Den christlichen Glauben im Alltag vermitteln
German Baptist Aid unterstützt offene Arbeit in Ostpolen
Seit vielen Jahren unterstützt German Baptist Aid eine offene Jugendarbeit im polnischen Białystok. GBAid-Projektkoordinator Matthias Dichristin berichtet über seinen Besuch vor Ort.
In zwölf Stunden kann man mit dem Flixbus direkt von Berlin nach Białystok fahren. Von dort sind es nur noch knapp 50 Kilometer bis zur weißrussischen Grenze. Białystok ist mit fast 300.000 Einwohnern die einzige Großstadt in der Region. Die Stadt war schon immer ein Ort der kulturellen Vielfalt. Für uns Deutsche ist Białystok mit großer Schuld verknüpft: Während des Zweiten Weltkrieges wurde die gesamte jüdische Bevölkerung der Stadt in die Vernichtungslager Treblinka und Ausschwitz deportiert. Bis zu 60.000 Jüdinnen und Juden aus Białystok verloren dort ihr Leben. Auf diesem Hintergrund bin ich dankbar, dass German Baptist Aid seit vielen Jahren gute Kontakte in die Stadt hält und die offene Jugendarbeit von Ryszard Gutkowski unterstützt.
Ryszard lebt mit seiner Frau Eva seit 25 Jahren in einem Kiez, den wir Berliner als Plattenbauviertel bezeichnen würden. So lange ist er auch schon als Sozialarbeiter in dem Stadtteil unterwegs und prägt mit einer offenen Jugendarbeit das Leben von vielen Menschen. Eigentlich ist Ryszard Biologe und bis heute stolz auf die Labore, die er als Berufseinsteiger an der Uni vor dem Fall des Eisernen Vorhangs mit aufgebaut hat. Hier hat er auch Eva kennengelernt, die aus Białystok stammt.
Gott wollte aber nicht, dass das Ehepaar in Białystok bleibt: In den 90ern waren Gutkowskis viele Jahre in Warschau, wo Ryszard als Generalsekretär den polnischen Baptistenbund geleitet hat. Auch davon erzählt er begeistert: Von den Kontakten nach Deutschland, wie ihn Eckhard Schaefer und Walter Zeschky als Leiter des BEFG beeindruckt haben und wie inspirierend und mutig damals für ihn der Bau des Campus in Elstal war. Wir reden viel über die aktuellen Veränderungen in unserem Bund und ich bin bewegt davon, wie interessiert Ryszard und seine Frau bis heute sind.
Aber wie sollte es bei solchen Menschenfreunden auch anders sein? Wer kommt schon auf die Idee, nach einem Job in der Kirchenleitung zurück in einen Stadtteil zu ziehen, der voll von Herausforderungen ist. Ryszard lebt bis heute seine Berufung, mitten im Alltag der Menschen ihr Leben zu prägen. Er teilt sein Leben und seinen Glauben im Kiez und wird von allen respektvoll gegrüßt und als gute Seele an jeder Straßenecke erkannt. Mit nun schon 70 Jahren öffnet er bis heute seinen Jugendclub an vier bis fünf Nachmittagen in der Woche und bietet Jugendlichen die Chance, zu spielen, etwas Sport zu machen oder einfach ein offenes Ohr zu finden. Immer wieder werden kleine Tischkicker- oder Dartturniere in den Räumen angeboten, manche kochen zusammen, machen ein bisschen Krafttraining oder planen gemeinsam große Fußballturniere für den Stadtteil.
Ryszard erzählt davon, dass viele Jugendliche in dem Kiez große Probleme haben, die sich oft auch in Gewalt und Aggression äußern. Er behält dabei aber immer einen offenen und wertschätzenden Blick auf die Lebenssituation der Menschen: „Ich habe aber auch gesehen, dass sie nicht genug Möglichkeiten hatten, ihre Freizeit nach der Schule zu gestalten. Dieser Club gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Zeit in guter und Art und Weise zu nutzen.“ Hier in Białystok lebt, was wir im Dienstbereich Mission missionale Arbeit nennen. Bei Ryszard klingt das so: „Ich bin sehr glücklich, mit ihnen zu arbeiten und mein Leben als Christ zu teilen und im Alltag den christlichen Glauben zu vermitteln.“
8. Juli 2025
Matthias Dichristin
