschland einerseits und die namibische Verwurzelung in der Gemeinschaft andererseits – zwei Bereiche, in denen man voneinander profitieren könne. Doch dahinter stehe noch etwas anderes und noch Wichtigeres: die Bereitschaft, einander zuzuhören und sich auf Augenhöhe zu begegnen. So könne sogar das dunkle Kapitel der Kolonialgeschichte aufgearbeitet werden.
Im Anschluss berichtete Hürrem Carolin Keskin von der Gemeindearbeit in der Türkei. Sie ist die Tochter von Ertan Cevik und in ihrer Gemeinde die einzige, die in einer christlichen Familie aufwuchs. Denn in der Türkei sind weit über 99 Prozent der Bevölkerung Muslime. Dass eine ganze Familie zum Glauben kommt, geschieht höchst selten. Eher fürchte sich jemand, der Christus gefunden hat, vor der Reaktion seiner Familie, die mit einer Entscheidung für den christlichen Glauben nicht einverstanden sei. Und doch konnte sie von solchen Segensgeschichten erzählen, wo ein Familienmitglied mehrere Angehörige für den Glauben begeistern konnte. Vor diesem Hintergrund agieren die türkischen Baptistengemeinden vorsichtig, denn häufig werden sie als westlich orientierte Störenfriede betrachtet. Immer wieder müssen sie betonen, dass sie ihr Land lieben und es ihnen nur um die Beziehung zu Christus geht. Und sie führen auch keine missionarischen Straßeneinsätze durch, genießen aber in ihrem eigenen Gemeindehaus alle Freiheiten. Grundstück und Gebäude gehören übrigens dem Staat, der also jederzeit die Möglichkeit hat, der Gemeinde den Versammlungsort wegzunehmen. Auch darum sei Vorsicht geboten.
Ria Tintswalo Mojapelo, die EBM-Regionalreferentin für das südliche Afrika, zeigte Beispiele auf, wie in der Missionsarbeit stereotype Vorstellungen und hartnäckige Klischees durchbrochen werden können. Ein markantes Beispiel: In den Gemeinden, die sie als EBM-Referentin besucht, sei es häufig kaum vorstellbar, dass Frauen predigen dürfen. Doch ihre Funktion öffnet ihr Türen, und auf mancher Kanzel war sie die erste Frau. Mojapelo gab die Frage nach durchbrochenen Stereotypen weiter. Eine wichtige Erkenntnis: Die Missionsarbeit von EBM INTERNATIONAL ist keine Einbahnstraße. Früher war es üblich und wurde auch allgemein akzeptiert, dass der globale Norden Missionare aussendet und der globale Süden empfängt. Das hat sich von Grund auf geändert. Missionsarbeit ist viel glaubwürdiger, wenn sie partnerschaftlich betrieben wird und es kein Hierarchiegefälle gibt.
Dr. Michael Kißkalt, der Generalsekretär von IBM INTERNATIONAL, wies am Schluss des Abends darauf hin, dass durch ihre Missionsarbeit pro Jahr etwa anderthalb Millionen Menschen erreicht werden. Auch er betonte, wie wichtig es ist, in den Dialog zu treten und hinzuhören – auch um ganz praktische Hilfe anzubieten. Dabei führte er ein interessantes Beispiel aus der Türkei an: Junge Menschen strömen in die Gemeinden, weil sie gehört haben, dass man dort frei reden könne und ernst genommen werde. So üben sie Demokratie ein und hören ganz nebenbei etwas über Jesus. Kißkalt berichtete, dass er kurz vor seiner Abreise zur Bundeskonferenz die Nachricht bekommen habe, einer der leitenden Mitarbeiter von EBMI sei zusammen mit zwei anderen Baptistenpastoren im Nordosten Indiens überfallen und umgebracht worden. Er hat, nachdem er bereits Morddrohungen erhalten hatte, seinen Dienst nun mit dem Leben bezahlt. Als Christen, so Kißkalt, schweben wir nicht auf Wolke Sieben, sondern stellen uns der Realität, treten vor Gott und versuchen einen Weg zu finden, mit der Situation umzugehen.
Der Abend schloss mit dem Lied „Halte uns fest“, begleitet von Jan Primke und Band, die den Abend musikalisch umrahmt hatte – und zwar in drei Sprachen. So spiegelte sich die Vielfalt, die diesen Abend prägte, auch in diesem Lied wider.
Ein Artikel von Wolfgang Günter (Die Gemeinde)





