Vergebung der Sünden und Befreiung der Armen Missionskonferenz

“Edinburgh 2010”: Erinnerung an die Geburtsstunde der Ökumene

Edinburgh – Mission heute bedeutet „die Verkündigung der guten Nachricht von der Errettung, der Vergebung der Sünden, des Lebens in Fülle und der Befreiung der Armen und Unterdrückten“. Das haben die 300 Delegierten aus 60 Ländern in der Schlusserklärung der Missionskonferenz „Edinburgh 2010“ zum Ausdruck gebracht. Sie fand vom 2. bis 6. Juni aus Anlass der ersten Weltmissionskonferenz vor 100 Jahren in der schottischen Hauptstadt statt.
Unter den Delegierten waren auch offiziell vier Vertreter des Baptistischen Weltbundes (BWA), darunter der Generalsekretär der Europäischen Baptistischen Mission (EBM), Christoph Haus (Elstal bei Berlin). BWA-Generalsekretär Neville Callam (Falls Church bei Washington) war verhindert. Zehn weitere Baptisten nahmen als Vertreter von Missionswerken und andere Organisationen an den Beratungen teil. Wie es in dem „Gemeinsamen Aufruf“ weiter heißt, seien der „aufrichtige Dialog“ mit Menschen anderen Glaubens und jenen ohne Glauben sowie das „demütige Zeugnis“ der Einzigartigkeit Jesu Christi Teil der Weltmission. Christen sollten „mitfühlende und heilende Gemeinschaften“ bilden. Jesus fordere dazu auf, alle Menschen zu Jüngern zu machen - „Arme, Reiche, Ausgegrenzte, Ignorierte, Mächtige, Menschen mit Behinderung, Junge und Alte“. Die Weltmissionskonferenz von 1910 gilt als Geburtsstunde der ökumenischen Bewegung. An der jetzigen Tagung nahmen Vertreter von evangelischen, orthodoxen, anglikanischen und evangelikalen Kirchen sowie der römisch-katholischen Kirche teil.

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit (Genf), sagte in seiner Schlusspredigt, bei der Mission gehe es um das Mitteilen der christlichen Botschaft und das Teilen materieller Güter:
„Es ist nicht möglich, das Evangelium mitzuteilen, ohne das mit anderen zu teilen, was wir haben.“ Ein Haupthindernis sei die Habgier. Zu den „hässlichsten Beispielen“ zähle die „Kluft wirtschaftlicher Ungerechtigkeit“ als Folge der Ausbeutung des Südens und der sich ebenfalls weitende Abstand zwischen den Reichsten und den Ärmsten in allen Ländern.
Auf der Konferenz wurde die Bedeutung des gegenseitigen Austauschs betont:
Christen aus dem Westen könnten viel von jenen im Osten lernen und Christen im Norden brauchten mehr Demut, um vom Süden zu lernen. Während die Kirchen auf der Südhalbkugel teilweise stark wachsen, stagnieren jene im Norden.

Die Referentin für Evangelisation bei der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), Pfarrerin Claudia Währisch-Oblau (Wuppertal), sagte in einem Interview, Mission gehe heute in alle Richtungen. Die meisten Missionare kämen heute aus Korea, Brasilien und Nigeria. In zunehmendem Maße kämen afrikanische Missionare nach Europa. Sie sagten: „Wir sehen, dass eure Kirchen sterben. Wir sind berufen, euch Erweckung zu bringen.“ Dagegen rege sich Abwehr in deutschen Kirchen: „Wir sind nicht defizitär.“ Deutschen Kirchengemeinden falle es schwer, Zuwanderer zu integrieren.

Wie Haus sagte, seien im Bereich der Mission „die Gräben zwischen den Kirchen längst nicht so tief, wie bei anderen theologischen Auseinandersetzungen.“ Wörtlich meinte er: „Mission schafft Einheit.“ Durch die Beteiligung vieler neuer Kirchen aus Afrika und Asien sei deutlich geworden, dass Mission - im Gegensatz zur vor 100 Jahren - heute keine Einbahnstraße sei, sondern eine „weltweite Bewegung“. Manche Beiträge von Delegierten aus Afrika und Asien hätten vor allem europäischen und amerikanischen Missionsgesellschaften zu Denken zu geben, wenn kritisiert worden sei, dass die Weltmission lange und oft ihre Macht missbraucht habe und sie in wirtschaftliche Abhängigkeit geführt habe. Haus würdige ein selbstkritisches Fazit der Konferenz, nach dem Mission nicht das sei, was Kirchenleiter sagen und Synoden verkündigen, sondern was einzelne Christen in ihrem Alltag leben.

Ein Artikel von Klaus Rösler