
Foto: David Vogt
Segen bewegt – Hoffnung weitertragen
Bericht von der Bundesratstagung 2026
Die Bundesratstagung 2026 des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Kassel stand unter dem Leitwort „Segen bewegt“. In Gottesdiensten, Beratungen und Begegnungen wurde deutlich: Der Bund befindet sich in einem intensiven Veränderungsprozess – und macht sich dafür stark, dass durch Gemeinden Hoffnung in Kirche und Gesellschaft getragen wird.
Ein Schwerpunkt der Beratungen lag auf der weiteren Umsetzung des Strukturprozesses UB25. Dabei ging es vor allem darum, den rechtlichen Rahmen für die neue Struktur zu schaffen. Neben Änderungen an der Verfassung des Bundes verabschiedeten die Delegierten Änderungen an der Geschäftsordnung sowie der Wahlordnung des Bundesrats. Immer wieder wurde in den Diskussionen deutlich, dass die neuen regionalen Strukturen vor allem den Gemeinden dienen sollen. Dabei wurde mehrfach betont, wie viel ehrenamtliches Engagement den Bund trägt und wie wichtig gegenseitige Unterstützung bleibt. BEFG-Präsidentin Natalie Georgi sagte: „Es sind manchmal die späten Abendstunden und die wertvollen Wochenenden, die Ihr als Ehrenamtliche in das Leben unserer Gemeinden, in die Neustrukturierung unseres Bundes, in die bisherigen Landesverbände, in die entstehenden Regionen, in die Gremien, in die Fach- und Arbeitskreise und in die vielen Initiativen unserer Bundesgemeinschaft investiert. Das ist ein riesiges Geschenk. Wir danken Euch dafür“. Die Präsidentin richtete sich auch an die hauptamtlichen Bundesmitarbeitenden, die durch Stellenabbau und die Auflösung von Arbeitsbereichen von UB25 besonders betroffen seien. „Wir danken Euch, dass Ihr Euch mit kritischen Anfragen und konstruktiven Ideen in den Prozess eingebracht habt und nun so tatkräftig daran mitarbeitet, dass die Arbeit des Bundes in neuer Form wachsen kann. Allen, deren Dienstzeit demnächst endet, wollen wir nochmal von Herzen danken für das, was Ihr für den Bund getan habt. Ihr hinterlasst Segenspuren, die über Eure Dienstzeit hinauswirken werden.“ Unter den zu verabschiedenden Mitarbeitern war auch der ehemalige Generalsekretär Christoph Stiba, der für seinen Dienst vom ehemaligen Präsidenten Hartmut Riemenschneider besonders gewürdigt wurde. Für die aktuelle Mitgliederstatistik wurden in diesem Jahr nur wenige, zentrale Kennwerte erhoben, bevor es kommendes Jahr wieder eine ausführliche Statistik geben wird. Zum 31. Dezember 2025 gehörten zum BEFG 759 Gemeinden mit 71.199 Mitgliedern. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um 757 Mitglieder oder 1,05 Prozent. Als Missionsbewegung werde der Bund sich mit dem Rückgang nicht anfreunden, sagte BEFG-Generalsekretär Dr. Maximilian Zimmermann. Gleichzeitig dürfe der Blick auf den Bund nicht allein von Zahlen bestimmt werden, weil das Neue Testament eine Form von Wachstum beschreibe, die mehr sei. So fordere der Apostel Paulus im Epheserbrief dazu auf, wahrhaftig zu sein in der Liebe und „in allen Stücken“ zu wachsen „zu dem hin, der das Haupt ist, Christus“. Dafür, dass in BEFG-Gemeinden im vergangenen Jahr 1.714 Menschen getauft wurden – der höchste Wert der letzten sieben Jahren -, sei er dankbar, so Zimmermann.
Der Himmelfahrtsgottesdienst stand unter dem Motto „Gottes Segen bewegt … zum Aufbruch“. In ihrer Predigt ermutigte BEFG-Präsidentin Natalie Georgi dazu, sich von Gottes Segen in Bewegung setzen zu lassen. Die Jünger hätten nach der Himmelfahrt Jesu lernen müssen, aufzubrechen und sich auf Gottes Gegenwart zu verlassen. Georgi lud die Teilnehmenden ein, mutig neue Wege zu gehen – auch dort, wo Veränderungen Verunsicherung auslösen.
Sieben neue Gemeinden wurden unter großem Applaus der Anwesenden in den BEFG aufgenommen: die Kirche für Aschaffenburg, Frankfurt Connect, Hennigsdorf Heimatgeber, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Klinga, das Jesus-Projekt Rottenburg, EKKLESIA Schifferstadt und die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Wunstorf – Kreuzkirche. Außerdem wurden 15 neue Ordinierte Mitarbeitende sowie 16 Gemeindereferenten und Gemeindereferentinnen im öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis begrüßt.
Eine Folge des Strukturprozesses ist auch, dass es die Akademie Elstal, den Dienstbereich Mission und die Bundesgeschäftsstelle des GJW in Zukunft in der bisherigen Form nicht mehr geben wird. Diese Bereiche sollen künftig in veränderter Form in den Aufgabenbereichen des Teams Gemeinde leben zusammengeführt werden. Lea Herbert, Tobias Köpke, Volkmar Hamp, Mirko Thiele, Matthias Dichristin, Dagmar Brinkema, Thomas Klammt, André Peter, Benno Braatz, Agathe Dziuk, Christopher Rinke, Katrin Neubert und Simon Werner, die diesem Team angehören, stellten sich auf der Bundesratstagung vor und schilderten, wofür ihr Herz schlägt.
