
Foto: David Vogt
Segen ist keine Einbahnstraße
Konferenzabend „Segen bewegt … UNS“: Generationen im Gespräch
Wie kann Segen zwischen den Generationen fließen? Dieser Frage widmete sich der Konferenzabend „Segen bewegt … UNS“ im Rahmen der Bundesratstagung. Unterschiede und Annäherung wurden durch in ein interaktives Bühnenformat sichtbar.
Moderatorin Lea Herbert, Leiterin des Dienstbereichs Kinder und Jugend im BEFG, eröffnete den Abend mit einem Gedanken, der sich durch die gesamte Veranstaltung zog: „Segen ist keine Einbahnstraße.“ Junge Menschen könnten durch ältere gesegnet werden – und ältere durch jüngere. Grundlage dafür sei Begegnung auf Augenhöhe.
Dafür wurde ein besonderes Gesprächsformat gewählt: Auf der Bühne war ein begehbares Spielfeld aus farbigen Linien aufgeklebt, das wie ein offener rechter Winkel angelegt war. Vor jeder Frage nahmen die sechs Diskussionsteilnehmenden zwischen 17 und 66 Jahren ihre Ausgangsposition ein. Antwortete jemand, konnten die anderen sichtbar reagieren: Wer zustimmte, rückte näher heran, wer anderer Meinung war, blieb auf Abstand oder ging weiter weg. So wurde während des gesamten Abends sichtbar, wo Nähe entstand, wo Unterschiede blieben und wie Gespräch Veränderung ermöglicht. Thomas, Noa, Anja, Harald, Johanna und Elias, die nur mit ihren Vornamen vorgestellt wurden, kamen auf diese Weise in einen lebendigen Austausch über Kirche, Gesellschaft, Angst und Hoffnung.
„Was braucht deine Generation?“, lautete die Einstiegsfrage an die Gesprächsteilnehmerinnen und Gesprächsteilnehmer. „Meine Generation ist voll energiegeladen und eine extrem laute Generation“, stellte die 23-jährige Noa fest. „Wir brauchen es aber, dass uns zugehört wird und wir uns gehört fühlen, weil wir echt coole und schlaue Sachen zu sagen haben.“ Diese Aussage ergänzte die 17-jährige Johanna. Sie wünschte sich zudem, dass ältere Menschen die jüngeren unterstützen und ihnen Zuversicht vermitteln.
Die ältere Generation hob hervor, dass sie ihre Verantwortung sehr bewusst wahrnehme. Harald, der zu den sogenannten „Boomern“ gehört, sprach davon, dass seine Generation „ein Herz für die jüngere Generation“ brauche. Und Thomas warb für mehr Mut und gesellschaftliches Engagement: „Wir ruhen uns zu sehr auf dem aus, was unsere Eltern oder wir erreicht haben.“ Anja, 53 Jahre alt, wünschte sich, dass Ältere bewusst Platz machen und jüngeren Menschen Verantwortung zutrauen.
Immer wieder ging es um die Frage, wie Kirche oder Gemeinde Segen weitergeben könne. Die Teilnehmenden träumten von einer generationenübergreifenden, inklusiven und gesellschaftlich relevanten Kirche. „Wo in der Gesellschaft kommen sonst alle Generationen zusammen?“, fragte Elias, Pastor für Junge Gemeinde. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Kirche nicht nur um sich selbst kreisen dürfe, sondern stärker auf gesellschaftliche Themen eingehen müsse. „In Fragen der Schöpfungsgerechtigkeit und Klimagerechtigkeit muss in unseren Gemeinden noch viel, viel mehr passieren“, nannte Anja als Beispiel.
Zukunftsängste, Polarisierung, Fake News und fehlende Gesprächsbereitschaft zwischen den Menschen beschäftigten viele auf dem Podium. Harald, viele Jahre Pastor im BEFG, beschrieb seine Sorge über gesellschaftliche Gräben: „Man redet nicht mehr miteinander, schon gar nicht mit Leuten, die eine anderer Meinung haben.“ Gemeinden könnten Modell-Orte für Gespräch und Zuhören sein. Auch Johanna sagte: „Ich glaube, es wird viel geredet, aber nicht mehr miteinander und weniger überprüft.“ Dass Gemeinde ein Ort sei, an dem zugehört werde, komme zwar vor, sei aber ihrer Erfahrung nach zu wenig der Fall. Thomas sagte von sich: „Ich persönlich spüre keine Angst.“ Noa hingegen machte deutlich, dass ihr vieles in der aktuellen gesellschaftlichen und weltpolitischen Entwicklung Angst mache, sie sich davon aber nicht lähmen lassen wolle. Dies unterstrich Elias, indem er das biblische „Fürchte dich nicht“ so interpretierte: „‚Fürchte dich nicht‘ bedeutet: Angst ist da, Hoffnung ist da und Trost ist da, weil Gott da ist.“
Dass junge Menschen nicht einfach pauschal beurteilt werden wollen, wurde ebenfalls deutlich. Mehrere Teilnehmende widersprachen dem Vorwurf, die junge Generation sei unengagiert. Elias schilderte die Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher und führte aus, dass junge Erwachsene einer permanenten Konfrontation mit Krisen ausgesetzt seien, die oftmals Ohnmachtsgefühle auslösen könnten. „Viele möchten sich engagieren, sehen aber keinen Raum, wo sie gehört werden“, sagte Noa.
Im letzten Teil des Abends wurde die Frage nach der Hoffnung gestellt. „Mir macht Hoffnung, wenn Leuten im Namen Jesus zusammenkommen“, sagte Johanna. „Auch wenn sie mit ihrer Angst kommen, gibt es mir Hoffnung, denn alles, was man teilt, wird irgendwie einfacher.“ Und auch Anja stellte fest: „Mir gibt so ein Abend wie heute Abend Hoffnung, dass verschiedene Generationen miteinander ins Gespräch kommen über Themen, die uns bewegen, in dieser Wertschätzung, die wir heute Abend erlebt haben.“ Und sie schloss sich vorangegangenen Voten an: „Wenn wir Jesus nicht hätten, hätten wir ohnehin keinen Grund zur Hoffnung.
Währenddessen kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Spielfeld Schritt für Schritt aufeinander zu. Dieser sichtbare Moment inspirierte auch den Abschlusssatz von Moderatorin Lea Herbert: „Wenn man über Hoffnung spricht, rückt man näher zusammen.“
Musikalisch wurde der Abend von der BUJU-Band gestaltet.
Ein Artikel von Julia Grundmann





