Weihnachten 2025

In ihm war das Leben, 
und das Leben war das Licht der Menschen. 
Und das Licht scheint in der Finsternis, 
und die Finsternis hat's nicht ergriffen. 
Johannes 1,4-5

Gesegnete Weihnachten und ein neues Jahr voller Licht und Zuversicht!

Weihnachtsandacht BEFG-Präsidentin Natalie Georgi

Siehe, dein König kommt

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“
Sacharja 9,9a

Es ist Dezember.
Wir tragen dicke Wintermäntel, um uns zu wärmen.
Wir zünden Lichter an, damit das Dunkel nicht zu stark wird.
Wir bereiten uns vor, denn es soll Weihnachten werden.
Und dann stolpern wir durch Termine, durch die Weltlage,
durch die eigene Müdigkeit und in die hohen Erwartungen.
Und irgendwo zwischen Einkaufsliste und Nachrichtenlage
regt sich eine alte, leise Frage:
Worauf warten wir eigentlich?
Worauf bereiten wir uns vor?
Da flüstert eine Stimme durch die Jahrhunderte:
„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ 

Siehe.
Ein kleines Wort.
Ein altbekannter Aufruf, der es in sich hat.

Siehe –
das heißt:
Schau hin.
Wach auf.
Heb den Blick.

Denn da kommt jemand.
Nicht irgendeiner.
Nicht ein weiterer Name auf der Liste der Mächtigen,
nicht ein König, der laut ist,
der droht,
der überrollt.
Nein.
Dein König kommt.
Zu dir. Höchstpersönlich und ganz privat.
Zu dir in dein Leben:
in deine Sorgen, deine To-Dos, deine Herausforderungen und deine Hoffnungen.

Und ich frage mich:
Wie viele Menschen in der Geschichte haben diesen Satz schon gehört,
gesagt, gesungen, gehofft?

Sacharja ruft ihn in eine Welt hinein,
die müde ist.
Zu einem Volk, das heimkehrt –
aber das Zuhause fühlt sich fremd an.
In Häuser, die langsam wieder belebbar werden,
aber immer noch die offenen Wunden der Zerstörung zeigen.
Der Tempel soll neu gebaut werden,
aber der Mut ist irgendwo zwischen gestern
und „Es ist zu viel“ liegen geblieben.

Und mitten in dieses „zu viel“
ruft der Prophet:
Siehe: Dein König kommt zu dir.
Ein Gerechter.
Ein Helfer.

Gerecht – das heißt nicht:
Er zählt deine Fehler.
Es heißt: Er sieht, was krumm geworden ist –
und richtet es zurecht.
Er spricht Recht,
wo Menschen übergangen werden.
Er sieht die Tränen,
die hinter Türen geweint werden,
und sagt: „Ich übersehe dich nicht.“

Ein Helfer –
nicht einer, der sagt: „Nun mach mal.“
oder: „Das wird schon wieder.“
Sondern einer, der trägt.
Der rettet.
Der deine Hand nimmt,
wenn du nicht mehr weiterweißt.
Und wenn du glaubst,
du müsstest den Weg zu Gott erst finden –
sei gewiss: 
Schon längst läuft Gott zu dir.
Jesus läuft dir entgegen.

Das ist Weihnachten.
Gott bleibt nicht im Himmel wohnen.
Gott zieht um.
Zu uns.
Und er kommt nicht auf einem Schlachtross,
nicht mit Panzergeschrei,
nicht mit der Macht der Gewalt
nicht mit Prunk und Protz. 

Er kommt auf einem Esel.
Demütig.
Leise.
Nahbar.
Langsam.
Auf Augenhöhe und in unserem Schritttempo. 

Vielleicht sind wir die,
die mutlos geworden sind.
Die, die Nachrichten lesen
und manchmal am Frieden zweifeln.
Die, die Verantwortung tragen –
in Gemeinden, Familien,
im Bund, in der Welt –
und manchmal mehr geben, als wir haben.

Wir sind die, die manchmal fühlen:
„Es ist zu viel.“
Und in genau dieses „zu viel“ hinein
sagt Gott:
Siehe.
Schau hin.
Ich komme zu dir.
Nicht irgendwann.
Sondern jetzt.

