Ein Jahr der stillen Katastrophen

Hilfe an Orten, die wenig mediale Aufmerksamkeit erhielten

Krieg - Hunger - Terror - Angst - Hoffnung - Flucht - Leid - Not - Überforderung

Die schlechten Nachrichten waren im Jahr 2025 kaum zu ertragen. Aber es gibt Hoffnung! Kann man sie noch entdecken in diesen Tagen? So wie in der Mitte der obenstehenden scheinbar hoffnungslosen Worte? Die Katastrophen im Jahr 2025 waren zwar an manchen Stellen laut in den Medien: Das Erdbeben in Myanmar. Der Krieg im Nahen Osten. Der Hurricane Melissa in der Karibik. Aber selbst bei diesen Fernsehbildern blieb oft die leise bohrende Frage, wie Hilfe möglich ist, wenn nicht einmal groß organisierte Hilfstransporte zu den Menschen kommen.

Inmitten dieser vielen unterschiedlichen Bilder, die sich in unseren Köpfen festgesetzt haben, bleibt das Leid durch den Krieg in der Ukraine präsent. Dank der treuen Unterstützung von einigen Gemeinden und Geschwistern konnten wir auch in 2025 mit mehr als 200.000 Euro helfen. Über den Sommer wurden Nahrungsmittelhilfen in der Ostukraine verteilt und wir haben die schnelle Evakuierung von Menschen finanziell unterstützt, die kurzfristig ihre Heimat verlassen mussten, weil sie unter direktem Beschuss standen. Alle diese Hilfe passiert weiter über lokale Baptistengemeinden. Daher ist auch die von uns geleistete Winterhilfe entscheidend: Gemeinden bleiben durch diese finanzielle Unterstützung Zufluchtsorte, wo Menschen sich aufwärmen, warme Mahlzeiten erhalten und auch ein offenes Ohr für ihre Sorgen finden. Diese Hilfe findet im großen Rahmen unter der Federführung der Europäisch-Baptistischen Föderation (EBF) statt.

Die Kontakte im Rahmen der EBF ermöglichten im Sommer auch eine Hilfe von 10.000 Euro an Gemeinden in der Westbank und im Gazastreifen. Pastor Munir Kakish arbeitet seit vielen Jahrzehnten als Pastor in der Westbank und vertritt die Region in den Strukturen der EBF. Die Baptistengemeinden im Gazastreifen besucht er regelmäßig und so wurde im Sommer in der Westbank und in Gaza 100 Familien mit Nahrung und medizinischer Versorgung geholfen. Als deutscher Bund unterstützen wir in Ramallah zusätzlich seit 2023 eine Gemeindearbeit mit über 6000 Euro, wo der Pastor viel mit jungen Menschen arbeitet. Sein Engagement ist ein Hoffnungsschimmer, weil er die junge Generation verändert und damit ein Hoffnungsbeitrag für Versöhnung in der Region.

Eine Besonderheit war im letzten Jahr, dass wir in Myanmar und Sri Lanka über Kontakte von internationalen Gemeinden nach dem schweren Erdbeben und nach einer Flutkatastrophe helfen konnten. Thomas Klammt organisiert als Referent für Integration seit vielen Jahren das Netzwerk der internationalen Gemeinden in unserem Bund. Darüber konnten wir in beiden Ländern durch direkte Kontakte zu Ortsgemeinden Hilfe leisten. Viele Familien haben in großer Not Nahrungsmittelhilfe und wichtige Gegenstände, wie Decken, Matratzen oder Kochutensilien erhalten. Viele Organisationen auch im baptistischen Kontext hat die Frage beschäftigt, wie man gut und sicher Hilfe und Geld nach Myanmar bekommen kann: über die lokalen Gemeinden und direkte Beziehungen zu Einheimischen ist uns das schnell gelungen.

Die Kooperation mit EBM INTERNATIONAL im Bereich der Katastrophenhilfe war wieder besonders segensreich. Dort wo EBM INTERNATIONAL langfristig durch einheimische Projektpartner hilft, kommt im Falle einer Katastrophe innerhalb von wenigen Tagen durch unseren Fonds Hilfe an. Oft starten die Hilfsaktionen sofort nach der Katastrophe schon Tage bevor Geld fließt: Die Partner wissen, dass Gemeinden in Deutschland treu an der Seite ihrer Geschwister stehen. So haben sich nach dem Hurricane Melissa Gemeindegründer in Ostkuba sofort mit LKWs und Hilfsgütern auf den Weg gemacht, um Menschen zu helfen, die durch den Tropensturm alles verloren haben. In Indien wurde nach dem Zyklon Montha im Herbst an drei unterschiedlichen Orten geholfen und im Frühjahr war die Region Manipur im Norden des Landes so stark überflutet, dass zigtausende Menschen ihre Heimat verloren haben. Zweimal konnten Gelder für Malawi zur Verfügung gestellt werden, wo die Ernten aufgrund von langen Dürreperioden seit Jahren schlecht ausfallen. Viele Menschen in Flüchtlingslagern, wo die Baptist Convention of Malawi hilft leiden darunter und sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen, die sie auf diesem Weg erreichen.

Viele dieser letzten Beispiele werden uns weiter verstärkt beschäftigen und oft keine große mediale Aufmerksamkeit erhalten. Es sind die hartnäckigen Folgen des Klimawandels, die Menschen im globalen Süden schon länger mit voller Wucht treffen. Extremwetterereignisse, lokale Fluten, Dürren und Stürme nehmen punktuell Menschen jegliche Lebensgrundlage und haben verheerende zerstörerische Auswirkungen. Neben dem Katastrophenfonds konnten wir dafür einen Klimafonds im letzten Jahr einrichten, wo Spenden dringend benötigt werden, um auch 2026 weiter in solchen Situationen helfen zu können. So wird der weltweite Leib Christi ein echtes Hoffnungszeichen inmitten von Leid und Dunkelheit. Und wir in Deutschland füllen das aus, was Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther in Kapitel 12, 26a schreibt: Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit.

Matthias Dichristin
Januar 2026