Bund aktuell Nr. 5 | 21. Mai 2026
Lieber Leserin, lieber Leser,
Ich grüße euch ganz herzlich hier aus Kassel von unserer Bundesratstagung. Gerade eben ist sie zu Ende gegangen, und wir machen uns nun wieder auf den Weg zurück nach Hause – zurück in unsere Gemeinden vor Ort.
Ich bin noch ganz erfüllt von der gemeinsamen Zeit. Wir haben miteinander auf Gottes Stimme gehört und uns im Glauben gestärkt. Wir haben miteinander gefragt, wie die Zukunft unseres Bundes gestaltet und wie junge Menschen beteiligt werden können. Es war zu spüren, wie viel schon längst neu entstanden ist. Unsere Ordnungen wurden angepasst, damit die neue Struktur jetzt ins Leben kommen kann. Ich wusste gar nicht, wie viel Begeisterung eine neue Verfassung auslösen kann.
In all den Debatten und dem gemeinsamen Ringen wurde für mich immer wieder erlebbar, dass Gott uns als Bund zusammengestellt hat und dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen – auch für gesellschaftliche Veränderungen, die wir in der Welt wahrnehmen. Wir haben unsere Stimme erhoben und deutlich gemacht: Jedes Leben ist von Gott gegeben und gleich kostbar. Wir glauben an Jesus Christus, der auf der Seite der Entrechteten steht, und folgen seinem Aufruf zu Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe.
Wir haben uns inspirieren lassen durch tiefgehende Bibelarbeiten und im Gottesdienst. Unser Blick wurde geweitet durch bewegende Worte und Perspektiven von EBM INTERNATIONAL und dem GJW. Es war gut und wichtig, diese Perspektiven zu hören und einander besser zu verstehen. Und ich bin dankbar für all die engagierten Geschwister, die sich eingebracht haben und den Bundesrat zu dem gemacht haben, was er war. Für mich war die gemeinsame Zeit ein großer Segen, der uns als Bund und unsere Gemeinden in Bewegung bringt.
Wir kommen aber auch von Christi Himmelfahrt. In der Apostelgeschichte ist es ganz schön beschrieben: Jesus fährt in den Himmel auf und verschwindet in den Wolken. Die Jünger stehen weiter unten auf der Erde und schauen hoch in den Himmel. Sie starren wie gebannt nach oben. Ich stelle mir vor, wie sie ihren eigenen Augen nicht trauen können. Wie in Schockstarre bleiben sie stehen und schauen ihrem Herrn hinterher. Sie wollen den Moment festhalten. Denn den Blick abzuwenden würde bedeuten, dass es wirklich vorbei ist – dass Jesus wirklich weg ist.
Und dann wird beschrieben, wie zwei Männer in strahlend weißen Gewändern – nennen wir sie Engel – neben ihnen erscheinen und die Jünger fragen: „Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und schaut in den Himmel?“ (Apostelgeschichte 1,11)
Den Blick in den Himmel zu werfen, ist gut und auch wichtig. Und doch dürfen wir da nicht stehen bleiben, denn das würde Stillstand bedeuten.
Die Engel rütteln die Jünger wach und ermutigen sie dazu, loszugehen und ihre Berufung zu leben, das umzusetzen und zu leben, was sie von Jesus verstanden und gelernt haben.
Die Bundesratstagung ist für mich ein bisschen wie dieser „Blick zum Himmel“. Wir richten uns gemeinsam auf den einen Herrn aus. Wir loben und feiern ihn. Wir tanken miteinander in seiner Gegenwart auf, genießen den Moment und die Gemeinschaft. Und doch können wir hier nicht stehen bleiben.
Denn Jesus sendet uns zurück in unseren Alltag, in unsere Gemeinden, zu unseren Nächsten und in die Welt hinein. Da ist es wichtig, dass wir nicht nur nach oben schauen, sondern mit dem Geist im Herzen den Realitäten des Lebens ins Auge blicken und das, was wir von Jesus gelernt haben, auch zu den Menschen bringen. Die Inspiration soll uns stärken, um dann wiederum andere Menschen zu inspirieren. Mein Gebet ist, dass viel von dem, was wir miteinander erlebt und gedacht haben, auch Früchte trägt in der konkreten Gemeindearbeit vor Ort. Dass der Segen weitergetragen wird in unser konkretes Lebensumfeld und in die Dienste, in denen wir stehen.
Gott baut seine Gemeinde nicht, damit wir es schön kuschelig und heilig haben. Er baut sie, damit wir – genau wie die Jünger – befähigt werden, dorthin zu gehen, wo das Leben zerbrechlich ist: zu den Notleidenden, den Suchenden, den Hoffnungslosen. Er sendet uns in die Nachbarschaften unserer Gemeinden, in die sozialen Brennpunkte, in die Seniorenheime und Kitas. Die Kraft des Heiligen Geistes, auf die wir immer wieder neu warten, ist nicht für die „Himmel-Momente“ gedacht; sie ist für den Alltag und unsere Berufung mitten im Leben.
Ihr geliebten Kinder Gottes, was steht ihr da und schaut in den Himmel? Geht los, lebt los, lasst euch senden und dafür ausrüsten. Schaut in die Welt und erlebt, dass Jesus nicht nur im Himmel ist, sondern mitten in unserer Welt und in deinem Alltag.
Unsere neuen Strukturen sollen uns dabei helfen. Sie sollen Gemeinden stärken, ihre eigene Berufung neu zu erkennen. Sie sollen uns als Bund mehr Freiraum geben, um miteinander an Themen zu arbeiten und Innovationen zu entwickeln. Möge Gott es uns schenken!
Und nun gehen wir auf Pfingsten zu. Ich wünsche uns allen diese heilige Unruhe der ersten Jünger, die Gottes Wirken erwarten und bereit sind, sich senden zu lassen. Damit wir merken: Da kommt noch was! Die Geschichte Gottes ist hier nicht zu Ende, sondern Gott schreibt sie mit uns weiter. Jesus wird sichtbar durch uns. Auf seine Gegenwart dürfen wir uns verlassen.
Und so segne euch der lebendige Gott an den Orten, an denen ihr seid, auf der Erde, auf der ihr steht. Er schenke euch Mut für neue Schritte und das Vertrauen auf Gottes Geist, der in euch lebt.
Pastorin Natalie Georgi (Präsidentin)