Der kaufmännische Geschäftsführer des BEFG, Volker Springer, legte am 15. Mai den Delegierten der Bundesratstagung in Kassel einen ausgeglichenen Haushalt für 2025 vor. Der Bundesrat beschloss, ab 2027 den Bundesbeitrag sowie die bisherigen Landesverbandsbeiträge zu einem einheitlichen Beitrag von 108,00 Euro zusammenzuführen. Zudem wird ein neues Bundesbeitragsmodell erarbeitet, das regionale und gemeindliche Unterschiede berücksichtigt.
Ein zentrales Thema der Tagung war die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Unter anderem ging es um sogenannte Junge Parlamente und neue Formen von Partizipation. Dabei wurde betont, dass es eine zutiefst geistliche Aufgabe sei, Kinder und Jugendliche auf dem Weg zu mündigen Christinnen und Christen zu begleiten und ihnen Verantwortung zuzutrauen. Immer wieder wurde klargestellt, dass die junge Generation nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart der Gemeinden sei. Der Abend „Segen bewegt … UNS“ griff diesen Gedanken auf: In einem dynamischen Gesprächsformat kamen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Generationen miteinander ins Gespräch über ihre Sicht auf Kirche und Glauben. Dabei wurde deutlich: Segen ist keine Einbahnstraße, sondern fließt zwischen den Generationen hin und her.
Nachdem der Bundesrat im vergangenen Jahr die Mitglieder der 2024 beschlossenen Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt berufen hatte, berichteten diese nun über die geplante Arbeitsweise der Kommission: „Wir sind keine Ermittlungsbehörde. Wir führen keine juristischen Untersuchungen durch“, sagte Andreas Bochmann, BEFG-externes Mitglied der Kommission. Aufgabe der Kommission sei die Aufarbeitung. Damit diese möglich wird, braucht die Aufarbeitungskommission Informationen, Erfahrungsberichte und Hinweise. Darum richtete Sprecherin Anna Eberbach einen ausdrücklichen Appell an Betroffene: „Wenn Sie sexualisierte Gewalt im Kontext des BEFG erlebt haben oder wenn Sie Hinweise geben möchten, melden Sie sich bei uns.“ Dies ist möglich per E-Mail an aufarbeitungskommission(at)befg.de.
Auch Inklusion und Teilhabe spielten bei der Bundesratstagung eine Rolle. Im Forum „Kirche für Dich – inklusive Kirche gestalten“ wurde gefragt, wie Gemeinden offener für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen werden können. Ziel ist es, Inklusion nicht nur als organisatorische Aufgabe zu verstehen, sondern als geistliche Haltung.
Der Bundesrat verabschiedete eine Resolution zu gesellschaftlicher Verantwortung und Menschenwürde. Darin bekennen sich die Delegierten angesichts von Kriegen, Klimakrise, wachsender Ungleichheit und antidemokratischen Entwicklungen zur Verantwortung von Christinnen und Christen für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Die Resolution wendet sich gegen Gewalt, Extremismus und jede Form der Ausgrenzung. Zugleich ruft sie Gemeinden dazu auf, wachsam zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und sich gemeinsam mit anderen für Menschenrechte und den Schutz der Schwachen einzusetzen. Die Hoffnung der Christinnen und Christen gründe dabei auf Gott, „die Quelle allen Lebens und aller Liebe“.
Am Eröffnungsabend, gestaltet von EBM INTERNATIONAL, wurde die weltweite Gemeinschaft von Christinnen und Christen in den Mittelpunkt gestellt. Unter dem Thema „Gottes Segen bewegt … weltweit“ unterhielten sich Jonas Kakenge Mbwenga aus Namibia, Hürrem Carolin Keskin aus der Türkei und Ria Tintswalo Mojapelo, EBM-Regionalrepräsentantin für das südliche Afrika, über ihre Erfahrungen in der Missionsarbeit. Die Gespräche und Berichte des Abends zeigten deutlich, dass Mission vor allem als gegenseitiges Lernen und Begegnung auf Augenhöhe verstanden wird.
Die Bibelarbeiten der Tagung griffen das Jahresthema „Segen bewegt“ aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Dabei ging es um Fragen von Einheit und Streit in Gemeinden, um Gottes Segen mitten in Widersprüchen und um die Suche nach dem gemeinsamen Weg.
Neben den Beratungen prägten viele persönliche Begegnungen, Gebetszeiten, Musik und Gespräche die Tage in Kassel. Auch die Veranstaltungen von „Soul, Food & Sharing“, bei denen die Teilnehmenden aus verschiedenen parallelen Programmangeboten wählen konnten, schufen Raum für Gemeinschaft und neue Impulse. Viele Teilnehmende erlebten die Tagung deshalb nicht nur als Kirchenparlament, sondern auch als echtes Glaubensfestival.
Zur gemeinsamen Feier des Bundesgottesdienstes, der am Sonntag live aus der EFG Berlin-Schöneberg übertragen wurde, waren alle BEFG-Gemeinden online eingeladen.
Die nächste Bundesratstagung findet vom 5. bis 8. Mai 2027 statt.
Julia Grundmann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im BEFG
Der Text kann für den jeweiligen Gemeindebrief gerne gekürzt, angepasst oder durch persönliche Eindrücke der eigenen Delegierten ergänzt werden.
Ausführliche Berichte, Live-Mitschnitte, Videos und Dokumente gibt es unter: www.befg.de/bundesrat2026
Dort steht auch eine große Auswahl an Bildern unseres Fotografen David Vogt zum Download bereit, die unter Nennung seines Namens für die Berichterstattung vom Bundesrat frei verwendet werden dürfen.