Stadt- und Landgemeinden: Missionale Gemeindeentwicklung

Bericht über die EBF-Missionskonferenz im rumänischen Arad

Die Konferenz der Missionsleiter der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) im Juni 2012 befasste sich mit der missionarischen Entwicklung von christlichen Gemeinden im ländlichem und im städtischen Raum. Tagungsort war ein Freizeitzentrum des rumänischen Baptistenbundes in einer ländlichen Umgebung im Südosten von Arad in Siebenbürgen. Geleitet wurde die Konferenz von Michael Kißkalt, der als Evangelisationsreferent für den BEFG-Dienstbereich Mission arbeitet und der die Missionsabteilung der EBF leitet. Lesen Sie hier seinen Bericht. 

Stuart Murray Williams, britischer Spezialist für die Entwicklung von Gemeinden im städtischen Umfeld und Leiter der Initiative „Urban Expression“, erläuterte die Entwicklung christlicher Gemeinden in Ballungsgebieten in Großbritannien und zeigte die Bedeutung von Städten in den Texten der Bibel auf. So seien die Missionsaktivitäten des Apostel Paulus auf Städte konzentriert gewesen, und von hier habe sich sich das Evangelium in die ländliche Umgebung ausgebreitet. In diesem Sinne ermutigte Stuart Murray Williams die Teilnehmenden der Konferenz, sich den urbanen Herausforderungen offen zu stellen, anstatt sich in den bürgerlichen Vororten zu verstecken. Ian Bunce, der Missionsdirektor des britischen Baptistenbundes, erzählte lebhaft von den wechselhaften Wegen vieler Landgemeinden in seiner Heimat. So habe es lange Zeit eine regelrechte Landflucht gegeben, wohingegen mittlerweile wieder viele Städter den Weg aufs Land suchten und damit die ländlichen Gemeinden stärkten. Allerdings, so Bunce weiter, brächten viele damit ihre urbane Denkweise mit aufs Land und könnten sich nur schwer auf das vergleichsweise enge soziale Leben in den Dörfern einlassen. Doch gerade hier sei eine Anpassung nötig, damit Gemeinde auf dem Dorf erfolgreich sein könne.

Angeregt diskutierten die 25 Konferenzteilnehmer aus 15 Ländern jeweils aus ihrer eigenen Perspektive über die Erfahrungen aus England. Vieles von dem konnten sie bestätigen, etwa die Herausforderungen in Großstädten durch das Zusammenleben vieler Kulturen und Religionen, durch Individualismus und ein konsumorientiertes Lebenskonzept. Meist jedoch ist die baptistische Bewegung stärker mit dem ländlichen Raum verbunden. Eine zunehmende „Urbanisierung“ bereitet vielen Gemeinden Probleme. In Rumänien etwa ziehen viele Menschen vom Land in die Städte, sodass sich die Landgemeinden leeren, während die Gemeinden in den Städten boomen. Ein ebenso eindrückliches wie bedenkliches Beispiel hierfür ist die Dorfgemeinde am Tagungsort, die früher über 20 Mitglieder hatte. Heute sind es nur noch sieben. Wenn der gesellschaftliche Trend zur Urbanisierung und die eher ländlich-konservativ geprägte Mentalität vieler Gemeinden aufeinander prallen, entstehen manche Spannungen.

In meinem Vortrag bin ich auf die Frage eingegangen, wie Gemeinden sich mit gemeindlichen und gesellschaftlichen Veränderungsprozessen bewusst auseinander setzen und somit Krisensituationen meistern können. Nur indem sie sich den Herausforderungen, die durch Veränderungen entstehen, bewusst stellen, können sie missionarische Gemeinden werden und bleiben. Hier spricht man von missionaler Gemeindeentwicklung. Missionarisch werden Christen nicht dadurch, dass sie von Leitenden gesagt bekommen, was sie tun müssten, sondern indem sie durch die weise Unterstützung der Leitenden ihre Missionsberufung selbst entdecken.

Besonders betroffen waren die Konferenzteilnehmer von Berichten über die Christenverfolgung in Turkmenistan. Der syrische Teilnehmer berichtete von der schweren Situation in seinem Land; auch er sei betroffen von der vielen Gewalt und Unmenschlichkeit, doch sei die Situation oft zu unübersichtlich, um klare Schuldzuweisungen auszusprechen. Die Entwicklung der Baptistengemeinden in seiner Heimat sei trotz aller gesellschaftlicher Bedrängnisse sehr ermutigend.

Die nächste Missionstagung der EBF findet im Juni 2013 in Wien statt. Thema ist dann: „Make Churches relevant for Culture“ (Gemeinde fit machen für interkulturelle Begegnung und Mission).

Michael Kißkalt

Ein Artikel von Michael Kißkalt