Reisebericht: Salz und Licht

Libanesische Baptisten engagieren sich gegen Armut

Mitte November reiste Pastor Frank Wegen als Vertreter der Europahilfe des BEFG (German Baptist Aid – GBAid) in den Libanon, um sich mit den Projektpartnern der Organisation zu treffen. In seinem Bericht schildert er bewegende Begegnungen und beschreibt die Früchte der Arbeit der Baptisten im Libanon. 

„Ich bin reich – ich habe zwei Frauen, 21 Kinder und Vieh!“  Der das sagt, ist ein 81 Jahre alter Sunnit in einem kleinen Dorf im Nordlibanon in Sichtweite der syrischen Grenze. In dieser ganzen Region verteilte die Baptist Society, einer der Kooperationspartner von GBAid, den Sommer über Hilfspakete an syrische Flüchtlinge und an libanesische Familien, die Syrer in ihren Häusern aufgenommen hatten. Die Flüchtlinge sind vielfach weitergezogen, aber zu den muslimischen Familien sind viele Kontakte erhalten geblieben. „Wir besuchen sie sehr regelmäßig und werden herzlich empfangen, es ist eine große Offenheit für das Evangelium da“, berichtet Shadi Saad, der Generalsekretär des libanesischen Baptistenbundes, mit dem ich unterwegs war und eine der sunnitischen Familien besuchte, die im Sommer Hilfspakete bekommen hatten.

Der ganze Ort scheint nur aus Geröll, Schlamm, Steinen und einfachen Häusern zu bestehen. Akkar, die nördliche Provinz, ist das Armenhaus des Libanon. 30,5 Prozent der Bevölkerung dort sind Analphabeten. Der Besuch bei der sunnitischen Familie war ein bewegendes Erlebnis: Im Wohnzimmer werden wir von den beiden Hausherren, zwei Brüdern, empfangen: Der ältere der beiden ist 93 Jahre alt, hat eine Frau und fünf Söhne, von denen vier anwesend sind. Der jüngere ist 81 Jahre alt, hat zwei Frauen und 21 Kinder, von denen das jüngste gerade mal 12 Monate (!!) alt ist. Mit einem zahnlosen Lachen sagt er, seine zweite Frau habe er ja schließlich auch erst mit 56 geheiratet, und da sei sie noch sehr jung gewesen. Das Wohnzimmer besteht aus Polstern auf dem Boden an den Wänden entlang, Teppichen, in der Mitte ein Ofen – und einem Fernseher. Ab und zu hören wir die Kühe muhen, Stall und Küche sind gleich nebenan. Die Damen des Hauses bekommen wir während des ganzen Besuches freilich nicht zu Gesicht. Wir machen eine gegenseitige Vorstellungsrunde. Einer der Söhne unserer Gastgeber sagt zu Shadi, er habe die Bücher gelesen, die Shadi ihm gegeben habe und sie hätten ihn sehr bewegt. Und er hätte ein Anliegen, ob wir für ihn beten könnten. Mittlerweile sind noch zwei Gemeindemitglieder einer nahegelegenen Baptistengemeinde eingetroffen, die diese Familie jetzt regelmäßig besuchen. Jeder erzählt ein bisschen von sich und seinem Glauben an Jesus. Am Ende beten wir für die Anliegen der Leute. Sehr bewegend für mich: Während wir zu Jesus Christus beten, ertönt draußen der Gebetsruf des Muezzins – und wir beten zu dem einen wahren Herrn Jesus Christus in einem sunnitischen Haus.

Dieser Besuch war für mich eine lebendiges Beispiel dafür, welche Früchte die Arbeit der Baptisten in Akkar trägt. Durch die Hilfe für die syrischen Flüchtlinge sind die Baptisten auch verstärkt auf die Situation und die Armut in der libanesischen Provinz aufmerksam geworden. In den letzten Wochen und Monaten haben sie daher ein Projekt entwickelt, das im Frühjahr starten soll: Akkar hat landesweit die geringste Rate von Kindern, die einen Schulabschluss schaffen. Deshalb soll es an drei Nachmittagen in der Woche ein Förderprogramm geben, das weit über Hausaufgabenhilfe hinausgeht und die Kinder begleitet und trainiert, damit sie ihren Schulabschluss schaffen und einen Beruf erlernen können. Das geht nur, wenn man auch die Familien in den Blick nimmt und gleichzeitig Elternarbeit macht. Ein Team aus drei Lehrern und mehreren Ehrenamtlichen steht in den Startlöchern. German Baptist Aid will helfen, dass dieses Projekt ins Leben kommt und unterstützt diese Arbeit in Akkar.

Ein weiterer Höhepunkt des Besuches bei den Partnern von German Baptist Aid im Libanon war die Veröffentlichung der groß angelegten wissenschaftlichen Studie „Profiles of Poverty“, die ebenfalls durch GBAid gefördert wurde. Herausgeber ist die Baptist Society in Zusammenarbeit mit World Vision. Die Studie analysiert, wie sich Armut im Libanon äußert und wo sie zu finden ist. Die Vorstellung des Buches fand in der Assembly Hall der AUB (American University Beirut) statt. Protokollarischer Höhepunkt war das Grußwort des libanesischen Sozialministers. Drei Fernsehsender und viele Pressevertreter waren anwesend. Der Daily Star, die größte englischsprachige Zeitung im Libanon, berichtete auf der dritten Seite in einem ausführlichen Artikel.  

Mein Fazit von Reise: Ich bin sehr beeindruckt, mit welcher Leidenschaft sich die libanesischen Baptisten in der Gesellschaft engagieren und tatsächlich Salz und Licht sind, das gesehen wird“.

Frank Wegen


Spenden für das Bildungsprojekt in Akkar nimmt German Baptist Aid gern entgegen: Projekt-Nr. P 45 171, Konto 33308, BLZ 500 921 00 (SKB Bad Homburg). 

Ein Artikel von Frank Wegen