Live-Übertragung und Aufzeichnung von Gottesdiensten

Urheberrechtsfragen, GEMA, Rundfunklizenz

Dieser Text wird stetig aktualisiert (zuletzt am 28. August 2020, 12:20 Uhr).
Letzte Aktualisierung: Genehmigung der Hessichen Landesmedienanstalt bis 31. Dezember 2020 verlängert

Einige Gemeinden tun es bereits, andere wollen es zeitnah umsetzen: Gottesdienste per Video-Livestream ins Internet übertragen. Bei der Live-Übertragung sind einige rechtliche Themen zu beachten.

Rahmenbedingungen

Nun haben sich für alle Aktivitäten in ganz Deutschland offenkundig die Rahmenbedingungen verändert, nachdem sich Bundesregierung und Länder am 23. März auf ein Kontaktverbot geeinigt haben. In der Öffentlichkeit dürfen sich nicht mehr als zwei Personen treffen – es sei denn, sie leben im selben Haushalt. Was bedeutet das für Gemeinden, die einen Stream übertragen wollen?

Zunächst bedeutet es eines: Gemeinden haben darauf zu achten, das Grundanliegen hinter dieser staatlichen Maßnahme des Kontaktverbots auch bei Online-Gottesdiensten umzusetzen. Es geht darum, unter allen Umständen zu verhindern, dass das Virus weitergetragen wird. Wir raten allen Gemeinden, dass an der Gestaltung so wenige Personen mitwirken, wie es nötig und irgend möglich ist. Auch die Hygienevorschriften und der Sicherheitsabstand sind einzuhalten. Schließlich ist darauf hinzuwesein, dass alle Bundesländer das Kontaktverbot mit einer eigenen Verordnung umsetzen. Manche sind restriktiver als andere. Auf unserer Seite zu den staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben wir alle 16 Länder-Verordnungen verlinkt. Gemeinden werden gebeten, diese Vorgaben sowie mögliche weitere regionale und lokale Erlasse bei der Entscheidung zu beachten, wie sie bei der Erstellung ihrer Online-Angebote vorgehen.

Hierzu eine persönliche Seitenbemerkung des Autors: Wir erleben in diesen Tagen in unserem Bund sehr unterschiedliche Ansätze, „corona-sicher“ Gottesdienst zu feiern. Manche davon funktionieren auch mit einer oder maximal zwei Personen in einem Raum. So haben wir am vergangenen Sonntag (22. März) in meiner Berliner Gemeinde Gottesdienst mit einer Software für Online-Meetings gefeiert. Alle saßen bei sich zu Hause – auch das Musikerehepaar, die Predigerin und der Moderator. Alle Gottesdienstbesucherinnen und -besucher, etwa 90 an der Zahl, die ihre Kamera eingeschaltet hatten, waren für alle zu sehen. Und am Ende hatten wir sogar unseren „Begegnungsteil“: Die Software „würfelte“ per Zufallsprinzip jeweils fünf Leute zusammen – und so konnten wir uns in einem kleineren Rahmen austauschen. Auch wenn es im realen Leben natürlich besser ist: Das war echte Gemeinschaft!

Urheberrecht (Musik)

Im Zentrum der Urheberrechtsfragen steht das Abspielen von Musik. Die Gemeinden des BEFG fallen unter den Vertrag, den die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) mit der GEMA abgeschlossen hat. Alle BEFG-Gemeinden dürfen deshalb Werke aus dem GEMA-Repertoire in Gottesdiensten und gottesdienstähnlichen Veranstaltungen abspielen. Der Vertrag umfasst auch, dass diese Gottesdienste ins Internet gestreamt werden dürfen. Darüber hinaus gibt es seit einiger Zeit eine Einigung zwischen GEMA und YouTube, wodurch Gottesdienste, die mit GEMA-Repertoire von Deutschland aus in YouTube eingestellt werden, hinsichtlich der Rechte, die der GEMA zustehen, abgegolten sind. Dies gilt analog auch für Facebook und Instagram. Es macht dabei keinen Unterschied, ob GEMA-geschützte Musik von CD kommt oder selber eingespielt wird, zum Beispiel von der Gemeindeband.

Impressum und Datenschutzerklärung in Social Media

Wenn Gemeinden einen YouTube-Kanal, eine Facebook-Seite, einen Instagram-Account oder einen Twitter-Account anlegen, müssen sie auf der Startseite des Kanals ihr Impressum und ihre Datenschutzerklärung verlinken. Und sowohl im Impressum als auch in der Datenschutzerklärung, die sich auf der Internetseite der Gemeinde befinden können, muss der entsprechende Social-Media-Kanal erwähnt werden. Ein Beispiel für die Umsetzung auf einer Social-Media-Startseite ist der Twitter-Account des BEFG. In der Medienrechtsbroschüre des Bundes finden Gemeinden ein Muster-Impressum. Und auf unserer Seite zum Datenschutz steht eine Muster-Datenschutzerklärung im rtf-Format bereit, die Gemeinden auf ihre Situation anpassen können. (Absatz ergänzt am 31. März, 16:57 Uhr)

Liedtexte im Stream

CCLI bietet seit dem 24. März eine Lizenz an, mit der es nun doch möglich ist, beim Streaming von Gottesdiensten auch Liedtexte einzublenden. Gemeinden können diese Lizenz zusätzlich zu ihrer regulären CCLI-Liedlizenz erwerben. Der Preis richtet sich nach der durchschnittlichen Gottesdienstbesucherzahl, die der regulären Lizenz zugrundliegt. Gemeinden, die normalerweise – also außerhalb der Coronakrise – zwischen 100 und 249 Gottesdienstbesucher haben, zahlen beispielsweise rund 90 Euro im ersten Jahr inklusive Mehrwertsteuer. Informationen dazu gibt es auf dieser CCLI-Unterseite. Die Lizenz ermöglicht nicht nur Gemeinden das Streamen von Liedtexten – sie unterstützt gleichzeitig christliche Künstlerinnen und Künstler, deren Auftritte wegen der Coronakrise ausfallen.

