Neue Gottesdienstbesucher nach „Gott-sei-Dank-Fest“

38 Gemeinden feierten das Erntedankfest in diesem Jahr ausgelassen mit Nachbarn: Von der Pflicht zur Kür

Brackenheim – 38 Gemeinden im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden haben in diesem Jahr ihr Erntedankfest als Gott-sei-Dank-Fest gefeiert, zusammen mit Nachbarn und Freunden und einem ausgiebigen Essen. Das teilte der Referent im Dienstbereich Mission der Freikirche, Gunnar Bremer (Brackenheim bei Heilbronn), der Zeitschrift DIE GEMEINDE mit. Der Dienstbereich hatte das Konzept für das Fest entwickelt.

Einige Rückmeldungen aus den Gemeinden:
In Kassel wurde für das Fest die Gemeinde Möncheberg komplett umgeräumt und dekoriert. Im Gottesdienst, der erst um 11 Uhr begann, gab es einen Aktionsteil für die Teilnehmer. Zwei Chöre gestalteten das Programm. In seiner Predigt verwies Gemeindepastor Anton Tontchev darauf, dass Gott wolle, dass die Menschen ihn wahrnehmen. Er gebe die Fülle. Er wolle, dass die Menschen nicht nur ausreichend zum Leben haben, sondern, dass die Menschen mit Genuss leben könnten. Wie die Gemeinde berichtete, hätten den Gottesdienst und das anschließende Büfett auch Menschen besucht, die sonst nicht in der Gemeinde zu Hause seien.

Eine ähnliche Erfahrung machte die Gemeinde Stendal. „Das Fest war für uns ein voller Erfolg“, freute sich Gemeindeleiterin Dorothee Oesemann. Das Fest sei insofern „ein Wagnis“, weil die Gemeinde gerade zwei Wochen zuvor die Diensteinführung und Ordination ihres neuen Pastors gefeierte habe. Um für den Gottesdienst zu werben, habe die Jungschar im Wohngebiet 1.000 Einladungsflyer verteilt. Der Gottesdienst habe daraufhin 150 Besucher gezählt, 50 mehr als sonst. Fünf dieser Gäste hätten zudem auch die Gottesdienste an den nächsten Sonntagen besucht. „Das Fest war ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zur Kirche im und für das Wohngebiet“, so die Gemeindeleiterin.

Die Gemeinde Welzheim feierte gleich ein sechsstündiges Gott-sei-Dank-Fest im Zelt. Obwohl das Wetter schlecht gewesen sei, sei die Atmosphäre sei dennoch gut gewesen. Auch zahlreiche Gäste seien gekommen. Sie seien so begeistert gewesen, dass sie ausdrücklich für eine Wiederholung im kommenden Jahr plädiert hätten. Auch hier gab es Spiele, etwa ein Hören von Geräuschen, für die man dankbar sei. In der Predigt wurden die Besucher daran erinnert, dass es gut sei, „fröhlich zu geben“: „Wer gibt, hat mehr vom Leben.“

Die Gemeinde Westoverledingen-Ihren nutzte ihr Gott-sei-Dank-Fest, um den Politikern im Ortsbeirat und der Freiwilligen Feuerwehr zu danken. Beide Gruppen kamen vorbei – wobei die Feuerwehr sogar ein Löschfahrzeug mitbrachte. Der Ortsbrandmeister zeigte sich dabei positiv überrascht, weil in dem Ort offenbar bisher nur selten jemand auf die Idee gekommen sei, sich für die vielen ehrenamtlich geleisteten Stunden so zu bedanken. Mit einem Interview wurden Vertreter beider Gruppen in den Gottesdienst eingebunden. Auch Nachbarn schauten vorbei. Sie beteiligten sich sogar bei der Suche nach Antworten auf die Predigt. Dazu konnte man beschriebene Dank-„Früchte“ an einem Baum anbringen. Am Ende hingen dort 114 Antworten. Unter den 235 Besuchern des Gottesdienstes waren etwa 30 Gäste. Auch Familienmitglieder, die sonst nicht regelmäßig den Gottesdienst besuchen, waren in Ihren beim Gott-sei-Dank-Fest mit dabei. Das Fazit der Gemeinde fällt durchweg positiv aus: „Die Idee des Festes eignet sich in idealer Weise für eine Gemeinde, die ihre Pflicht – Erntedank - zu einer Kür machen will und dazu Menschen an diesem Sonntag Gemeindeleben erfahren lassen will.“

Bei strahlendem Sonnenschein feierte die Gemeinde Nordhorn ihr Gott-sei-Dank-Fest auf dem Parkplatz. Dazu waren zwei große Zelte mit Biertischgarnituren, Kletterturm und Hüpfburg aufgebaut worden. Es gab Crêpes, Zuckerwatte und ein reichhaltiges Schlemmerbuffet. Bei der Werbung für das Fest arbeitete die Gemeinde mit der Bäckerei Wintering zusammen, die in der Woche vor dem Fest ein „Gott-sei-Dank-Brot“ verkaufte und Flyer verteilte. Tatsächlich kamen viele Gäste zum Gottesdienst. Das „Kinderland“ zählte an dem Tag sogar 70 junge Besucher. Am Büfett gab es viele Salate, Grillfleisch, Nachtisch sowie Kaffee und Kuchen – und den ganzen Tag über lange Schlangen.

In Erlangen lud die Gemeinde in ihrer Nachbarschaft und in der Obdachlosenhilfe zu ihrem Erntedankfest mit Büfett ein. Tatsächlich habe dann der Leiter der Obdachlosentagesstätte mit einer Gruppe von 12 Roma vorbeigeschaut. Er hatte die Osteuropäer morgens unter einer Brücke angetroffen. „Unsere Gemeinde hatte ein offenes Herz für sie, auch wenn manche sich über diese Besucher wunderten“, erläuterte ein Gemeindemitglieder. Das Fest hatte sogar positive Folgen: Zwei Gemeindemitglieder luden zu einem Glaubenskurs auf Ungarisch ein, zu dem nun fünf der Roma regelmäßig vorbei schauen. „Wir sind gespannt, was Gott weiter tut“, heißt es in einem Bericht der Gemeinde.

Einen um 30 Prozent höheren Gottesdienstbesuch gab es in der Gemeinde Lörrach, wo eine Vertreterin der Stadtverwaltung den Dank der Gemeinde für das funktionierende Sozialwesen entgegennahm. Gerne hätte die Gemeinde auch Vertreter der umliegenden Sozialeinrichtungen begrüßt, doch niemand war der Einladung gefolgt. Gemeindepastor Jürgen Exner will sich nicht entmutigen lassen: „Da neue Ideen oft länger Zeit brauchen, wollen wir das nächstes Jahr noch einmal versuchen.“

Auch in der Gemeinde Neu-Anspach sei die Idee, das Erntedankfest zu entstauben, gut angekommen, teilte Gemeindereferent Detlef Kühne mit. Unter den rund 100 Besuchern seien etliche gewesen, die sonst nicht nur oder selten am Gemeindeleben teilnähmen wie Ehepartner oder andere Angehörige. : „Diese Leute haben sich sehr wohl gefühlt.“ Auch das Schlemmer-Buffett habe „allen super geschmeckt“.

Interesse am Gott-sei-Dank-Fest gab es auch in Holzminden. Doch ein Wasserschaden am Gemeindehaus verhinderte die Veranstaltung.

Klaus Rösler

Ein Artikel von Klaus Rösler