Ruf zur Einheit

ACK-Delegiertentagung 2026

Bei ihrer Tagung am 30. und 31. Januar in Elstal haben die ACK-Delegierten der Landesverbände und des Bundes ihre ökumenischen Erfahrungen ausgetauscht und über die neue Version der Charta Oecumenica diskutiert.

Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und seine Gemeinden pflegen ökumenische Beziehungen unter anderem in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Zu Beginn eines Jahres treffen sich die ACK-Delegierten der Landesverbände und des BEFG, um sich unter der Leitung von Pastor Manfred Ewaldt über ihre Erfahrungen auszutauschen. Zu Gast war diesmal Lea Schlenker von der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), die den Prozess der Bearbeitung der Charta Oecumenica seitens der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) maßgeblich mitgestaltet hat.

„Die ökumenische Bewegung ist das Werk des Heiligen Geistes, der Gläubige und Kirchen zur gegenseitigen Liebe und zur Antwort auf den Ruf zur Einheit ermutigt“, heißt es in der Charta Oecumenica. Die Charta ist ein Text, den Kirchen Europas gemeinsam erarbeitet und 2001 unterzeichnet haben. 2022 haben die KEK und der Rat der Europäischen Bischofkonferenz (CCEE) eine Revision der Charta beschlossen. Die Charta sollte bekräftigt und weitergedacht werden, berichtete Lea Schlenker. Sie stellte den Delegierten die neue Fassung vor, die im November 2025 von KEK und CCEE im Rom unterzeichnet wurde. Zeitgleich veröffentlichte die ACK die deutsche Übersetzung des Textes.

Die revidierte Fassung enthält vier neue Kapitel zu den Themen Jugend, Frieden, Migration und Digitalisierung. Sie ist nun in folgende vier – statt drei – Abschnitte gegliedert: „Wir glauben die ‚eine, heilige, katholische und apostolische Kirche‘“, „Auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen“, „Begegnungsräume in Europa“ sowie „Felder gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamen Engagements in Europa“. In Kleingruppen zu den einzelnen Abschnitten setzten sich die Delegierten mit dem Inhalt und den Formulierungen der Charta auseinander und fragten sich, welche Impulse sie für ihr ökumenisches Engagement mitnehmen können. Zahlreiche Selbstverpflichtungen in der Charta fordern die Christinnen und Christen sowie Kirchen zu wachsender Einheit und gemeinsamem Handeln auf.

Pastor Manfred Ewaldt, Mitglied im Vorstand der ACK, eröffnete die Tagung mit einer Begrüßungsrunde und der Frage, wie die einzelnen Delegierten zu ihrem Engagement in der Ökumene kamen. Begeistert erzählten sie von persönlichen Erfahrungen und ihrem „Ja“ zur Ökumene. Gott habe viele Kinder mit unterschiedlicher Kleidung, sagte eine Delegierte und unterstrich die Vielfalt der Gemeinde Jesu. Manfred Ewaldt machte darauf aufmerksam, dass Gemeinden mit interkulturellen Projekten, die Juden, Muslime und Christen zusammenbringen, sich bei „Weißt du, wer ich bin?“ um Förderung bewerben können.

In vielen regionalen ACKs wurde im vergangenen Jahr das Täufergedenken thematisiert, und auch das erste ökumenische Konzil von Nizäa, das vor 1.700 Jahren stattgefunden hat, wurde aufgegriffen. Mona Kuntze berichtete vom Christinnenrat und dem Weltgebetstag der Frauen, der 2026 von Frauen aus Nigeria gestaltet wird. Jasmin Jäger, die Leiterin der Geschäftsstelle der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), wies auf das 100-jährige Jubiläum der VEF hin, zu dem auch ein Magazin veröffentlicht werden soll.

BEFG-Generalsekretär Christoph Stiba erinnerte an das Abschlussdokument der Gespräche zwischen BEFG und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands: „Kirchengemeinschaft auf dem Weg“. Pastor Dr. Christian Wehde vertritt den BEFG in Kontaktgesprächen zwischen der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), um Möglichkeiten der Kirchengemeinschaft auszuloten. „Das Miteinander in der Ökumene fußt nicht auf einem gemeinsamen Taufverständnis, sondern auf dem Glauben an Jesus Christus“, so Stiba. Er berichtete zudem, dass Pastor Dr. Jochen Wagner, freikirchlicher Referent in der Ökumenischen Centrale der ACK, zum Honorarprofessor an der Theologischen Hochschule Elstal (TH Elstal) ernannt wurde.

Prof. Dr. Carsten Claußen von der TH Elstal war als offizieller Vertreter des BEFG bei der Sitzung des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Bei dieser Tagung im südafrikanischen Johannesburg wurde der BEFG am 23. Juni 2025 als Vollmitglied in den ÖRK aufgenommen. Damit endete eine zweijährige Übergangszeit der Beteiligung und Konsultation mit den Mitgliedskirchen des ÖRK. Einen ausführlichen Bericht gibt es hier. Aus dem Deutschen Ökumenischen Studienausschuss (DÖSTA) berichtet Claußen, dass die Studie „Sprache(n) des Gebets“ noch dieses Jahr veröffentlicht wird. Das Thema soll auch bei der Delegiertentagung im Januar nächsten Jahres behandelt werden.

Am Ende der Tagung verabschiedete Manfred Ewaldt den ausscheidenden Generalsekretär Christoph Stiba aus der Runde und würdigte ihn als „kompetenten und energischen Gesprächspartner mit einem großen Herzen für die Sache der Ökumene“. Stiba betonte die Bedeutung der ökumenischen Arbeit auch für die neuen BEFG-Regionen, die die Landesverbände ablösen werden, und ermutigte, sich weiter für die Einheit der Gemeinde Jesu einzusetzen.

Ein Artikel von Jasmin Jäger