Was für eine Ansage!
Nicht:
„Werd besser.
Streng dich an.
Du kriegst das schon hin.“
Sondern:
„Ich komme.
Ich bin bei dir.
Ich helfe.
Ich nehme dir ab,
was du nicht mehr tragen kannst.
Ich sorge für dein Recht,
für Perspektiven in deinem Leben.“

Das ist die leise, wunderbare Wahrheit, auf die wir uns vorbereiten:
Wir feiern kein glänzendes Spektakel.
Wir feiern kein perfektes Programm.
Wir feiern einen König, der klein wird,
um uns aufzurichten.

Einen König,
der still wird,
damit wir hören,
wie Hoffnung klingt.
Einen König,
der zu uns kommt –
in unsere Müdigkeit,
unsere Verantwortung,
unsere Unsicherheiten,
unseren Unfrieden,
unsere Welt,
so wie sie ist.

Und darum –
egal, wie viel Dunkel bleibt,
egal, wie laut die Welt ist,
egal, wie viel unterwegs zerbricht:

Siehe.
Dein König kommt zu dir.
Ein Gerechter.
Ein Helfer.

Und vielleicht ist das alles,
was wir diese Weihnachten brauchen:
Mehr Vertrauen.
Mehr Hinsehen.
Gottes Nähe.
Denn er ist unterwegs.
Für dich.
Für uns.
Für diese Welt.
Siehe.
Dein König kommt.

Natalie Georgi 
Präsidentin

Weihnachtsandacht Agathe Dziuk, BEFG-Referentin für Diakonie und Gesellschaft

Ich steh an deiner Krippe hier

Ich steh an deiner Krippe hier, allein und im Dunkel der Nacht,
am Ende eines langen Jahres, voller Ängste, Unsicherheiten und innerer Zerissenheit.
Und auch wenn ich weiß, wie die Geschichte ihr Etappenziel findet, will ich im Moment verweilen, für einen Augenblick die Sorgen um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor die Krippe legen und mit leichten Schultern über dich staunen.
Ich sehe dich an, dieses kleine Geschöpf, dessen Haut viel dunkler ist, als ich lange geglaubt habe. 
Gebettet auf Heu und Stroh, ein kleines Häufchen Leben. Geboren als bedürftiges Menschenkind; schwach, verletzlich, bedroht, 
und gleichzeitig: die offene Zukunft, die die volle Hoffnung in sich birgt.

Ich steh an deiner Krippe hier, mit Josef im faden Licht einer kleinen Öllampe.
Er, der vielleicht ein wenig unbeteiligt wirkt, etwas an den Rand der Szene gerückt. 
Er, der viel mehr ist, als eine bloße Randfigur. 
Er, der sich in seiner Treue und Liebe über gesellschaftliche Konventionen stellt und da ist, weil er gebraucht wird. 
Er, der beisteht, weil er wahrscheinlich gar nicht anders kann.
Nicht weil er alles versteht und alles bis zum Ende durchdacht hat, sondern weil er mitfühlt. Dieses Mitgefühl ist echte Stärke, die sich darin offenbart zu stützen und zu tragen. Seine Fragen werden sich nicht aufgelöst haben und manche mögen immer unbeantwortet geblieben sein. Er aber ist geblieben, bei den Menschen, die ihn brauchten; er hat seine Stärke bewiesen gegen jeden Zweifel.
Ich steh an deiner Krippe hier, mit Josef im faden Licht einer kleinen Öllampe und möchte denen beistehen, die mich brauchen, auch wenn ich nicht alles verstehe und alles bis zum Ende durchdacht habe.