Weitere Urheberrechte

Außerdem soll bitte darauf geachtet werden, dass bei einer Videoübertragung eventuell weitere Urheberrechte berührt sein könnten. Dies betrifft beispielsweise Bilder, die in einer PowerPoint-Präsentation zur Predigt gezeigt werden. Sofern diese urheberrechtlich geschützt sind, müssen sie für diese Form der Veröffentlichung lizenziert sein. Es empfiehlt sich, ausschließlich Bilder zu nutzen, die selbst gemacht wurden.

Rundfunklizenz (aktualisiert)

Aktualisierung zum Thema Rundfunklizenz: Die Medienanstalten ermöglichen in der Coronakrise ein pragmatisches Vorgehen bei Live-Streamings. Das „vereinfachte Anzeigeverfahren zur Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Teilhabe während der Zeit der Coronakrise“ hilft Gemeinden, in dieser Ausnahmesituation ihre Gottesdienste zu streamen, ohne aufwendig eine Rundfunklizenz beantragen zu müssen. Als BEFG haben wir das Streaming für alle Bundesgemeinden bereits angezeigt und eine Unbedenklichkeitsbescheinigung erhalten. Diese Genehmigung wurde bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Wir bitten alle Gemeinden, die ihre Gottesdienste live streamen, das Meldeformular auszufüllen. Wir geben die Angaben dann an die Medienanstalt weiter.

Unbedenklichkeitsbescheinigung der Medienanstalt Hessen für den BEFG (Schreiben vom 24. März 2020)

Zum Meldeformular

Pressemitteilung der Medienanstalten (20. März 2020)
Merkblatt der Landesmedienanstalten

Allgemeine Informationen zum Thema Rundfunklizenz: Checkliste, ab wann man im Regelfall eine Rundfunklizenz beantragen muss

Das Thema „Rundfunklizenz“ ist ausschließlich für die Live-Übertragung relevant.

Nicht (nur) live: Gottesdienste später anschauen

Wenn Gemeinden ihre Gottesdienste aber aufzeichnen, damit Gemeindemitglieder und Interessierte sie später anschauen können (sogenanntes „nicht-lineares Streaming“), dürfen sie die Clips zusammen mit GEMA-geschützten Werken auf YouTube veröffentlichen. Und möglich ist dies nur auf YouTube. Videos mit Gottesdiensten dürfen also nicht auf Gemeindeseiten veröffentlicht werden. Doch ein auf der Gemeindeseite eingebettetes YouTube-Video ist möglich. Falls nur die Predigt veröffentlicht wird – ohne Musik – dürfen Gemeinden das auf jeder Seite und zeitlich unbegrenzt tun, sofern der Prediger oder die Predigerin damit einverstanden ist und sofern keine anderen Urheberrechte betroffen sind (zum Beispiel Fotos in Präsentationen, wie in diesem Artikel beschrieben). 

Technische Umsetzung

Zur Frage nach den Übertragungswegen: Einen guten Überblick, wie Video-Livestreaming in sozialen Netzwerken funktioniert, gibt ein Artikel der Nordkirche. Denkbar ist auch, dass Gemeinden einen YouTube-Livestream auf ihrer Internetseite einbetten. Es bietet sich an, für die Übertragung die Social-Media-Kanäle zu nutzen. Denn dann muss nicht aufwendig eine eigene technische Logistik an den Start gebracht werden. In unserem Forum zu digitalen Werkzeugen können Gemeinden sich auch darüber austauschen, wie sie den Stream gestalten.

Persönlichkeitsrecht

Zu den rechtlichen Fragen gehört auch das Persönlichkeitsrecht. Gemeinden werden gebeten mit allen, die an der Gestaltung des Gottesdienstes beteiligt sind, zu klären, ob sie mit der öffentlichen Übertragung einverstanden sind. Alle, die zu sehen sind, müssen davon wissen und einverstanden sein.

Abschließend

Diese Informationen wurden in Rücksprache mit verschiedenen Fachleuten aktuell zusammengestellt. Zu manchen Themen gibt es leider keine abschließende Rechtsmeinung. Wer also ganz auf „Nummer sicher“ gehen will, kann seinen im Internet angebotenen Gottesdienst auf die Verkündigung reduzieren. Es können auch ein oder zwei ältere Choräle gespielt werden, deren Urheber bereits seit mindestens 70 Jahren verstorben sind, sofern keine weiteren Einschränkungen durch Urheber- oder Verwertungsrechte vorliegen. Eine Abwägung, welche Variante des Livestreams es sein soll, muss jede Gemeinde für sich treffen.

Und wer streamt?

Eine Sammlung Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, die einen Livestream anbieten, gibt es unter www.baptisten.de/live-gottesdienste.

Autor: Dr. Michael Gruber