Ich steh an deiner Krippe hier, mit den drei weisen Männern im Duft von Weihrauch und Myrrhe.
Sie sind weit gereist und haben Hindernisse überwunden, angetrieben von Neugierde und geleitet von einem Stern folgen sie dem Licht; kommen erst über einen Umweg ans Ziel und müssen verstehen, dass das, was sie suchten, ganz anders ist als das, was sie vorfinden. 
Unerfüllte Königserwartungen treffen auf die harte Realität eines Holzverschlages. 
Und doch ändert dies nichts an der Freude daran, das Gesuchte gefunden zu haben. Ihre Sehnsucht kommt an ihr Ziel.
Mit der Hilfe des Sterns werden die drei Fremden, Anderen Teil der Gemeinschaft um den Messias und können dem Kind in der Krippe die Ehre erweisen, die sie dazu bewegt hat, sich auf den Weg zu machen.
Ich steh an deiner Krippe hier, mit den drei weisen Männern im Duft von Weihrauch und Myrrhe und möchte dem Licht folgen damit meine Sehnsucht an ihr Ziel kommt.

Ich steh an deiner Krippe hier, mit den Hirten, im kalten Wind.
Diese unbedeutenden Männer, die hereingestolpert sind in einen unscheinbaren Stall, weil sie ihren Augen und Ohren trauten. Sich nicht beirren ließen von einem „Das kann ja gar nicht sein“, sondern das Wunder in ihrer kleinen Welt erwarten konnten. 
Und wenn sie dann zu ihren Schafen zurückkehren, dann werden sie ihr Leben weiter am Rande der Gesellschaft führen, ihre Schafe hüten und auf etwas tröstendes Alltagsglück hoffen. Ihr Leben wird weitergehen, wie es begonnen hat: nebensächlich im Gefüge der Menschheitsgeschichte; und doch wird ihr Leben vollkommen anders weitergehen als es begonnen hat, weil ab nun alles anders ist in ihrer kleinen Welt und im Gefüge der Menschheitsgeschichte. Ich kann wahre Freude in ihrem Lachen hören, wenn sie sich am Lagerfeuer an diese Nacht erinnern.
Ich steh an deiner Krippe hier, mit den Hirten, im kalten Wind und möchte meinen Augen und Ohren trauen und das Wunder erwarten in meiner kleinen Welt.

Ich steh an deiner Krippe hier, mit Maria im muffigen Stall.
Kann nur erahnen, wie ihr Körper schmerzt nach Reisestrapazen, Wehen und Geburt.
Kann nur erahnen, wie ihr Kopf verarbeitet, was in ihr geschehen ist in den Monaten, die hinter ihr liegen.
Kann nur erahnen was ihre Seele fühlt, wenn sie ihren ersten Sohn betrachtet und gleichzeitig verstehen muss, dass er so viel mehr ist als ihr Baby.
Mein Blick schweift über ihren mädchenhaften Körper und statt Demut und Zurückhaltung sehe ich Kraft und Entschlossenheit – eine junge Frau, die stark ist, weil Frauen stark sind. Eine Frau, die sich eingelassen hat darauf, dass Gott ihr Leben vollkommen verändert und ihrem Mut dieses neue Leben zumutet. Nicht als persönliche Herausforderung oder Glaubensprüfung, sondern als Möglichkeit zu finden: sich selbst und Gott.
Ich steh an deiner Krippe hier, mit Maria im muffigen Stall und möchte meinem zusammengekratzten Mut das Leben zumuten lassen.

Ich steh an deiner Krippe hier, nicht allein und im hellen Licht der Zuversicht
am Ende eines langen Jahres voller Freude, Lachen und Segensglück.
In deiner Gegenwart bin ich nicht allein.
Und auch wenn ich weiß, wie die Geschichte ihr Etappenziel findet, will ich im Moment verweilen, für einen Augenblick die Hoffnung vor die Krippe legen und mit vollem Herzen über dich staunen.
Ich sehe dich an, dieses kleine Geschöpf, dessen Haut viel dunkler ist als ich lange geglaubt habe. 
Gebettet auf Heu und Stroh, ein kleines Häufchen Leben. Geboren als bedürftiges Menschenkind; schwach, verletzlich, bedroht, 
und gleichzeitig: der Weg, die Wahrheit und das echte, volle Leben.
Ich steh an deiner Krippe hier, nicht allein und im hellen Licht der Zuversicht und möchte mit leichten Schultern und mit vollem Herzen über dich staunen. 
Wir stehen an deiner Krippe hier, gemeinsam und im strahlenden Schein deiner Herrlichkeit.

Agathe Dziuk
Referentin für Diakonie und Gesellschaft